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FREILASSING (st) - Eventuell mit einem Kooperationspartner
wird die Stadt Freilassing ihre Pläne für ein Biomasseheizkraftwerk
verwirklichen. Bei der Stadtratssitzung am Montag unterbreitete Dipl.-Ing.
Gerald Tscherne im Namen der Salzburg AG einen Vorschlag zur Zusammenarbeit,
der einen Verbund mit Salzburg vorsieht. Auch andere Interessenten
haben aber bereits bei der Stadt angeklopft, nämlich das Versorgungsunternehmen
E.ON Bayern und Unternehmer Max Aicher. Letzterer saß ebenso
unter den zahlreichen Zuhörern wie der Geschäftsführer
der Wirtschafts-förderungs-gesellschaft Berchtesgadener Land,
Dr. Thomas Birner, sowie Vertreter des Bürgerarbeitskreises Biomasseheizkraftwerk
Freilassing, der einen Bürgerentscheid über dieses Projekt
anstrebt. Nach umfassender Diskussion beschloss der Stadtrat gegen
fünf Stimmen aus den Reihen der FWG-Heimatliste, mögliche
Varianten für eine Partnerschaft vertieft prüfen zu lassen.
„Ziel ist ein ökologisch und ökonomisch sinnvoller
Wärmeverbund mit den daraus resultierenden Vorteilen anstelle
einer isolierten Lösung für Freilassing", heißt
es im Beschluss. |
Auf der anderen Seite bedeute eine Kooperation
auch, dass die Abstimmung zwischen den Partnern im Bereich Betrieb
und Netzausbau schwieriger sein könne. Ziele der Stadt Freilassing
seien der Netzausbau und die Sicherung günstiger Tarife. Bei
einem Kooperationspartner müsse davon ausgegangen werden, dass
die Rendite stärker im Mittelpunkt steht. Die Zielsetzungen
der Kooperationspartner müssten sich in Einklang bringen lassen.
Bei einer Zusammenarbeit mit Salzburg müssten auch die EU-rechtlichen
Vorgaben geprüft werden.
Die Diskussion eröffnete Josef Kapik, der erklärte,
die CSU stehe dieser zukunftsträchtigen Zusammenarbeit positiv
gegenüber. „Etwas unglücklich7" sei allerdings
die Beteiligung des Stadtrats Roland Richter, mit dessen Ingenieurbüro
die Salzburg AG zusammenarbeitet. Allerdings erklärte Gerald
Tscherne, dass an das Büro Richter noch keinerlei Planungsauftrag
erteilt worden sei. Lediglich im Zusammenhang mit der Erschließung
habe es eine Anfrage gegeben, weil das Büro bereits einmal
einen Kreisverkehr an der Stelle geplant habe.
Fritz Braun (FWG-Heimatliste) gab zu bedenken, dass die Salzburg
AG in erster Linie der Versorgung der Kunden jenseits der Grenze
erpflichtet sei. So könnte es bei Versorgungsengpässen
rasch zu Diskrepanzen mit dem deutschen Partner kommen. Die Vorgehensweise
der Salzburger in Eham habe das Vertrauen nicht gerade gefördert,
meinte er und vermisste auch eine klare Aussage über die Verteilung
der Gewinne aus der Stromerzeugung. Gerald Tscherne erwiderte, diese
flössen in die Kalkulation des Wärmepreises ein. Ohne
die Einspeisevergütung würde die Megawattstunde mindestens
90 Euro kosten.
Die Glaubwürdigkeit des Stadtrats bedroht sah Ludwig Unterreiner
(FWG-Heimatliste). Erst vor einem Jahr sei beschlossen worden, dass
die Stadt das Kraftwerk allein betreibt, nun komme man wieder davon
ab.
Dass sich auch private Investoren für das Freilassinger Fernwärmeprojekt
interessieren, wertete Ernst Wohlschlager (Grüne/Bürgerliste)
als Zeichen für dessen Zukunftsträchtigkeit. Die Salzburg
AG sei ein verlässlicher Partner, warb er für das vorgeschlagene
Kooperationsmodell. Freilassing habe den Nutzen aus dem Fernheizwerk
und als gleichberechtigter Gesellschafter auch „die Hand drauf".
„Eine Kooperation ist besser als eine Insellosung, weil sie
den Kunden zugutekommt", betonte er.
August Schatzl (CSU) hielt auch eine Kooperation mit der E.ON oder
Max Aicher für diskutabel. 3. Bürgermeister Michael Hangl
(SPD) meinte aber, dass nur die Salzburg AG den Vorteil des Verbunds
mit Wärmeverkauf nach Salzburg im Sommer böte. |
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Diese Vorteile sind vor allem finanzieller Natur
nicht nur für die Stadt als Mit-Gesellschafter, sondern auch
für die späteren Endkunden. Einen Wärmepreis von
unter 70 Euro pro Megawattstunde hält Gerald Tscherne, Leiter
des Bereichs Kraftwerke der Salzburg AG, für realistisch, wie
er auf Anfrage von Gottfried Schacherbauer (CSU) erklärte.
