Freilassinger Anzeiger vom 20. Februar 2010
Bürgermeister schießt scharf gegen Arbeitskreis
Josef Flatscher: „Gegner des Biomasseheizkraftwerks verbreiten Unwahrheiten"
  FREILASSING (st) - Die Auseinandersetzung um den Bau eines Biomasseheizkraftwerks in Freilassing geht jetzt in die heiße Phase. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens haben mit der Sammlung von Unterschriften begonnen. Indessen bezichtigte gestern Bürgermeister Josef Flatscher die Vertreter des Bürgerarbeitskreises „Intelligente Energieversorgung für Freilassings Bürger" der Verbreitung von Unwahrheiten und Irreführung. Wörtlich erklärte Flatscher„Hier wird mit teils unwahren, teils in den falschen Zusammenhang gestellten Behauptungen auf Unterschriften-jagd gegangen. Das ist eine Irreführung des Bürgers."

Die Gegner des Biomasseheizkraftwerks würden unter anderem behaupten, der Stadtratsbeschluss vom 14. Dezember 2009 habe sich über eine „Vorgabe" aus einer Bürgerversammlung hinweggesetzt. Tatsächlich habe es in der Bürgerversammlung vom 21. November 2006 eine - rechtlich nicht bindende - Empfehlung gegeben, die Stadt solle das Projekt in Eigenregie realisieren, sagte Flatscher. Der Stadtrat habe sich pflichtgemäß innerhalb von drei Monaten mit der Empfehlung befasst und sei zu dem Schluss gekommen, dass die Angelegenheit noch nicht entscheidungsreif sei, habe aber eine Kooperation nicht ausgeschlossen.

Im Dezember 2009 habe der Stadtrat mit großer Mehrheit beschlossen, neben einer alleinverantwortlichen Durchführung auch die Realisierung mit einem Partner zu prüfen, um für Stadt und Bürger eine wirtschaftlich optimale Lösung finden zu können.

Das Biomasseheizkraftwerk muss nach Aussage des kaufmännischen Leiters der Stadtwerke, Franz Aicher, wirtschaftlich betrieben werden: „Wir werden schon im eigenen Interesse nicht in ein Projekt investieren, das keine Aussichten auf Wirtschaftlichkeit hat. Das sind wir dem Bürger schuldig", betonte er gestern in einer Erklärung gegenüber der Heimatzeitung. Berechnungen der beauftragten Berater hätten gezeigt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist.

Die Anforderung nach Wirtschaftlichkeit müsse selbstverständlich auch für den Verbraucher erfüllbar sein. Aicher: „Da es keinerlei Anschlusszwang geben wird, konkurriert die Fernwärme aus Biomasse auf einem freien Markt mit anderen Energieträgern. Es liegt auf der Hand, dass der Preis mindestens konkurrenzfähig sein muss, damit wir neue Kunden bekommen können." Das könne auch dadurch gewährleistet werden, dass mit der Einspeisevergütung aus der Strom-erzeugung der Energiepreis niedrig gehalten werden könne.

Kein Verständnis haben Stadt und Stadtwerke auch für die von den Initiatoren des Bürgerbegehrens verwendeten Bezeichnung „sogenanntes Biomasseheizkraftwerk", in dem neben Hackschnitzeln auch Öl verwendet werde. Als Stadtwerke habe man einen Versorgerstatus, so Aicher, das heißt die Pflicht, den Kunden jederzeit mit Wärme zu beliefern. Deshalb müsse für die Spitzenzeiten, zum Beispiel die kältesten Tage des Jahres, und für einen Ausfall des Biomasseheizkraftwerks eine Ersatzversorgung bereitgehalten werden, die auch bei regenerativen Energien in aller Regel auf Öl oder Gas basiere. Falls ein Verbund mit der Salzburg AG zustande komme, entfalle dieses Thema völlig, da Spitzen- und Ersatzleistung dann aus Salzburg zur Verfügung gestellt würden.

Bürgermeister Josef Flatscher sieht einem möglichen Zustandekommen des Bürgerbegehrens nach eigenem Bekunden gelassen entgegen: „Die Entscheidung für das Biomasse-heizkraftwerk beruht auf einer breiten Stadtratsmehrheit, mit Stimmen aus allen Fraktionen. Wir sind sicher, dass auch das Meinungsbild der Bürger ähnlich ausfallen wird. Eine ökologisch sinnvolle und wirtschaftlich attraktive Energieversorgung, auch für die kommenden Generationen, lassen wir uns nicht durch Halb- und Unwahrheiten kaputt reden".

 
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