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FREILASSING (st) - Große Zustimmung finden
offenbar die Betreiber des Bürgerbegehrens gegen ein Biomasseheizkraftwerk
in Freilassing. Wie Arbeitskreis-sprecher Wolfgang Wagner gestern
mitteilte, ist die Zahl der gültigen Unterschriften für
die Einleitung eines Bürgerbegehrens bereits bei weitem erreicht.
Dennoch geht die Sammlung weiter. Wagner: „Es ist davon auszugehen,
dass jede denkbare, formaljuristische Möglichkeit seitens der
Stadt genutzt wird, um die Anzahl er gültigen Unterschriften
nach Einreichung des Bürgerbegehrens zu reduzieren."
Bereits am Sonntag, dem elften Tag nach Beginn der Sammlung lagen
auf Wagners Schreibtisch 1.100 Unterschriften. Das ist in etwa die
Zahl, die nötig ist, um in Freilassing ein Bürgerbegehren
beantragen zu können. Damit hat der Arbeitskreis „Intelligente
Energieversorgung für Freilassings Bürger" den selbst
gesetzen Zeitrahmen von vier Wochen Sammelzeit weit unterschritten.
Gestern früh hatten sich bereits 1.550 Freilassinger in die
Unterschriftenlisten eingetragen.
Die Unterschriftenlisten liegen aber weiter an den bekannten Stellen
aus. Beim Arbeitskreis argwöhnt man nämlich, dass die
Stadt jede denkbare Möglichkeit wie fehlende Kommas oder Hausnummern
nutzen wird, um die Anzahl der gültigen Einträge zu reduzieren
und so vielleicht einem Bürgerentscheid zu entgehen. Das schließen
Wolfgang Wagner und seine Mitstreiter unter anderem daraus, dass
sich die Stadt ihrer Ansicht nach bisher in keinster Weise kooperativ
gezeigt habe. Deshalb werde die Unterschriftensammlung zur Schaffung
eines großen„Unterschriften-Puffers" weiterhin
aktiv durchgeführt, kündigte Wagner an. Dass bereits in
relativ kurzer Zeit die Zahl der nötigen Unterschriften weit
überschritten wurde, gibt den Gegnern des Bürgerbegehrens
natürlich erheblichen Auftrieb. |
Wagner: „Nachdem der Bürger bereits mit
der Verweigerung von Vorverträgen klar seine Meinung kundgetan
hat, nutzt er mit der Unterschriften-sammlung zum Bürgerbegehren
die nächste Möglichkeit, den Verantwortlichen der Stadt
seine Ablehnung dieses Vorhabens zu signalisieren. Die Mitglieder
des Arbeitskreises nehmen dieses in Bayern wohl beispiellose Engagement
der Bürger gegen das Biomasseheiz-(kraft)werk und damit gegen
den Bürgermeister und die Mehrheit des Stadtrates als klaren
und absoluten Vertrauensbeweis für den Arbeitskreis und als
klaren Auftrag, das Vorhaben weiter zu verfolgen und auch den Bürgerentscheid
zu einem ebenso klaren Erfolg zu führen."
Scharf geschossen hatte am Wochenende Bürgermeister Josef
Flatscher und den Vertretern des Arbeitskreises die Verbreitung
von Unwahrheiten und Halbwahrheiten vorgeworfen (wir berichteten).
Das weist Wolfgang Wagner zurück: „Der Chef der Stadtverwaltung
sollte in sich gehen und die weitere Verwendung der Worte Unwahrheit
und/oder Halbwahrheit gegenüber dem Arbeitskreis unterlassen,
da sie auf ihn selbst zurückfallen." Die immer wiederkehrende
Verwendung erzeuge bei manchen Gegnern des Heizkraftwerkes langsam
die Überzeugung, den Bürgermeister gegebenenfalls per
Abmahnung an eine der Sache angemessene Sprachregelung zu erinnern,
stellt er juristische Schritte in den Raum.
Als Beispiel führt Wagner das immer wiederkehrende Gesprächsangebot
seitens der Stadt an, das angeblich immer ausgeschlagen wird. „Diese
Gespräche hat es längst gegeben, auch unter persönlicher
Beteiligung des Bürgermeisters. Da die Gespräche seitens
der Beteiligten auf Arbeitskreisseite (Agenda2l) nur als Diktat
seitens der Stadt zu verstehen waren, sind weitere Gespräche
nicht zielführend. Wenn also jemand die Unwahrheit sagt, so
ist das speziell in diesem Punkt der Bürgermeister", schießt
Wagner zurück. |
Die Ausführungen von Bürgermeister Josef
Flatscher nahm auch ein weiterer Sprecher des Arbeitskreises, FWG-Vorsitzender
Bert Enzinger, aufs Korn. In einer von ihm verbreiteten Pressemitteilung
heißt es: „Das demokratische Mittel des Bürger-begehrens
bringt manchmal doch recht Erstaunliches zu Tage: Einen Bürgermeister,
der dem Arbeitskreis Irreführung unterstellt und im gleichen
Atemzug erläutert, Ergebnisse aus Bürgerversammlungen
sind höchstens Empfehlungen, denen man nicht gerecht werden
muss. Einen kaufmännischen Werkleiter, der die Wirtschaftlichkeit
damit begründet, dass man ja Marktpreise gewährleisten
müsse. Es soll schon einmal vorgekommen sein, dass Kosten höher
sind als Marktpreise. Ein privatwirtschaftliches Unternehmen ist
dann schnell pleite. Und Stadtwerke? Wurden Preiserhöhungen
nicht öfter schon mit der Verpflichtung zur Kostendeckung'
gerechtfertigt?
Sorgenfalten sind wohl auch angebracht, wenn die Stadtwerke ihren
'marktfähigen Preis' nur durch Anrechnen der Einspeisevergütung
ermöglichen können. Was passiert, wenn die Subventionen
wegfallen oder geringer werden?
Es klingt natürlich recht verantwortungsvoll, wenn man die
Verwendung von Öl mit dem Versorgerstatus und der Pflicht zur
Wärmelieferung zu rechtfertigen versucht. Allerdings: Die Pflicht
zur Wärmelieferung hat jeder Hausbesitzer gegenüber seinen
Mietern. Allein wenn, laut städtischen Angaben, bei einer Anschlussdichte
von 50 Prozent 32 Gigawattstunden mit Biomasse, aber 38 Gigawattstunden
mit Öl erzeugt werden, dann sollte man schon fragen dürfen,
wie viel Bio' sich denn nun tatsächlich in diesem sogenannten
Biomasse-Heizkraftwerk befindet.
Wem diese Zahlen noch nicht reichen, dem können die Argumente
des Bund Naturschutz durchaus dienlich sein. Und überhaupt:
Wer sagt, dass die Sicherstellung der Wärmelieferung nur mit
Erdöl und Erdgas zu bewerkstelligen ist? Weil es die anderen
auch so machen? Vielleicht gibt es eben doch intelligentere Lösungen,
die dann wirklich, Bio sind." |
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