Freilassinger Anzeiger vom 3. Januar 2010
Grüne verteidigen Kraftwerkspläne
Nach Kritik vom neuen Bürgerarbeitskreis holen die Politiker zum Gegenschlag aus
  FREILASSING - Die Grüne/ Bürgerliste Freilassing hat auf ihrer jüngsten Ortsversammlung die Pläne der Stadt für den Bau eines Biomasse-heizkraftwerks in Freilassing verteidigt. „In Kopenhagen haben die Politiker versagt", heißt es in ihrer Pressemitteilung, und: „Wenigstens in Freilassing soll sich das nicht wiederholen." Die Grünen fordern die Gegner des Kraftwerks auf, „ihre destruktive Haltung zu überdenken".

„Schon längst könnten wir mit modernster Technologie den Kohlendioxid-Ausstoß verringern und gleichzeitig Arbeitsplätze schaffen", so die Vorsitzende Marie-Luise Thierauf bei der Versammlung im Bistro „Beim Lois". „Wir sollten nicht weiterhin das Geld ins Ausland schicken, um Öl zu kaufen, sondern endlich mit unseren nachwachsenden Rohstoffen arbeiten."

Die Vorteile des Biomasseheizkraftwerks liegen für die Grünen/Bürgerliste auf der Hand. Ilse Fegg, Vorstand im Bürgersonnenkraftwerk Freilassing, führte die Argumente aus: Statt Öl und Gas würden regionales Hackgut verwendet und Tausende Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid eingespart. Die Wertschöpfung bleibe im Lande und stärke die regionale Wirtschaft, aber auch den Geldbeutel der Nutzer.

Auf der Versammlung der Kraftwerksgegner, die einen Bürgerentscheid planen, wurde gerade auch Kritik an den Grünen laut (wir berichteten), die sich im Stadtrat offen zu den Kraftwerksplänen bekannten. Die Grünen holen nun zum Gegenschlag aus: „Nicht jeder Kaminkehrer und Heizungsbauer erkennt auf Anhieb neue Chancen und Vorteile. Einige kleben zu sehr an alten, überholten Rechten, Gewohnheiten und ehemals Gelerntem", heißt es in der Pressemitteilung zur Ortsversammlung.

Scharf kritisierte dort Wolfgang Fieweger, ehemaliger Stadtrat und Referent der Aktion „Sonnenenergie vom Watzmann bis zum Wendelstein", das Verhalten der Freien Wählergemeinschaft, deren Stadtratsfraktion sich mit Ausnahme vom zweiten Bürgermeister Karlheinz Knott gegen die Kraftwerkspläne stellte.

„Diese haben mit ihrer Fraktion im Stadtrat Zugang zu sämtlichen Quellen und stellen den Umweltreferenten, der sich in die Materie eigentlich hätte einarbeiten sollen. Sie haben bisher wenig zur Sache beigetragen und verkünden nun plötzlich, in den nächsten Monaten ein besseres Konzept anzubieten."

Zu den grundlegenden Aufgaben einer Stadt gehöre es, die Versorgung mit Wasser, Strom oder Heizenergie zu einem bürgerfreundlichen Preis sicherzustellen. Erdöl sei knapp, und die Gaslieferungen seien unsicher, in jedem Fall sei mit extremen Preissteigerungen zu rechnen. Die Stadt habe deshalb eine gewisse Fürsorgepflicht und die Aufgabe, zukunftsorientiert zu planen, bemerkte Stadträtin Elisabeth Hagenauer.

„Überall um uns herum entstehen doch Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und Biomasseheizkraftwerke, und meines Wissens ist man damit rundum zufrieden. Warum holt man sich nicht vor Ort Informationen?", riet Karl Lutz den Initiatoren des Bürgerbegehrens.

Nicht auf sich sitzen lassen wollen die Freilassinger Grünen die Kritik, die Hias Kreuzeder bei der Versammlung zum Bürgerbegehren an ihnen übte. „Das einstimmige Abstimmungsverhalten der Grünen/Bürgerliste als Schande abzukanzeln, damit macht sich ausgerechnet der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Hias Kreuzeder geradezu lächerlich", so der Stadtratsfraktionssprecher Ernst Wohlschlager.

Wohlschlager begrüßte grundsätzlich die demokratische Auseinandersetzung bei so einer bedeutenden Investition in Freilassing, zeigte sich aber sehr verärgert über „Fehlinformationen, die bewusst von den Gegnern zur Verunsicherung der Freilassinger Bevölkerung gestreut werden".

Als Beispiel brachte er die zur Sprache gebrachten Investitionskosten in Höhe von 20.000 ` Euro für den Anschluss eines Einfamilienhauses an die Wärmeversorgung. „Sollte es sich nicht um einen Kommafehler handeln", so Wohlschlager, „dann hat der Bezirkskaminkehrermeister Wolfgang Wagner mit dieser Aussage den Rest seiner Glaubwürdigkeit verspielt."

Die Grünen geben die Kosten mit 500 bis 1.500 Euro, im Höchstfall 2.000 Euro, an und berufen sich auf Angaben einer Freilassinger Installationsfirma. Diese Zahlen habe auch Franz Aicher, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke, bestätigt, gab Ernst Wohlschlager auf Nachfragen der Heimatzeitung an.

„Immer darauf zu warten, dass andere den ersten Schritt tun, macht uns alle zu Verlierern im Kampf um eine lebenswerte Zukunft. Eine reine Verhinderungsmentalität, wie sie derzeit der Bürgerarbeitskreis Bürgerbegehren Biomasseheizkraftwerk' an den Tag legt, ist kontraproduktiv.

Der Versuch, positive Fakten mit falschen Zahlen schlechtzureden und damit sinnvolle Investitionen in die Zukunft zu verhindern, darf nicht so stehen bleiben", so die Grünen-Ortsvorsitzende Marie-Luise Thierauf abschließend.

 

zurueck
Umwelt-Webdesign-21, Nachrichten aus Agenda21 Umwelt Natur Energie Solar und Klima
Web: www.umwelt-webdesign.info  | eMail  | Impressum  | designed by Primaweb  | ©1994-2009  | Date: 03.01.2010