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Als ich den Artikel las, rieb ich mir verwundert
die Augen und dachte, Alter Wein in neuen Schläuchen? Da macht
sich der Stadtrat Gedanken über einen griffigen Namen des neuen
Projektes, aber gibt dem Bürger schon fast alles vor. Es soll
eine Lenkungsgruppe aus 22 Personen geben, davon 15 Mitglieder aus
dem Volk, getreu dem Freilassinger Proporz aufgeteilt. Sollen die
15 Themen auch die Arbeitsgruppen sein? Und wer legt die Problembereiche
für Freilassing fest? Ich wusste gar nicht, dass es in Freilassing
ein katholisch/evangelisches Problem gibt? Und was ist mit den Arbeitslosen
oder den rund 50% Nichtwählern in Freilassing ?
Wird hier wieder ein starres Korsett den Freilassingern zu einer
dringend notwendigen Diskussion aufgestülpt, in dem sie sich
nur bewegen dürfen ? Politik und Verwaltung in Freilassing
sollen sich ernsthaft fragen, ob sie eine wirkliche Bürgerbeteiligung
wollen, oder hat das griffige Wort „gemeinsam“ im Amtsdeutsch
eine andere Bedeutung als im deutschen Sprachgebrauch? Warum wird
in Freilassing das Rad neu erfunden ?
Wenn sich jemand knapp 20 Jahre zurück erinnern möchte,
so gab es 1992 in Rio eine „Konferenz für Umwelt und
Entwicklung“, aus der die weltweite Agenda21 Bewegung entstanden
ist mit dem Ziel, Handlungsanleitung zu erarbeiten, was im 21. Jahrhundert
zu tun ist, um die Lebensfähigkeit des Planeten für künftige
Generationen zu erhalten. Kurz gesagt, das Konzept ist in 40 Agenda21
Kapiteln dargelegt und besagt, dass jedes Projekt oder Vorhaben
den drei Prinzipien Ökologie, Ökonomie und Sozialem entsprechen
muss, d.h. es muss wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen
Ansprüchen gerecht werden. Fällt eines der Drei Beine
aus, so ist das Projekt nicht zukunftsfähig und schlussendlich
zum Schaden der Bevölkerung und einer künftigen gesunden
starken Entwicklung.
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Dieses Konzept gibt es seit 1998 auch im BGL, es
gab ebenso in Freilassing detaillierte Arbeitskreise, Pläne,
Broschüren, Webseite. Noch dazu ist das Konzept kostenlos.
Was ist aus den Arbeitsergebnissen geworden? Wo wird im Sinne der
Nachhaltigkeit daran weiter gearbeitet und der Gerhirnschmalz der
Aktiven weiter verwertet?
Die Aufgabe eines Stadtentwicklungskonzeptes ist doch, mit den
Bürgern Ziele zu setzen und zu klären und zu planen, wie
Freilassing in 30 oder 50 Jahren aussehen kann, wohin soll die Reise
gehen angesichts starker sozialer finanzieller und Umwelt Probleme?
Und die Methode heisst Bürgerbeteiligung, aktive Bürger,
die die Zukunft ihrer Stadt gemeinsam selbst gestalten wollen. Deshalb
mein Vorschlag: Auf der Bürgerversammlung bilden sich drei
Themengruppen, Wirtschaft, Umwelt, Soziales, und diejenigen, die
sich für eines der Oberthemen engagieren wollen, diskutieren
dann unter sich, welche Problembereiche es in Freilassing zu den
Oberthemen wirklich gibt und definieren dann selber, welche Arbeitskreise
und Gruppen sie gründen wollen und wo es Handlungsbedarf gibt.
Dazu ist ein starres Konzepte und Proporz der Mächtigen und
Einflussreichen in Freilassing eher hinderlich, denn die Bürger
wissen selber, wo ihnen der Schuh drückt. Es ist nur zu wünschen,
dass sich sehr viele Freilassinger an dieser Diskussion mit Ideenfindung
und dann an der Ausarbeitung der Maßnahmen und deren Umsetzung
beteiligen, und aktiv die Zukunft ihrer/unserer Stadt planen, denn
nur so kann man Betroffene auch zu Beteiligten machen.
Hermann Schubotz, Freilassing
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