Freilassinger Anzeiger vom 4. Januar 2010
Scharfe Worte des Pfarrers zum Neujahrsempfang
Simon Eibl: „Klimawandel ist Krieg gegen andere Menschen"
  LAUFEN (höf) - „Wir wissen, dass euch das Wasser bis zum Hals steht, aber - keine Angst - wir finanzieren die Schwimmflügel." Hart ging Stiftsdekan Simon Eibl in seiner Predigt mit den Verantwortlichen in den westlichen Industrieländern ins Gericht; mit jenen Politikern, die schnell mal Milliarden lockermachten, um Banken zu retten, aber nicht um Menschen zu retten. Der Klimaschutz müsse eben warten. Das andere, sein fröhliches Gesicht zeigte Eibl anschließend beim Neujahrsempfang im Pfarrheim, zu dem der Pfarrverband Laufen/ Leobendorf eingeladen hatte.

Fahnenabordnungen der Vereine, eine große Schar Sternsinger, fast ebenso viele Ministranten - feierlich begann das Jahr in Laufens Stiftskirche beim Abendgottesdienst am Neujahrstag, dem „Welttag des Friedens". Aber die Lage sei eigentlich nicht zum Feiern, meinte Pfarrer Eibl. „Die großen industriellen Machtblöcke haben versagt. Millionen Menschen sind durch den Klimawandel bedroht." Das sei aber kein Problem, höhere Grenzzäune und bessere Kontrollen würden schon verhindern, dass die Afrikaner eines Tages vor der Türe stünden. „Entschuldigen Sie meinen Sarkasmus", bat Eibl, „aber Klimawandel ist Krieg gegen den afrikanischen Kontinent und gegen viele andere."

Er sprach von Kriegsrecht, das in Afganistan durchaus Präventivschläge erlaube. Warum also sollten Afrikaner nicht auf Autofahrer schießen, die sinnlos und nur zum Vergnügen in der Gegend rumfahren? Auf Flugreisende, die „in der Weltgeschichte rumfliegen, weil sie sich ein paar schöne Tage machen wollen." Es gebe jede Menge zu tun. Nur: „Die Opfer dieses Krieges sind nicht in den USA oder in Europa zu beklagen ... sie sind weit weg."

„Das war keine erbauliche Predigt zum Jahresanfang", räumte Eibl ein, „aber die Lage unseres Planeten ist es auch nicht." Es gehe nicht um eine frohe Botschaft für einige wenige, sondern um „eine christliche Freiheit, die in ihrem Handeln das Ganze, die ganze Schöpfung im Blick hat." Dieses Handeln beginne oft im Kleinen.


Stiftsdekan Simon Eibl gab zu: „Das war keine erbauliche Predigt zum Jahresanfang'.
 
 

Gemeindereferent Josef Söldner und Anna Heringer informierten die Gottesdienstbesucher über jene Projekte, die mit dem Erlös der heurigen Sternsinger-Aktion gefördert werden. Das Geld wird je zur Hälfte nach Kolumbien gehen, dort unter anderem die Schulausbildung armer Kinder ermöglichen, und nach Bangladesch in die von Anna Heringer gebaute MetiSchule. Die Sternsinger verabschiedeten sich mit einem Lied und zogen gemeinsam mit Pfarrer und Ministranten aus dem Gotteshaus.

Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Martin Kroiß zitierte in seiner Begrüßung die Schlagzeilen 2009, an die zweiter Bürgermeister Franz Eder nahtlos anknüpfen konnte mit seiner Frage: „Was ist das für eine Welt?" Kopenhagen habe „Verantwortungslosigkeit und Zukunftsblindheit" deutlich gezeigt. Und: „In Deutschland arbeiten Menschen in Vollzeit und können von ihrem Lohn nicht leben."

Die Kassiererin Barbara E. ist für Eder das „Gesicht eines ungerechten Landes". Sie war entlassen worden wegen eines Pfandbons über 1,30 Euro. „Zeitgleich bekam der Ex-Post-Chef für die Steuerhinterziehung von fast einer Million eine Bewährungsstrafe und zog sich mit 20 Millionen Euro Vorausrente an den Gardasee zurück."

Eder erinnerte an den großen Oberndorfer Philosophen Leopold Kohr, der im Vorjahr hundert Jahre alt geworden wäre und der vor zu großen Einheiten gewarnt hatte. Dass sich diese Erkenntnis durchsetze, wünscht sich Laufens zweiter Bürgermeister. Er lobte jene, die sich „auf wunderbare Weise das ganze Jahr über für die Stadt und ihre Menschen einsetzen". Wie die Geistlichkeit: „Mit Verlaub", schloss Eder, „möchte ich an dieser Stelle meinen Respekt ausdrücken gegenüber unseren Pfarrern Eibl und Zeh, die in ihren Predigten deutliche Worte für gelebtes Christsein auf Erden finden."

Das Buffet kam von den Aktiven im Pfarrverband, die Getränke von der Stadt und die Bilder von Simon Eibl. Einen Jahresrückblick hatte er zusammengestellt mit Fotos aus dem Geschehen in der Pfarrei, versehen mit witzigen Untertiteln. Die neue Führungsriege der Frauengemeinschaft wurde so zu Miss-Wahl-Siegerinnen; das veränderte Dach der Michaels-Kapelle zum Symbol für „Muslimische Wochen".

Und dazwischen war zu raten, welche Laufener Türen und Portale Eibls Bilder zeigten. Die schnellste richtige Antwort wurde mit Schokolade aus dem Weltladen belohnt. Belohnt wurde auch der kleine Benedikt, obwohl es eigentlich gar keine Frage war. Beim Bild der Stiftskirche sagte er zum Pfarrer: „Des is dei Kircha." Und der ganze Saal musste lauthals lachen.

 

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