Freilassinger Anzeiger vom 7. Jaunuar 2010
Europa plant riesiges Ökostrom-Netz an der Nordsee
Deutschland und acht weitere Länder wollen der Windenergie zum Durchbruch verhelfen
 

Berlin (dpa) - Deutschland will zusammen mit acht europäischen Ländern an der Nordseeküste ein riesiges Stromnetz aufbauen. Damit soll der Windenergie zum Durchbruch verholfen werden. Das Milliarden-Projekt zum Ausbau der Öko-Energie steht aber noch in den Startlöchern.

Das Projekt soll laut der Bundesregierung jedoch Signalwirkung haben. Erstmals arbeiteten alle EU-Nordsee-Staaten bei der Anbindung von Windkraftanlagen auf See (Offshore) an die Stromnetze zusammen. »Ziel ist ein rascher Ausbau der erneuerbaren Energien und deren Integration in ein leistungsfähiges Stromnetz«, erklärte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Dienstag.

Die Idee wurde von Deutschland, Frankreich und den Benelux-Staaten auf den Weg gebracht. Anfang Dezember wurde sie politisch auch von Großbritannien, Dänemark, Irland, Luxemburg und Norwegen unterstützt.


Mehrere Windräder stehen bei eisigen Temperaturen auf einem Feld bei Istha (Kreis Kassel) im Abendrot.

Nach Angaben der European Wind Energy Association EWEA könnte ein 6.000 Kilometer langes Netz bis zu 30 Milliarden Euro kosten. Der Netzaufbau könnte zehn Jahre dauern.

Die Hoffnungen sind groß: Mit dem Zusammenschluss könnten die schwankenden Strommengen einzelner Ökostrom-Projekte international ausgeglichen werden. Da große Strommengen nicht gespeichert werden können, muss der Windstrom über neue Netze in die Ballungszentren im Westen und Süden transportiert werden. Überall in der Nordsee bauen Energiekonzerne und Investoren derzeit große Windparks.

Seit August 2009 speist der erste deutsche Offshore-Windpark alpha ventus Strom ins deutsche Netz ein. Die zwölf Windräder, die nördlich von Borkum in der Nordsee stehen, sollen 50.000 Haushalte mit Strom versorgen. Bis Mitte November 2009 waren nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) insgesamt 22 OffshoreWindparks genehmigt worden

- 19 in der Nordsee und drei in der Ostsee. Die EU-Kommission hatte kürzlich 1,5 Milliarden Euro unter anderem zur Förderung der Windkraft auf See zur Verfügung gestellt.

Hochspannungs-Unterseekabel in der Nordsee könnten Windparks vor der deutschen und britischen Küste mit Wasserkraftwerken in Norwegen, Gezeitenmeilern an der belgischen und dänischen Küste sowie Wind- und Solaranlagen auf dem europäischen Festland verbinden. Mit dem gemeinsamen Netz könnten Wetterschwankungen in verschiedenen Regionen ausgeglichen werden. Eine verlässliche Versorgung mit Windstrom auch in Spitzenzeiten wäre so möglich.

In Deutschland decken erneuerbare Energien bereits bis zu 16 Prozent des Stromverbrauchs ab. 2009 stieg die Ökostrom-Produktion nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) leicht auf 93 Milliarden Kilowattstunden an. Die Windenergie liegt dabei auf Platz eins. Ihr Gesamtanteil lag 2009. bei 6,4 Prozent, gefolgt von Biomasse mit 4,4 Prozent und Wasserkraft mit 3,3 Prozent.

 

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