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FREILASSING (sr) - Der Bund Naturschutz, Ortsgruppe
Freilassing, Saaldorf-Surheim und Ainring, hat sich jetzt offiziell
hinter das Bürgerbegehren „Intelligente Energieversorgung
für Freilassings Bürger" gestellt, das den Bau eines
Biomasseheizkraftwerks als zentrale Wärmeversorgung verhindern
will. Diesen Entschluss hat der Vorstand der BN-Ortsgruppe vergangene
Woche einstimmig gefasst, erklärte Vorsitzender Michael Behringer
gestern auf einer Pressekonferenz. Die Frage, warum ausgerechnet eine
Umweltschutzorganisation ein Projekt ablehnt, bei dem alternative
Energieträger genutzt werden sollen, beantworteten die Anwesenden
mit dem Argument, dass das geplante Kraftwerk alles andere als umweltfreundlich
wäre. Den Vorwurf, „wir Naturschützer seien immer
gegen alles", wehrte Behringer vorsorglich ab mit dem Hinweis,
dass man ja durchaus Alternativvorschläge habe. |
Die maximale Ausbeute des Forstbetriebs
Berchtesgaden liegt laut Behringer bei 5.800 Tonnen Hackschnitzeln
im Jahr, Freilassing bräuchte mit 30.000 Tonnen also mehr als
das Fünffache. Martin Kreft untermauerte dies mit den Angaben
der bayerischen Staatsregierung, nach denen derzeit zwar rund 70.000
Tonnen Hackschnitzel pro Jahr frei verfügbar seien, allerdings
für ganz Bayern.
„Der Begriff regional scheint sehr dehnbar zu sein",
spielte Behringer auf die zu erwartenden langen Transportwege an.
„Für manche mögen ja die Oberpfalz und Franken auch
noch als regional gelten, für uns aber nicht, wenn man bedenkt,
dass ein Lkw 38 Liter Diesel pro 100 Kilometer benötigt."
Der Verkehr sei mittlerweile Haupt-Verursacher von klimaschädlichen
Gasen, noch vor der Industrie.
Der „letzte Auslöser für den Bund Naturschutz,
nicht länger zuzuschauen", so Erich Prechtl, war die im
Raum stehende Flächennutzungsplan-änderung für das
Kraftwerk. Vor allem die Saalachauen sieht der BN in Gefahr, sollte
tatsächlich der Standort B20-Knoten Mitte in Frage kommen.
„Bisher war der Konsens, dass östlich der Stadt auf Auenniveau
keine weitere Bebauung zugelassen wird. Jetzt geht man sogar über
die B20 und scheut sich auch nicht, gesetzlich geschützte Waldgebiete
in die Planung mit einzubeziehen", so Prechtl. Unter anderem
Eisvogel und Pirol würden bei Bebauung Lebensraum verlieren,
warnte er.
Gar mit Klagen drohte Michael Behringer Politikern, die mit der
Entscheidung eines Baus im Schutzgebiet gegen die Alpenkonvention
verstießen. „Es handelt sich hierbei um einen Staatsvertrag,
der in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land Anwendung
findet. Daran haben sich Politiker zu halten."
Keinesfalls als Verfechter von konventionellen Energieträgern
wie Öl und Gas wollen sich die Naturschützer verstanden
wissen. Für sinnvoller halten sie allerdings die Einsparung
von Energie. Konkret schlagen sie vor, dass Kommunen finanzielle
Anreize für Hausbesitzer schaffen sollen, ihre Immobilien zu
sanieren, um den Wärmebedarf drastisch zu senken. Das könne
durch das Angebot kostengünstiger Energieberatung geschehen.
Dabei sollten alle erdenklichen Fachleute wie Kaminkehrer, Heizungsbauer
und Handwerker mit einbezogen werden, sodass jeder Hausbesitzer
eine Art persönlichen Kostenvoranschlag für die Sanierung
und auch eine Berechnung der, möglichen Energie-einsparung
erhält. |
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Kritik übten die Anwesenden an mangelnder Information,
die es den Bürgern unmöglich mache, zu entscheiden, ob
ein solches Heizkraftwerk im Allgemeinen und ein Anschluss an dessen
Netz für sie selbst überhaupt Sinn hat. Martin
Kreft, Beisitzer der BN-Ortsgruppe, war früher bei
der Thales Group für die Durchführung von vergleichbaren
Großprojekten verantwortlich. Noch heute arbeitet er freiberuflich
für den Elektronikkonzern. Maßgeblich beteiligt war Kreft
auch bei der Kläranlage Siggerwiesen in den 80er-Jahren. „Ich
beschäftige mich also schon seit Langem mit der Wirtschaftlichkeit
solcher Großprojekte", stellte sich Kreft selbst vor
und machte sogleich deutlich: „Die öffentliche Hand kann
das nicht stemmen." Eine Kommune habe zu viele Interessen zu
vertreten. Für unbedingt notwendig hält Kreft eine Projektgesellschaft,
die Bau und Betrieb eines solchen Kraftwerks übernimmt. „Das
kann ja durchaus die Salzburg AG oder Max Aicher sein, dagegen ist
nichts einzuwenden", meinte er.
Für vollkommen unrealistisch hält es der BN-Beisitzer,
dass das Kraftwerk im vierten Quartal 2011 in Betrieb gehen könnte.
„Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass man bei solchen
Vorhaben einen Planungsvorlauf von zwölf bis 24 Monaten hat."
Im Falle der Stadt Freilassing seien noch zu viele Fragen wie zum
Beispiel nach dem tatsächlichen Wärmebedarf, der Entsorgung
von 100 bis 200 Tonnen Asche, der Herkunft der Hackschnitzel und
des Kilowatt-stundenpreises für den Endverbraucher offen, erklärte
Kreft. |
„Allein mit Hackschnitzeln ist ein solches
Werk nicht wirtschaftlich zu betreiben", meinte Kreft,tmd schlug
einen Mix aus Biomasse (60 Prozent) und jeweils 20 Prozent Öl
und Gas vor. Das Problem bei Kommunen ist ihm zufolge, „dass
sie Betriebs- und Folgekosten nicht kalkulieren." Ein Unternehmen
tue das sehr wohl, denn für eine Firma sei Wirtschaftlichkeit
von existenzieller Bedeutung.
Für äußerst bedenklich hält es der BN, dass
bei der Diskussion um das hackschnitzelbetriebene Werk die ökologischen
Auswirkungen auf den Wald bisher „völlig außer
Acht gelassen werden". Mit vielen Zahlen, Statistiken und Grafiken
versuchten Michael Behringer und sein Stellvertreter Erich Prechtl
zu belegen, dass die in Freilassing geplante benötigte Menge
von 30.000 Tonnen Hackschnitzeln pro Jahr nicht aus der Region kommen
kann.
Die beiden Naturschützer zogen dafür unter anderem Anga
ben des „BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland",
der Waldbesitzer-vereinigung Berchtesgaden-Laufen und der Bundeswaldinventur
2008 des Bundeslandwirtschafts-ministeriums heran. „Wir können
all diese Zahlen belegen", betonte Erich Prechtl. „Der
Waldzustandsbericht des Bundes ist bedenklich", warnte Behringer
und sagte passend zum Aschermittwoch: „Ein Wald ist schnell
zu Asche gemacht." Die Waldbesitzervereinigung Berchtesgaden-Laufen
könne die benötigte Menge an Hackschnitzeln für Freilassing
nicht liefern.
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