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LAUFEN (höf) - „Wir
wissen, dass euch das Wasser bis zum Hals steht, aber - keine Angst
- wir finanzieren die Schwimmflügel." Hart ging Stiftsdekan
Simon Eibl in seiner Predigt mit den Verantwortlichen in den westlichen
Industrieländern ins Gericht; mit jenen Politikern, die schnell
mal Milliarden lockermachten, um Banken zu retten, aber nicht um Menschen
zu retten. Der Klimaschutz müsse eben warten. Das andere, sein
fröhliches Gesicht zeigte Eibl anschließend beim Neujahrsempfang
im Pfarrheim, zu dem der Pfarrverband Laufen/ Leobendorf eingeladen
hatte. Fahnenabordnungen der Vereine, eine große
Schar Sternsinger, fast ebenso viele Ministranten - feierlich begann
das Jahr in Laufens Stiftskirche beim Abendgottesdienst am Neujahrstag,
dem „Welttag des Friedens". Aber die Lage sei eigentlich
nicht zum Feiern, meinte Pfarrer Eibl. „Die großen industriellen
Machtblöcke haben versagt. Millionen Menschen sind durch den
Klimawandel bedroht." Das sei aber kein Problem, höhere
Grenzzäune und bessere Kontrollen würden schon verhindern,
dass die Afrikaner eines Tages vor der Türe stünden. „Entschuldigen
Sie meinen Sarkasmus", bat Eibl, „aber Klimawandel ist
Krieg gegen den afrikanischen Kontinent und gegen viele andere."
Er sprach von Kriegsrecht, das in Afganistan durchaus Präventivschläge
erlaube. Warum also sollten Afrikaner nicht auf Autofahrer schießen,
die sinnlos und nur zum Vergnügen in der Gegend rumfahren?
Auf Flugreisende, die „in der Weltgeschichte rumfliegen, weil
sie sich ein paar schöne Tage machen wollen." Es gebe
jede Menge zu tun. Nur: „Die Opfer dieses Krieges sind nicht
in den USA oder in Europa zu beklagen ... sie sind weit weg."
„Das war keine erbauliche Predigt zum Jahresanfang",
räumte Eibl ein, „aber die Lage unseres Planeten ist
es auch nicht." Es gehe nicht um eine frohe Botschaft für
einige wenige, sondern um „eine christliche Freiheit, die
in ihrem Handeln das Ganze, die ganze Schöpfung im Blick hat."
Dieses Handeln beginne oft im Kleinen.
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Stiftsdekan Simon Eibl gab zu: „Das war keine erbauliche Predigt
zum Jahresanfang'.
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Gemeindereferent Josef Söldner und Anna Heringer
informierten die Gottesdienstbesucher über jene Projekte, die
mit dem Erlös der heurigen Sternsinger-Aktion gefördert
werden. Das Geld wird je zur Hälfte nach Kolumbien gehen, dort
unter anderem die Schulausbildung armer Kinder ermöglichen,
und nach Bangladesch in die von Anna Heringer gebaute MetiSchule.
Die Sternsinger verabschiedeten sich mit einem Lied und zogen gemeinsam
mit Pfarrer und Ministranten aus dem Gotteshaus.
Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Martin Kroiß zitierte in
seiner Begrüßung die Schlagzeilen 2009, an die zweiter
Bürgermeister Franz Eder nahtlos anknüpfen konnte mit
seiner Frage: „Was ist das für eine Welt?" Kopenhagen
habe „Verantwortungslosigkeit und Zukunftsblindheit"
deutlich gezeigt. Und: „In Deutschland arbeiten Menschen in
Vollzeit und können von ihrem Lohn nicht leben."
Die Kassiererin Barbara E. ist für Eder das „Gesicht
eines ungerechten Landes". Sie war entlassen worden wegen eines
Pfandbons über 1,30 Euro. „Zeitgleich bekam der Ex-Post-Chef
für die Steuerhinterziehung von fast einer Million eine Bewährungsstrafe
und zog sich mit 20 Millionen Euro Vorausrente an den Gardasee zurück."
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Eder erinnerte an den großen Oberndorfer Philosophen
Leopold Kohr, der im Vorjahr hundert Jahre alt geworden wäre
und der vor zu großen Einheiten gewarnt hatte. Dass sich diese
Erkenntnis durchsetze, wünscht sich Laufens zweiter Bürgermeister.
Er lobte jene, die sich „auf wunderbare Weise das ganze Jahr
über für die Stadt und ihre Menschen einsetzen".
Wie die Geistlichkeit: „Mit Verlaub", schloss Eder, „möchte
ich an dieser Stelle meinen Respekt ausdrücken gegenüber
unseren Pfarrern Eibl und Zeh, die in ihren Predigten deutliche
Worte für gelebtes Christsein auf Erden finden."
Das Buffet kam von den Aktiven im Pfarrverband, die Getränke
von der Stadt und die Bilder von Simon Eibl. Einen Jahresrückblick
hatte er zusammengestellt mit Fotos aus dem Geschehen in der Pfarrei,
versehen mit witzigen Untertiteln. Die neue Führungsriege der
Frauengemeinschaft wurde so zu Miss-Wahl-Siegerinnen; das veränderte
Dach der Michaels-Kapelle zum Symbol für „Muslimische
Wochen".
Und dazwischen war zu raten, welche Laufener Türen und Portale
Eibls Bilder zeigten. Die schnellste richtige Antwort wurde mit
Schokolade aus dem Weltladen belohnt. Belohnt wurde auch der kleine
Benedikt, obwohl es eigentlich gar keine Frage war. Beim Bild der
Stiftskirche sagte er zum Pfarrer: „Des is dei Kircha."
Und der ganze Saal musste lauthals lachen.
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