| FREILASSING (fb) - Im Saal der Diakonie stellten
auf Einladung des Bundes Naturschutz (Ortsgruppe Freilassing) zwei
Experten mehrere Alternativen auf dem Sektor „erneuerbare Energie"
vor. Dipl.-Physiker Manfred Reuß erläuterte die solare
Nahwärmeversorgung mit thermischen Energiespeichern, und Dipl.-Ing.
Alois Zimmermann sprach über seine Erfahrungen mit Wasserstoff
als Biomasse. Beide Fachmänner brachten unmissverständlich
zum Ausdruck, dass bessere Lösungen als das Verbrennen von Hackschnitzeln
vorhanden sind, die Entwicklung aber viel zu langsam und zögerlich
voranschreitet. |
Die solare Nahwärme mit saisonaler
Wärmespeicherung sei eine technisch und ökologisch interessante
Lösung zum alternativen Heizen, aber wegen der hohen Investitionskosten
vorerst nicht billiger. Biomasse wie Hackschnitzel bringe kontinuierlich
die Brennstoffkosten, die den Schwankungen des Marktes unterliegen.
Die solare Nahwärme habe feste Erstellungskosten, wobei diese
klar berechenbar sind und Kostensicherheit bringen.
Alois Zimmermann bot in seinem Referat den Biowasserstoff
für die preisgünstige regionale Energieversorgung an.
Er bewohnt im Landkreis Traunstein ein selbst geplantes Wohnhaus,
das weder an ein. Stromnetz noch an eine zentrale Wärmeversorgung
angeschlossen ist. Der Wasserstoff ermöglicht die Selbstversorgung
bei Wärme, Strom und auch im Verkehr. Die Gewinnung des Gases
kann mit stabilen Energiepreisen erfolgen, da der Rohstoff (Gras-Silage)
aus der Region kommt und mit der Abnahme die heimische Landwirtschaft
stärkt.
Der Verbrauch von Wasserstoff ist ohne Schadstoffemission und absolut
C02-neutral. Wie funktioniert das? Die Gras-Silage wird mit einem
Wirkungsgrad von 70 bis 90 Prozent in Wasserstoff umgewandelt. Per
Gasleitung kommt der Wasserstoff nahezu verlustfrei zum Kunden,
wo in einer Brennstoffzelle mit einem Wirkungsgrad von 90 Prozent
Strom und Wärme erzeugt wird. In Fahrzeugen mit Wasserstoff-Druckspeicher
und Brennstoffzelle kann eine Strecke von 500 Kilometern zurückgelegt
werden. Die Wasserstofferzeugung erfolgt zentral in einem Wirbelschichtvergaser
sowie einem ShiftReaktor und einem Trennsystem. |

Mit dem Biowasserstoff als alternative Energiequelle befasst sich
seit Jahren Alois Zimmermann.
Die Verwendung der Brennstoffzelle ermöglicht dann eine Kraft-WärmeKopplung
bis in das Einzelhaus. Ein Bio-Wasserstoff-Werk für 25 Megawatt
Leistung ist in Güssing in Erprobung. Im Wasserstoff-Kompetenzzentrum
Herten im Ruhrgebiet ist ein Werk für 13 Megawatt Leistung gefördert
im Bau. Die Wasserstoff-Technik ist also bereits vorhanden, Wobei
aber noch Entwicklungsarbeit notwendig ist.
Der Dipl.-Ingenieur blickte auf seinen Heimatlandkreis Traunstein, der bereits
bis 2020 eine energieautarke Region sein will. Dazu sei es dringend
erforderlich, dass Konzepte mit Erdgaserzeugern verifiziert und
Standorte für Werke gesucht werden. Eine Betreibergesellschaft
müsste gegründet und die Größe des Wasserstoffwerkes
festgelegt werden. Weiter sind mögliche Förderungen auszuschöpfen
und Beteiligungen zu suchen. Letztlich könnte mit Wasserstoff
eine echte Unabhängigkeit von Energie-exporten erreicht und
das Ziel einer energieautarken Region erreicht werden.
Eine Vielzahl von Fragen aus dem Publikum mussten die Referenten
beantworten, bevor Bert Enzinger in fortgeschrittener Zeit die informative
Veranstaltung schließen konnte. |
| Der Vorsitzende der FWG Heimatliste, Bert Enzinger,
begrüßte die Referenten und Besucher mit den mahnenden
Worten, dass sich der Energiebezieher von den Großkonzernen
lösen müsse. „Der massive Einsatz von Hackschnitzeln
ist dazu keine Alternative", meinte Enzinger. Echte Ansätze
seien Energieeinsparen, Photovoltaik, Solarthermie, Biogas-Heizkraftwerke,
Geothermie und Brennstoffzellen. „Dies sind alles Techniken
von heute und können wirtschaftlich eingesetzt werden. Man
muss nur zugreifen."
Manfred Reuß führte aus, dass im Jahr 2050 etwa 50
Prozent der verbrauchten Energie aus dem erneuerbaren Sektor kommt,
und dann werden 28 Prozent der Solarenergie zuzuschreiben sein.
Für die optimale Nutzung solarer Nahwärmeanlagen trügen
große Kollektoren auf Dächern (mehr als 100 Quadratmeter)
bei. Ferner wird eine Wärmespeicherung zur Anpassung von Angebot
und Bedarf erforderlich. Es bedarf ferner eines Zusatzsystems zur
Deckung des Restwärmebedarfs und eines Nahwärmenetzes
zur Wärmeverteilung. Durch eine spezielle Systemtechnik wird
der Verbrauch geregelt. Als Speichertypen können Erdbeckenspeicher
mit Wasser, Erdwärmesonden im Boden oder Aquifer-Kies-Wasserspeicher
verwendet werden.
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Eine Zusatzheizung sei mit einem Brennwertkessel,
Biomasse und oder vorrangig Wärmepumpe möglich. Die Systemtechnik
basiert auf einem großen Temperaturhub im Speicher sowie einer
breiten Temperatur-spreizung und einer möglichst niedrigen
Rücklauftemperatur. Eine direkte Durchströmung der Heizung
und Frischwasserstationen für das Brauchwasser wird angestrebt.
Als kleines Beispiel nannte der Dipl.Physiker die solare Nahwärme
in Attenkirchen bei Freiring, wo auf einer Fläche von 6.200
Quadratmetern 20 Einfamilien- und fünf Doppelhäuser mit
einem Gesamtwärmebedarf von 487 Megawattstunden/Jahr versorgt
werden. Die größere Variante sei die solare Nahwärme
im Ackermannbogen in München. Dort werden 320 Wohneinheiten
auf 30.000 Quadratmetern mit 1.350 MWh/Jahr für Heizung und
650 MWh/Jahr für Warmwasser beliefert.

Über solare Nahwärmeanlagen informierte Manfred Reuß.
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