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VON VERONIKA MERGENTHAL
BAD REICHENHALL - Wer vor dem Silvesterkonzert der Bad Reichenhaller
Philharmonie noch nicht so richtig in Silvester-stimmung war, den
packte spätestens im Laufe des ausverkauften Abends die Champagnerlaune.
Mit einem breit gefächerten Repertoire spritziger Klassiker vor
allem von Operetten-komponisten der ehemaligen K+K-Monarchie und zwei
exzellenten Gesangssolisten riss das Orchester das Publikum mit.
Michael Heim, der
bereits vor zwei Jahren die Zuhörer begeistert hatte, zeigte
sich gleich zu Beginn als Spaßvogel, als er nach den Orchestermusikern
die Bühne betrat: „Ich bin nicht der Dirigent, ich bin
der Tenor", meinte er grinsend, nachdem er sich frech den eigentlich
dem Orchesterchef geltenden Applaus abgeholt hatte, und pfiff dann
auch noch auf der Bühne, um sogleich vom hereinstürzenden
Dirigenten Thomas J. Mandl heftig getadelt zu werden.
Solche beim Silvesterkonzert üblichen humoristischen Einlagen
hielt Mandl diesmal knapp und ließ stattdessen die beschwingte
und beschwingende Musik ihre Wirkung tun. Den Anfang machte die
flotte Ouvertüre zu „Donna Diana" vom aus Böhmen
stammenden Emil Nikolaus von Reznicek mit fröhlichen Bläsern,
eifrigen Streichern, triumphalen Pauken, virtuos geschlagenen Triangeln
und frechen Flöten. Schön gestaltet war auch der lyrische
Zwischenteil mit einer Oboen-Kantilene über murmelnden Celli.
Mit den Arien und Duetten wechselten weitere unterhaltsame Instrumentalstücke
wie der lautmalerische und dramatisch eingeleitete Walzer „Traumideale"
sowie der oft von Blaskapellen gehörte, aber sinfonisch eigentlich
noch reizvollere „Florentiner Marsch", beides vom „böhmischen
Strauß" Julius Fucik.
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Schmachtend und mondän kam das „Souvenir
d'amour' des Österreichers Nico Dostal daher, mit einer süßen
Melodie der ersten Geigerin, unterlegt von silbrigem Harfenklang.
Mit einem duftigen Pizzikato klang das „Neapolitanische Ständchen"
des deutschen Komponisten Gerhard Winkler aus, der 1943 durch seinen
Erfolgstitel „Capri-Fischer" berühmt wurde.
Mit dem Weltschlager von Robert Stolz, „Ob blond, ob braun,
ich liebe alle Frau 'n", eroberte der seit 1999 im Bereich
Oper, Operette, Lied, Messe und Oratorium freischaffend tätige
Vorarlberger Tenor Michael Heim die Bühne.
Brillante Gebärdensprache verband er mit einer strahlenden
Tenorstimme, komödiantischem Talent, österreichischem
Schmäh, Eleganz und Sinnlichkeit, ob er nun mit Franz Lehárs
„Lustiger Witwe" ins Maxim ging, als Vogelhändler
Adam das „Ahnllied" (Carl Zeller) anstimmte oder jovial
und mit Leichtigkeit das neapolitanische Volkslied „Funiculi,
funicola" schmetterte. Bei Letzterem legte auch das Orchester
so richtig los, und das Publikum klatschte beim Refrain mit und
dankte mit Bravos.
Eine gesanglich ebenbürtige, jedoch vom Auftritt her noch
nicht so erfahrene Partnerin hatte Heim in der junge Ukrainerin
Irina Prodan, die ihr Studium 2008 in Würzburg abgeschlossen
hat. Mit betörendem Glanz in ihrem warmen Sopran, im cremefarbenen
Abendkleid und wallenden mittelblonden Locken auch von der Erscheinung
her ein Traum, sang sie mit viel Charme und einer Stimme ohne Druck
verträumt-romantische Arien wie „Bin ein glückseliges
Menschenkind - Das Leben ruft" aus Lehárs„Zarewitsch"
und „Strahlender Mond" aus „Der Vetter aus Dingsda"
von Eduard Künneke. |
Traumhaftes Paar: Michael Heim und Irina Prodan. Foto: Mergenthal
Anfänglich introvertiert und etwas schüchtern wirkend, sang
sie sich in den zauberhaften Duetten mit Heim immer mehr frei, etwa
dem bekannten „Schwalbenduett" aus der „Csárdásfürstin"
von Emmerich Kálmán Bei einem angedeuteten Flamenco
im Duett „Am Manzanares" aus Nico Dostals „Clivia"
und einem wilden ungarischen Csárdás in „Komm
mit nach Varasdin" aus „Gräfin Mariza" brach
Prodans von einer früheren Ballettausbildung herrührende
Tanzleidenschaft durch.
Die Konzertbesucher klatschten rhythmisch und trommelten mit den
Füßen. „Immer, wenn es auf Mitternacht zugeht,
wird das Publikum so unersättlich", meinte der am Schluss
ebenfalls lockere Mandl nach der zweiten Zugabe, dem Radetzky-Marsch,
und kündigte an: „Wir fahren nochmal nach Varasdin".
Bei der von beiden Sängern voll Esprit und Leidenschaft gesungenen
Wiederholung des Duetts zeigte die Ukrainerin die Power, die eigentlich
in ihr steckt und die sie in ihrer weiteren Laufbahn sicher zur
Entfaltung bringt.
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