Bei den jetzigen Plänen mit einem allein von der Stadt betriebenen
Heizwerk war ein Preis von unter 80 Euro angestrebt, erläuterte
kaufmännischer Werkleiter Franz Aicher. Derzeit müssten
die Freilassinger Fernwärmekunde durchschnittlich rund 90 Euro
bezahlen, in Zeiten des hohen Ölpreises waren es aber auch
schon einmal über 100 Euro. „Das spricht für sich",
meinte Elisabeth Hagenauer (Grüne/Bürgerliste), die sich
nach den Vergleichspreisen erkundigt hatte.
Von den Vorteilen einer partnerschaftlichen Lösung versuchte
der Vertreter des Salzburger Energie- und Verkehrsunternehmens dann
die Stadträte zu überzeugen. Der Salzburg AG schwebt ein
Biomasseheizkraftwerk mit einer Leistung von elf Megawatt vor. Es
könnte 6.500 Haushalte mit Wärme versorgen. Der gleichzeitig
erzeugte Ökostrom würde dabei für rund 3.000 Haushalte
ausreichen. Im Gegensatz zum Eham-Projekt vor vier Jahren, wo die
Salzburg AG ein knapp dreimal so großes Kraftwerk plante,
soll die erzeugte Energie diesmal zumindest im Winter voll den Freilassingern
zur Verfügung stehen. Nur in der Übergangszeit und im
Sommer würden Überschüsse in das Salzburger Netz
eingespeist. Dazu müsste eine Leitung nach Liefering gebaut
werden.
„Das erhöht den Ausnutzungsgrad um 25 bis 30 Prozent",
warb der Salzburger Kraftwerksspezialist für seine Pläne.
„Von 60 Prozent bei einer Freilassinger Insellösung steigt
die Ausnutzung auf bis zu 90 Prozent, was natürlich letztlich
wieder den Kunden zugutekommt." Das von den Stadtwerke in einem
ersten Schritt geplante Kraftwerk mit vier Megawatt könne aufgrund
des geringen Ausnutzungsgrades nur „wirtschaftlich grenzwertig"
betrieben werden.
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Das wäre auch bei einer eventuellen Erweiterung
nicht anders, rechnete er vor. Als Gesellschaftermodell stellt sich
die Salzburg AG die Gründung einer GmbH mit ihr und den Freilassinger
Stadtwerken als gleichberechtigte Partner vor. Noch 2011 soll wie
geplant Wärme erzeugt werden.
Die Pläne, die die Salzburg AG mit Freilassing hat, reichen
aber noch weiter in die Zukunft. Neben dem Biomasseheizkraftwerk,
für das als Standort ein Gebiet beim Knoten Mitte in Frage
käme, soll eine „Bioenergiepark" entstehen mit einer
Biogasanlage, PhotovoltaikModulen auf sämtlichen verfügbaren
Dächern sowie eine Biogas- und Elektrotankstelle. Der Gas-Treibstoff
soll aus 5.000 Tonnen Wiesengras jährlich gewonnen werden.
Speziell der öffentliche Nahverkehr könnte so umweltfreundlich
betrieben werden. „Wir haben schon mehrere Interessenten für
einen solchen Ökoenergiepark, aber Freilassing wäre dafür
besonders gut geeignet", sagte Tscherne.
Ein Vorteil wäre zum Beispiel die Lage der Tankstelle im
Kreuzungspunkt der Bundesstraße 20 und 304 (Grenzstraße).
Für die Erschließung ist die Schaffung eines Kreisverkehrs
vorgesehen. Vorsorglich hat die Stadt aber schon einmal angekündigt,
sich an der Finanzierung nicht zu beteiligen. Gerald Tscherne kündigte
an, dafür bereits innerhalb von sechs Wochen einen Finanzierungsvorschlag
zu unterbreiten.
„Eine Kooperation hat immer Chancen und Risiken, egal ob
mit der Salzburg AG oder einem anderen Partner", meinte kaufmännischer
Werkleiter Franz Aicher, für die Stadt federführend beim
Projekt Biomassefernheizwerk. Beim Wärmeverbund mit Salzburg
würden mehr fossile Energieträger durch biogene Brennstoffe
ersetzt als bei einer isolierten Lösung für Freilassing.
Der Verbund biete eine wesentlich höhere Ausnutzung der Freilassinger
Wärmeerzeugungsanlagen, höhere Planungssicherheit hinsichtlich
Wärmeabnahme sowie finanzielle Vorteile für die Abnehmer.
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