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Am Holzgewinnungssektor spielt sich viel zu wenig ab“
Biomasseheizwerke stehen hoch im Kurs. Allein – den Werken geht
das Holz aus. Eine landesweite Biomasse-Strategie wäre deshalb
wünschenswert.
Die Tiwag lässt sich das Material für ihre Biomasseheizwerke
vom Maschinenring besorgen. Weil Holz offensichtlich Mangelware ist,
werden auch größere Umwege in Kauf genommen.Foto: Schnegg
Foto: REDAKTION
Von Renate Schnegg
Längenfeld – Das Fernheizwerk in Längenfeld wird mit
Holz aus den Innauen bei Stams und Rietz beliefert. Sehr zum Ärger
des Stamser Bürgermeisters Franz Gallop, der dieses „Holz
vor der Tür“ gerne im Stamser Biomasseheizwerk verfeuert
hätte, wo ebenfalls Leere herrscht (die TT berichtete). Gallop
beschwerte sich zudem, dass die Tiwag als Preistreiber fungiere, weil
sie zu überhöhten Preisen einkaufe und der ökologische
Grundgedanke durch verlängerte Transportwege in Frage gestellt
werde.
Hermann Unsinn, bei der Tiwag für die Biomassewerke in Längenfeld,
Lienz und Kufstein zuständig, streut Gallop vorab Rosen: „Der
Franz ist ein Biomasse-Pionier. Und ich kann seine Kritik verstehen.“
Unsinn schätzt, dass das Werk in Stams rund 20.000 Schütt-raummeter
pro Jahr braucht, „wir in den drei Tiwag-Anlagen hingegen rund
500.000. Dafür produzieren wir im Jahr 160 Millionen Kilowattstunden.“
Man spreche also von ganz anderen Dimensionen.
Außerdem gehöre die Beschaffung von Brennholz nicht zu
den Kernkompetenzen der Tiwag, „weshalb wir den Maschinenring
damit beauftragten. Dass es ausgerechnet Holz aus Stams ist, das in
Längenfeld verheizt wird, dafür können wir nichts.
Wir wissen ja nicht konkret, wo die Projekte laufen“, fügt
Unsinn an. Auf die Frage, wieso die Tiwag 27 Euro pro Schüttraummeter
statt der ortsüblichen 20 Euro bezahle, meint Unsinn, „dass
20 Euro für Weichholz, sprich, Fichte, üblich sind. Aus
der Innau kommt aber Hartholz, das kostet rund 30 Prozent mehr, weil
es einen höheren Heizwert hat.“
Gallops Vorschlag einer landesweit koordinierten Biomasse-Strategie
könne er, Unsinn, nur begrüßen, „denn am Sektor
der Holzgewinnung spielt sich derzeit viel zu wenig ab. Jedes Jahr
kommen Biomasseheizwerke hinzu und wir haben echt Probleme, die Holzmengen
zu beschaffen.“ So läuft es derzeit auch in Längenfeld:
Dort braucht man pro Jahr rund 75.000 Schüttraummeter. Beim Bau
der Anlage wurde sogar eine Hackgutgenossenschaft gegründet,
die Material ans Heizwerk liefern soll.
Was sie auch tut, aber offensichtlich zu wenig: „Wir würden
der Genossenschaft jährlich rund 20.000 Festmeter abnehmen, sie
liefert aber nur ein paar hundert. Deshalb müssen wir ins Inntal
hinausgehen“, erklärt Unsinn den Umweg.
Man liefere, was möglich ist, „mehr geht einfach nicht“,
sagt der Obmann der Hackgutgenossenschaft, Robert Klotz. Früher
hätten wesentlich mehr Agrargemeinschaften aus dem gesamten Ötztal
nach Längenfeld geliefert, „jetzt ist quasi nur noch Längenfeld
übrig.“ Der Holzeinschlag im Gemeindegebiet wäre zwar
theoretisch groß genug, „allerdings brauchen die Leute
das Holz selber.“ Man liefere deshalb, was übrig- bleibe.
Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 24.02.2011 |
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