| Leserbrief zu „Grüne kritisieren Kraftwerksgegner“
vom 05.03.2010
Der Stil der „großen Politik“ hat auch hier Einzug
gehalten und man befleißigt sich der vielpraktizierten Manier
den vermeintlichen Gegner persönlich zu beschädigen. Beim
Austauschen von Argumenten beschränkt man sich über weite
Strecken auf Schlagworte. Auch die Anführung der in den Nachbargemeinden
problemlos zu planenden Hackschnitzelheizungen ist ein Vergleich
von Äpfeln mit Birnen. Mir ist keine Nachbargemeinde bekannt,
die eine benachbarte Großstadt mit Wärme versorgen will
und die inländische Stromeinspeisevergütung einem „ausländischen
Stromriesen“ in die Taschen fließen lassen möchte,
um es einmal überspitzt und in oben angesprochener Manier auszudrücken.
So ernst wie jetzt auf Geheiß der Salzburg AG sahen auch
Freilassings Bürgervertreter das Thema zentrale Wärmeversorgung
bei den Baugebieten Staufenstraße und Schlenkenstraße
offensichtlich nicht. Dort ist mir als Gegenargument erinnerlich,
dass man den Bauherren die Heizungsversorgung nicht vorschreiben
könne.
Also, was ist so falsch an der Forderung das Instrument der Wärmedämmung
vor die Ermittlung des tatsächlichen Wärmebedarfes zu
schalten? Was spricht gegen die Forderung, alle verfügbare
Sonnenwärme zu nutzen zur tatsächlichen Energie- und ehrlichen
CO²-Einsparung? Das ist für viele Bürger der erste
Schritt, den man bekanntlich nicht vor dem zweiten machen sollte.
Erst dann kann man für die Zukunft planen, einen ehrlichen
Wärmebedarf ermitteln und in neueste Technik investieren unter
Einbeziehung aktuellster Erkenntnisse. Von Holzvergasung als nach
heutigem Wissensstand wesentlich effektivere Nutzung des Rohstoffes
Holz ist bei der derzeitigen Planung meines Wissens nicht die Rede.
Die heute so vehement verfolgten Pläne erscheinen wie das Festklopfen
völlig überdimensionierter Wärmeproduktion unter
begehrlichem Schielen auf die Stromeinspeisevergütung. Steht
das Vorhaben angesichts der kräftigen Kürzungen solarer
Einspeisevergütungen schon heute auf tönernen Füßen?
Auch der Forst fordert schon jetzt wesentlich höhere Preise
für Hackschnitzel. Beziehen wir sie dann irgendwo her aus dem
Osten, weil der Preis das diktiert?
Die Argumente der BN Ortsgruppe Freilassing laufen auch nicht konträr
zu Leitlinien des BUND, wie in dem genannten Artikel angeführt.
Dazu findet sich unter bundnews@news.bund.net eine aufschlussreiche
Pressemitteilung des BUND vom 09.12.2009 über die Übernutzung
unserer Wälder, die die Argumentation der Ortsgruppe Freilassing
sehr wohl unterstützt.
Sie vertritt vielmehr die aktuelle Position des Bund Naturschutz
in Bayern e.V., die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert.
Eine Rückkehr zu demokratischer Diskussionskultur scheint
mir dringend angeraten.
Heidi Jersch
Freilassing
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