Südostbayerische Rundschau vom 26. September 2009
Aus Fehlern lernen
Leserbrief zum geplanten Biomasse Kraftwerk Freilassing, von Hermann Schubotz
  Leserbrief zum Artikel Eine Investition in die Vergangenheit" vom 19.09.2009 zum Biomassekraftwerk Freilassing,

Danke an die FWG, dass sie dieses für Freilassings Zukunft so eminente Thema öffentlich diskutiert. Nur muss sich aus der Kritik auch ein positiver Ansatz entwickeln. Wir alles wissen - spätestens seit den UN Klimaberichten in 2007 – dass der Klimawandel eine tödliche Bedrohung für das Überleben auf der Erde darstellt, und dass er nicht auf langwierige Beschlüsse von endlosen Klimakonferenzen wartet, sondern sein Tempo mit Erderwärmung und Gletscherschmelze noch beschleunigt hat.

Wir wissen auch, dass der Hauptverursacher das Kohlendioxid Gas (CO2) aus der Verbrennung von fossilen Energieformen wie Kohle, Erdöl und Erdgas stammt und dass sich die Förderung dieser Stoffe dem Ende zu neigt und die Preise dafür in unbezahlbare Höhen steigen werden. Kommt der Peakoil (Höhepunkt der Ölproduktion) bereits 2013 oder habe wir ihn bereits überschritten und merken es noch gar nicht ?

Deshalb sollte die allererste Forderung darin münden, den Wärme- und Energiebedarf drastisch durch Sparmaßnahmen, wie Wärmedämmung, intelligentes Heizen, Solares Bauen, etc. zu senken. Der Sparkassenbau in Bad Reichenhall hat es uns vorgemacht und bewiesen, dass es funktioniert, Reduzierung des Energiebedarfes um 80 Prozent. Dazu sollen die Energiesparwilligen mit einem Förderprogramm motiviert werden. Der Restbedarf kann über ein solarbasierte Wärmesystem mit grossen Sonnenkollektor-Anlagen gedeckt werden. Stichwort, überschüssige Wärme im Sommer in grossen Wärmespeichern tanken und im Winter verbrauchen. Es spricht dann kaum etwas dagegen, für lange und kalte Wintermonate ein kleines Biomassekraftwerk als Notreserve einzurichten oder bestehende neuere Heizanlagen weiter zu verwenden.

Angesichts der weltweiten Steigerung von CO2-Emissionen, besonders aus den Schwellenländern, muss CO2 reduziert und vermieden werden, wo es nur geht, eine reine CO2 Neutralität greift in heutiger Zeit zu kurz. Denn die Wärme aus fossilen Energie erzeugt plus CO2, ein Biomassekraftwerk ist höchstens CO2-neutral, was wir aber brauchen, ist eine CO2-freie oder CO2-arme Energiegewinnung, und das bietet uns die Sonne seit Jahrtausenden kostenlos an.

Verwenden wir unseren technologischen Grips und wenden ihn auf dieses Energie- und Umweltproblem an. Bei solch einer wichtigen Weichenstellung für die Energiezukunft der Stadt Freilassing und seiner Bürger und Investition für die nächsten Jahrzehnte ist es zu kurz gegriffen zu sagen, weg vom Öl und hin zum Holz, ohne eine Reduzierung des Energiebedarfes zu diskutieren und ohne andere, Kosten günstigere und Klima freundlichere Energiesysteme zu untersuchen, wie eben die rein Solarbasierte Wärmeerzeugung. Und wenn dann noch der benötigte Strom für Pumpen, etc. ebenfalls von der Sonne mit Hilfe der Photovoltaik erzeugt wird, dann sind wir weitgehend frei von Energieimporten im Heizbereich und erfüllen den Kreistagsbeschluss aus 2001, in dem die Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2030 angestrebt wird.

Noch ist nichts Wesentliches entschieden, das Energieschiff Freilassing ist noch umsteuerbar. Wir sollten aus den demokratiepolitischen Fehlern in der Freibad-Naturbad Diskussion vor zwei Jahren lernen und die Bürger in dieser noch wesentlicheren und die Zukunft bestimmenden Frage frühzeitig einbinden. Es werden und wurden viele zig-Tausende Euro für Gutachten ausgegeben, investieren wir doch in eine neutrale Untersuchung, welche künftige Energieversorgung für Freilassing kostengünstig, zukunftssicher und nachhaltig und weitgehend CO2-frei ist.

Hermann Schubotz, Freilassing

 

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