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FREILASSING - Viel Kritik musste der Bürgerarbeitskreis
Bürgerbegehren BiomasseHeizkraftwerk Freilassing von den Grünen/
Bürgerliste einstecken (wir berichteten). Vor allem die von Bezirks-kaminkehrer-meister
Wolfgang Wagner genannte Zahl von 20.000 Euro an Investitionskosten
für den Anschluss eines Einfamilienhauses stieß auf Unverständnis.
Maximal 2.000 Euro würden fällig, hieß es. Stadtrat
Ernst Wohlschlager warf Wagner „bewusste Fehlinformation"
vor. In einer Pressemitteilung schlüsselt der Vorsitzende des
Agenda-Arbeitskreises „Wirtschaft und Energie" nun auf,
wie er auf die zehnfache Summe kommt. „Wie alle
bisher von mir gemachten Äußerungen beziehen sich die
verwendeten Zahlen auf für jeden zugängliche und somit
nachprüfbare Unterlagen von Ministerien und Verbänden
sowie anerkannter Fachbücher und Fachzeitschriften. In diesem
Fall aber basiert meine Aussage in erster Linie auf offiziellen
Papieren der Stadt Freilassing und der KESS GmbH, gerechnet auf
Basis des für diese Anlage korrekten Jahresnutzungsgrades",
so Wagner.
Demnach fallen ausschließlich für den Anschluss eines
repräsentativen, zehn Jahre alten Freilassinger Hauses folgende
Investitionskosten in Bruttobeträgen an: |
- Baukostenzuschuss (BKZ) 4.760 Euro,
- Hausanschlusskosten (HAK) allgemein 3.867,50 Euro,
- Hausanschlusskosten nach Aufwand 2.570,40 Euro.
- Die daraus resultierenden 11.197,90 Euro
sind laut Wagner nur eine Zwischensumme: Im Tarifrechner „Biowärme
Freilassing" werde extra darauf hingewiesen: „Die Wiederherstellung
befestigter Flächen und sonstige Erschwernisse werden nach
Fertigstellung und Aufmaß gemäß dem dann gültigen
Tarif in Rechnung gestellt. Obige Angaben sind daher unverbindliche
Schätzungen."
Zudem müsse der gesamte Rückbau des Heizraumes eingerechnet
werden, da nur so ein Hauptargument für Fernwärme, nämlich
„zusätzlich gewonnener Raum", überhaupt erst
zum Tragen kommt. Zu den 11.197,90 Euro muss man deshalb laut Wagner
schätzungsweise
- 1.000 Euro für die Wiederherstellung befestigter Flächen,
- 1.500 Euro für die Reinigung und Entsorgung des Öltanks,
- 1.500 Euro für den Rückbau des vorhandenen Heizraums
in nutzbaren Raum und
- 6.000 Euro für den sekundärseitigen Anschluss der
Fernwärme-übergabestation an das Haussystem mit Neuisolierung
der Rohrleitungen nach Energie-Einsparungsverordnung (EnEV) dazurechnen.
- Schließlich fielen noch 500 Euro für die Entsorgung
des Altkessels und Altboilers an.
- Damit errechnet Wagner eine Endsumme von 20.197,90 Euro.
„Die Frage der Glaubwürdigkeit stellt sich somit ganz
sicher nicht auf meiner Seite", so der Bezirkskaminkehrermeister.
Die Frage sei viel mehr, wie glaubwürdig der grüne Stadtrat
Ernst Wohlschlager nach dem Fall der 60-Prozent-Vorvertrags-Deadline
am 14. Dezember 2009 und nunmehr mit diesem laschen Umgang mit Zahlen
in der Öffentlichkeit noch sein könne. Wie Wolfgang Fieweger
ja anmerkt, habe die FWG-Fraktion Zugang zu sämtlichen Quellen
im Stadtrat gehabt. Es sei zu unterstellt, dass auch die Grünen-Fraktion
über diesen Zugang verfügte.
„Der Freilassinger Bürger kann anhand dieses Vorgehens
ein weiteres Mal unmittelbar erkennen, dass es den Grünen nicht
einmal ansatzweise um ökologisches Heizen geht", fährt
Wagner schwere Geschütze auf. Den Grün sei jedes Mittel
recht, dieses überflüssige Biomasseheiz(kraft)werk zu
bauen, wirft er den Stadträten und ihren Parteifreunden vor.
Zu letzteren zählt auch Ilse Fegg, Vorstand Bürgersonnenkraftwerk
Freilassing. Ihr gibt Wolfgang Wagner zu bedenken: „Würde
man die 13 Millionen Euro Baukosten in Photovoltaik investieren,
könnte man ohne fossile Brennstoffe oder auch Biomasse zu verbrennen
knapp fünfmal soviel Strom erzeugen wie mit dem gedachten Biomasseheiz(kraft)werk.
Eines haben beide Stromerzeugungsarten gemeinsam, sie sind nicht
grundlastfähig. Würde man dieselbe Summe in biogasbetriebene
Blockheiz-kraftwerke investieren, bekäme man fast neun-mal
soviel Strom geliefert." |
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