Freilassinger Anzeiger vom 5. Januar 2010
Anschlusskosten für Kraftwerk aufgeschlüsselt
Arbeitskreissprecher Wolfgang Wagner nimmt zu Vorwürfen der Grünen/Bürgerliste Stellung
  FREILASSING - Viel Kritik musste der Bürgerarbeitskreis Bürgerbegehren BiomasseHeizkraftwerk Freilassing von den Grünen/ Bürgerliste einstecken (wir berichteten). Vor allem die von Bezirks-kaminkehrer-meister Wolfgang Wagner genannte Zahl von 20.000 Euro an Investitionskosten für den Anschluss eines Einfamilienhauses stieß auf Unverständnis. Maximal 2.000 Euro würden fällig, hieß es. Stadtrat Ernst Wohlschlager warf Wagner „bewusste Fehlinformation" vor. In einer Pressemitteilung schlüsselt der Vorsitzende des Agenda-Arbeitskreises „Wirtschaft und Energie" nun auf, wie er auf die zehnfache Summe kommt.

„Wie alle bisher von mir gemachten Äußerungen beziehen sich die verwendeten Zahlen auf für jeden zugängliche und somit nachprüfbare Unterlagen von Ministerien und Verbänden sowie anerkannter Fachbücher und Fachzeitschriften. In diesem Fall aber basiert meine Aussage in erster Linie auf offiziellen Papieren der Stadt Freilassing und der KESS GmbH, gerechnet auf Basis des für diese Anlage korrekten Jahresnutzungsgrades", so Wagner.

Demnach fallen ausschließlich für den Anschluss eines repräsentativen, zehn Jahre alten Freilassinger Hauses folgende Investitionskosten in Bruttobeträgen an:

  • Baukostenzuschuss (BKZ) 4.760 Euro,
  • Hausanschlusskosten (HAK) allgemein 3.867,50 Euro,
  • Hausanschlusskosten nach Aufwand 2.570,40 Euro.
  • Die daraus resultierenden 11.197,90 Euro

sind laut Wagner nur eine Zwischensumme: Im Tarifrechner „Biowärme Freilassing" werde extra darauf hingewiesen: „Die Wiederherstellung befestigter Flächen und sonstige Erschwernisse werden nach Fertigstellung und Aufmaß gemäß dem dann gültigen Tarif in Rechnung gestellt. Obige Angaben sind daher unverbindliche Schätzungen."

Zudem müsse der gesamte Rückbau des Heizraumes eingerechnet werden, da nur so ein Hauptargument für Fernwärme, nämlich „zusätzlich gewonnener Raum", überhaupt erst zum Tragen kommt. Zu den 11.197,90 Euro muss man deshalb laut Wagner schätzungsweise

  • 1.000 Euro für die Wiederherstellung befestigter Flächen,
  • 1.500 Euro für die Reinigung und Entsorgung des Öltanks,
  • 1.500 Euro für den Rückbau des vorhandenen Heizraums in nutzbaren Raum und
  • 6.000 Euro für den sekundärseitigen Anschluss der Fernwärme-übergabestation an das Haussystem mit Neuisolierung der Rohrleitungen nach Energie-Einsparungsverordnung (EnEV) dazurechnen.
  • Schließlich fielen noch 500 Euro für die Entsorgung des Altkessels und Altboilers an.
  • Damit errechnet Wagner eine Endsumme von 20.197,90 Euro.

„Die Frage der Glaubwürdigkeit stellt sich somit ganz sicher nicht auf meiner Seite", so der Bezirkskaminkehrermeister. Die Frage sei viel mehr, wie glaubwürdig der grüne Stadtrat Ernst Wohlschlager nach dem Fall der 60-Prozent-Vorvertrags-Deadline am 14. Dezember 2009 und nunmehr mit diesem laschen Umgang mit Zahlen in der Öffentlichkeit noch sein könne. Wie Wolfgang Fieweger ja anmerkt, habe die FWG-Fraktion Zugang zu sämtlichen Quellen im Stadtrat gehabt. Es sei zu unterstellt, dass auch die Grünen-Fraktion über diesen Zugang verfügte.

„Der Freilassinger Bürger kann anhand dieses Vorgehens ein weiteres Mal unmittelbar erkennen, dass es den Grünen nicht einmal ansatzweise um ökologisches Heizen geht", fährt Wagner schwere Geschütze auf. Den Grün sei jedes Mittel recht, dieses überflüssige Biomasseheiz(kraft)werk zu bauen, wirft er den Stadträten und ihren Parteifreunden vor.

Zu letzteren zählt auch Ilse Fegg, Vorstand Bürgersonnenkraftwerk Freilassing. Ihr gibt Wolfgang Wagner zu bedenken: „Würde man die 13 Millionen Euro Baukosten in Photovoltaik investieren, könnte man ohne fossile Brennstoffe oder auch Biomasse zu verbrennen knapp fünfmal soviel Strom erzeugen wie mit dem gedachten Biomasseheiz(kraft)werk. Eines haben beide Stromerzeugungsarten gemeinsam, sie sind nicht grundlastfähig. Würde man dieselbe Summe in biogasbetriebene Blockheiz-kraftwerke investieren, bekäme man fast neun-mal soviel Strom geliefert."

 

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