Freilassinger Anzeiger vom 5. März 2010
Grüne kritisieren Kraftwerksgegner
Kaminkehrern Missbrauch ihrer Monopolstellung vorgeworfen
  FREILASSING - Das mögliche Bürgerbegehren gegen ein Biomasse-heizkraft war zentraler Punkt bei der jüngsten Ortsversammlung der Grünen/ Bürgerliste Freilassing. Wie aus der Pressemitteilung hervorgeht, übten die Mitglieder dabei Kritik an den Betreibern des Bürgerbegehrens und warfen unter anderem den Kaminkehrern den Missbrauch ihrer Monopolstellung vor.

Sie zeigten sich nicht erstaunt darüber, dass die Gegner des Biomasseheizkraftwerks die erforderliche Anzahl der Unterschriften einholen konnten. „Die Situation ist ja auch zu unangenehm", weiß Ortsvorsitzende Marie-Luise Thierauf aus eigener Erfahrung und auch aus Gesprächen mit Nachbarn:

„Vor der Haustür steht der Kaminkehrer, meist seit Jahren der Mann, der zweimal im Jahr kontrolliert, ob mit dem Kamin, der Heizung alles zum Besten steht. Man hat also Vertrauen und will den guten Mann, dem man wegen einer womöglichen Monopolstellung ausgeliefert ist, nicht verprellen. Absolut verständlich, dass die Mehrheit einfach unterschreibt, vermutlich großteils in der Annahme oder der Hoffnung, dass sich das Biomasseheizkraftwerk dadurch nicht verhindern lassen wird."

Es stelle sich hier neben der Frage der juristischen vor allem auch die Frage der ethischen Korrektheit eines solchen Vorgehens einer Berufsgruppe, sagte Thierauf. Schließlich hätten die Kaminkehrer eine Monopolstellung und einen staatlichen Auftrag.

Weniger verständlich ist den Grünen laut der Ortsvorsitzenden, dass die Kaminkehrerlobby offensichtlich nur Angst um die vielen einzelnen Kamine habe und nicht akzeptieren wolle, dass sich ihr Arbeitsfeld wie nahezu in allen Berufsgruppen auch wandelt. In allen anderen Städten und Gemeinden, in denen (im Landkreis: Berchtesgaden/Schönau am Königssee, Teisendorf und Ainring) Biomasseheizkraftwerke mit großem Erfolg betrieben werden, hätten sich die Kaminkehrer der Wandlung ihres Berufs zu stellen gewusst.

Absolut inakzeptabel ist für den langjährigen stellvertretenden Kreisvorsitzenden des Bund Naturschutz, Wolfgang Fieweger, die Vorgehensweise eines BN-Vorsitzenden, der sich ganz offen gegen alle Beschlüsse seines eigenen Verbandes stelle. Elisabeth Hagenauer, viele Jahre 2. Vorsitzende des BN Freilassing betonte, dass es seltsamer Weise bei der Planung und beim Bau in den drei anderen Gemeinden im Landkreis keine Gegenstimmen aus diesem Lager gab. Nur in Freilassing habe sich lautstark eine kleine Gegnerschaft formiert mit angeblichen Argumenten, die den Leitlinien des BUND vollkommen konträr laufen.

 
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