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FREILASSING (höf) - Am Ende bleiben nur
Sonne und Wind. Alles andere, sagt Hartmut Graßl, werde nur
einen marginalen Beitrag leisten zur Energie-versorgung der Zukunft.
Auch Biomasse könne allenfalls lokal nützlich sein. Das
Energie-Einspeisegesetz aber habe gezeigt, dass es manchmal schon
reiche, an einem kleinen Schräubchen zu drehen, um positive Veränderung
zu erreichen, erklärte Graßl bei seinem Vortrag im Freilassinger
Rathaussaal, den die Kreis-Grünen organisiert hatten.
An der mückenreichen Wassermauth in der Au stand der renommierte
Klimaforscher zunächst den Medien zur Verfügung, anschließend
sprach er im gut besetzten Rathaussaal. Nicht mehr als vier bis
fünf Grad Temperatur-unterschied lägen zwischen „Eiszeit-Endmoräne
und Palmenwald", erklärte Graßl. Diese relativ geringe
Temperaturänderung habe es in den letzten 18.000 Jahren gegeben.
Die 0,8-Grad-Erwärmung in einem einzigen Jahrhundert sei also
keine Kleinigkeit.
Der Mensch habe langlebige Spurengase in die Atmosphäre gebracht;
die Wirkung von Lachgas und Methan beispielsweise sei um ein Vielfaches
stärker als jene von Kohlendioxid und allesamt würden
noch für Jahrzehnte wirken.
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Das Zwei-Grad-Ziel der Politik garantiere nicht,
dass Grönland nicht abschmilzt, betonte Graßl.
Was man nicht kenne, seien die „Kipp-Punkte". „Wir
wissen nicht, ab wann der Schalter umgelegt wird; also zum Beispiel
der Golfstrom abreißt." Diese gigantische Meeresströmung
sorgt für ein mildes Klima in Nord- und Mitteleuropa.
Die Kritik, bei der Konferenz in Kopenhagen sei nichts rausgekommen,
teilt Graßl nicht, denn das formulierte Zwei-Grad-Ziel sei
sehr ambitioniert. „Daran werden sich viele die Zähne
ausbeißen." Allerdings räumt der Klimaforscher ein,
dass freiwillige Vereinbarungen noch nie funktioniert hätten.
Auch der momentane „Elektromobil-Hype" sei nur deshalb
entstanden, weil die Autokonzerne ihren Flottenverbrauch nach unten
drücken müssten. Graßl lobt dennoch sein Vaterland:
„Deutschland zählt zu den innovativsten Ländern
der Welt - Pisa hin, Pisa her." Es gebe kaum einen Provinzort,
in dem nicht irgendein Weltmarktführer sitze. Optimistisch
macht ihn auch das Projekt Desertec. In Afrikas Wüsten soll
die Sonne gigantische Mengen Strom liefern.
Nach dem Öl kommt die Sonne."
„Sonne und Wind - alles andere ist Zierrat", machte Graßl
deutlich.
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Die Wirkung von Lachgas und Methan ist um ein Vielfaches höher
als die von Kohlendioxid, weiß der gebürtige Ramsauer
und renommierte Klimaforscher Hartmut Graßl. Foto: Höfer
In Deutschland müsste man ein Fünftel des Landes mit gedüngten
Maisäckern bestücken, um gerade mal vier Prozent der benötigten
Energie mit dieser Form der Biomasse zu erzeugen. „In ein paar
Jahrzehnten werden wir darüber lachen", ist er überzeugt.
Nebenbei: ein naturnaher Wald bringe mehr als ein Maisfeld. Fossile
Energieträger würden Ende des Jahrhunderts fast verschwunden
sein, meinte Graßl, und die Kernenergie werde schon 2050 zum
Auslaufmodell. „Das ist ein sterbender Schwan". Allerdings
werden die Änderungen in den nächsten Jahrzehnten dramatisch
sein, prophezeit der Klimaforscher. Und es könnte Überraschungen
geben. „T'here may be surprises" heißt es im Bericht
des Weltklimarates. |
„Die Mittelmeer-Dürre robbt nach Norden",
beschreibt es Graßl. Wer heute genug Wasser habe, bekomme
dazu. Wo Mangel herrsche, werde es noch weniger. Gewisse Regionen
würden freilich von einer Klimaänderung profitieren. „Am
Waginger See wäre ein guter Riesling kein Problem." Graßl
ist viel rumgekommen in der Welt. Er erzählt von den Problemen
der Bauern und Nomaden in Burkina Faso, von umgesiedelten Kleinbauern
in China. „Es wird viele Millionen Flüchtlinge geben",
befürchtet er und betont: „Wir hier in Europa leben in
einem Paradiesgärtlein."
Ein Vorschlag, der Erderwärmung zu begegnen, komme von der
NASA, erzählt Graßl mit einem Schmunzeln: Man solle einfach
die Erde ein Stück weit von der Sonne wegrücken.
Ob denn Biomasse-Energie in Städten wie Freilassing einen
Beitrag leisten könne, wollte Hermann Schubotz wissen. „Das
ist nur sinnvoll bei kleinen Einheiten", so die Antwort von
Hartmut Graßl. „Auf jedes Haus sollte Solarthermie,
wie es in BadenWürttemberg schon verpflichtend ist. Es gibt
da viele Möglichkeiten." Man sollte den Stadträten
zurufen: „Mehr Mut!" Dafür gab es Beifall vom Publikum.
Auf Honorar verzichtete der Referent und bat darum, das Geld dem
nächstliegenden SOS-Kinderdorf zu übergeben. |
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