Freilassinger Anzeiger vom 12. Juni 2010
Rohrkrepierer auf dem Holzweg
Leserbrief von Hermann Schubotz Freilassing
  Leserbrief zum Artikel vom 6.6.2010 Zusammenarbeit mit der Salzburg AG: Fernwärmenutzer sehen Riesenchanchen

Das geplante Kraftwerk will auf fossile Energieträger verzichten und „Weg von Kohle Öl und Gas “ kommen, das ist auch gut so, aber „hin zum Holz“ springt zu kurz und kann sich als Rohrkrepierer auf dem Holzweg erweisen. Trotz mehrfacher Ankündigung „Holz ist in unserer Region ausreichend vorhanden“ wird kein Holzversorgungsplan für jährlich 27.000 Tonnen Waldhackgut vorgelegt. Kein Planer würde ein Werk bauen, ohne die benötigten Betriebsmittel zu sichern. Es muß also einen Plan geben.

Wenn Holz aus der Region genutzt wird, ist das schön und gut wie im Teisendorfer Werk, aber wie ist die Region definiert, reicht Südostbayern bis nach Tschechien, Sibirien oder sogar Brasilien? Auch dort wird gelegentlich bairisch gesprochen. Man fragt sich wie reagiert wird, wenn die bayerischen Vorräte verbraucht sind und das dann eingeführte Holz nach Taiga oder Tropen duftet. Es ist fraglich ob das Werkl dann geschlossen wird, weil es kaum Holz mehr aus der Region gibt und der Zuwachs abgeerntet ist.

Die Überproduktion von Wärme soll nach Salzburg verkauft werden. Kein vernünftiger Mensch heizt mehr als er benötigt. Man kann die Leistung des Werks im Sommer reduzieren, um weniger Holz zu verbrauchen und damit CO2 erzeugen. Salzburg testet Thermosolarflächen, Freilassing würde sich anbieten.

Ist man wirklich sicher, mit dem großen Biomasse Kraftwerk die beste Lösung für Freilassing gefunden zu haben? Die Alternativen wurden nicht ernsthaft auf Nachhaltigkeit geprüft und auf CO2-Ausstoss und Effizienz berechnet bzw. eventuelle Varianten wie im Falle Freibad 2007 nicht vorgelegt

Die Wärmeverluste der Leitungen sollen gering sein: Aber wenn Anschlusswillige dazu angeregt werden, zuerst ihre Häuser zu dämmen und damit ihren Wärmebedarf zu reduzieren, dann ist der Fernwärmebedarf geringer oder es können mehr Häuser versorgt werden.

Hermann Schubotz, Freilassing

 
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