Freilassinger Anzeiger vom 4. Januar 2010
Champagnerlaune bei Silvesterkonzert
Philharmonie präsentierte Flamenco, Csárdás und Schwalbenduett - mitreißende Solisten
  VON VERONIKA MERGENTHAL

BAD REICHENHALL - Wer vor dem Silvesterkonzert der Bad Reichenhaller Philharmonie noch nicht so richtig in Silvester-stimmung war, den packte spätestens im Laufe des ausverkauften Abends die Champagnerlaune. Mit einem breit gefächerten Repertoire spritziger Klassiker vor allem von Operetten-komponisten der ehemaligen K+K-Monarchie und zwei exzellenten Gesangssolisten riss das Orchester das Publikum mit.

Michael Heim, der bereits vor zwei Jahren die Zuhörer begeistert hatte, zeigte sich gleich zu Beginn als Spaßvogel, als er nach den Orchestermusikern die Bühne betrat: „Ich bin nicht der Dirigent, ich bin der Tenor", meinte er grinsend, nachdem er sich frech den eigentlich dem Orchesterchef geltenden Applaus abgeholt hatte, und pfiff dann auch noch auf der Bühne, um sogleich vom hereinstürzenden Dirigenten Thomas J. Mandl heftig getadelt zu werden.

Solche beim Silvesterkonzert üblichen humoristischen Einlagen hielt Mandl diesmal knapp und ließ stattdessen die beschwingte und beschwingende Musik ihre Wirkung tun. Den Anfang machte die flotte Ouvertüre zu „Donna Diana" vom aus Böhmen stammenden Emil Nikolaus von Reznicek mit fröhlichen Bläsern, eifrigen Streichern, triumphalen Pauken, virtuos geschlagenen Triangeln und frechen Flöten. Schön gestaltet war auch der lyrische Zwischenteil mit einer Oboen-Kantilene über murmelnden Celli. Mit den Arien und Duetten wechselten weitere unterhaltsame Instrumentalstücke wie der lautmalerische und dramatisch eingeleitete Walzer „Traumideale" sowie der oft von Blaskapellen gehörte, aber sinfonisch eigentlich noch reizvollere „Florentiner Marsch", beides vom „böhmischen Strauß" Julius Fucik.

Schmachtend und mondän kam das „Souvenir d'amour' des Österreichers Nico Dostal daher, mit einer süßen Melodie der ersten Geigerin, unterlegt von silbrigem Harfenklang. Mit einem duftigen Pizzikato klang das „Neapolitanische Ständchen" des deutschen Komponisten Gerhard Winkler aus, der 1943 durch seinen Erfolgstitel „Capri-Fischer" berühmt wurde.

Mit dem Weltschlager von Robert Stolz, „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau 'n", eroberte der seit 1999 im Bereich Oper, Operette, Lied, Messe und Oratorium freischaffend tätige Vorarlberger Tenor Michael Heim die Bühne.

Brillante Gebärdensprache verband er mit einer strahlenden Tenorstimme, komödiantischem Talent, österreichischem Schmäh, Eleganz und Sinnlichkeit, ob er nun mit Franz Lehárs „Lustiger Witwe" ins Maxim ging, als Vogelhändler Adam das „Ahnllied" (Carl Zeller) anstimmte oder jovial und mit Leichtigkeit das neapolitanische Volkslied „Funiculi, funicola" schmetterte. Bei Letzterem legte auch das Orchester so richtig los, und das Publikum klatschte beim Refrain mit und dankte mit Bravos.

Eine gesanglich ebenbürtige, jedoch vom Auftritt her noch nicht so erfahrene Partnerin hatte Heim in der junge Ukrainerin Irina Prodan, die ihr Studium 2008 in Würzburg abgeschlossen hat. Mit betörendem Glanz in ihrem warmen Sopran, im cremefarbenen Abendkleid und wallenden mittelblonden Locken auch von der Erscheinung her ein Traum, sang sie mit viel Charme und einer Stimme ohne Druck verträumt-romantische Arien wie „Bin ein glückseliges Menschenkind - Das Leben ruft" aus Lehárs„Zarewitsch" und „Strahlender Mond" aus „Der Vetter aus Dingsda" von Eduard Künneke.

Traumhaftes Paar: Michael Heim und Irina Prodan. Foto: Mergenthal
Anfänglich introvertiert und etwas schüchtern wirkend, sang sie sich in den zauberhaften Duetten mit Heim immer mehr frei, etwa dem bekannten „Schwalbenduett" aus der „Csárdásfürstin" von Emmerich Kálmán Bei einem angedeuteten Flamenco im Duett „Am Manzanares" aus Nico Dostals „Clivia" und einem wilden ungarischen Csárdás in „Komm mit nach Varasdin" aus „Gräfin Mariza" brach Prodans von einer früheren Ballettausbildung herrührende Tanzleidenschaft durch.

Die Konzertbesucher klatschten rhythmisch und trommelten mit den Füßen. „Immer, wenn es auf Mitternacht zugeht, wird das Publikum so unersättlich", meinte der am Schluss ebenfalls lockere Mandl nach der zweiten Zugabe, dem Radetzky-Marsch, und kündigte an: „Wir fahren nochmal nach Varasdin".

Bei der von beiden Sängern voll Esprit und Leidenschaft gesungenen Wiederholung des Duetts zeigte die Ukrainerin die Power, die eigentlich in ihr steckt und die sie in ihrer weiteren Laufbahn sicher zur Entfaltung bringt.

 

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