Freilassinger Anzeiger vom 24. Dezember 2009
Biomassekraftwerk: Bürgerentscheid steht in den Startlöchern
Bürgerarbeitskreis „Bürgerbegehren Biomasseheizkraftwerk Freilassing" aus der Taufe gehoben
  FREILASSING (st) - Nach dem zustimmenden Beschluss des Stadtrats zum Biomasse-heizkraftwerk machen die Gegner nun ernst. Sie hoben einen Bürgerarbeitskreis „Bürger-begehren Biomasse-heizkraftwerk Freilassing" aus der Taufe mit dem erklärten Ziel, den Bürger entscheiden zu lassen, ob er ein solches Kraftwerk will oder nicht. „Wir werden eine konkrete Alternative aufzeigen", so Hias Kreuzeder, einer der Sprecher des Arbeitskreises, in dem sich Kaminkehrer und Heizungsbauer, aber auch „ganz normale Bürger", wie Bert Enzinger betont, zusammen-geschlossen haben. Neben dem Landwirt und dem FWGVorsitzenden stehen Bezirkskaminkehrermeister Wolfgang Wagner und Heizungsbauer Rudolf Unterrainer mit an vorderster Front.

„Wir sind der Meinung, dass dieses Großprojekt nicht sinnvoll ist", erklärte Bert Enzinger. Es gebe bessere Alternativen. Auch die Mitglieder ihres Arbeitskreises seien für den Einsatz erneuerbarer Energien, aber mit anderen Technologien und Strukturen.

Die Summe von rund 20.000 Euro nennt Wolfgang Wagner, die der Besitzer eines Einfamilienhauses alles in allem investieren müsste für einen Anschluss an das von der Stadt geplante Werk. Für dieses Geld könnte jeder fast schon einen Vollwärmeschutz an seinem Haus anbringen und damit wirklich Kohlendioxid einsparen. In dem von der Stadt geplanten Werk werde das Kohlendioxid von einem 100 Jahre alten Baum in fünf bis sechs Stunden freigesetzt.

Besser wäre es, die Stadt würde mit dem Geld aktive Wärmedämmung bei den Freilassinger Hausbesitzern fördern. Damit könnte der Energiebedarf erheblich reduziert werden, was tatsächlich zum Klimaschutz beitragen würde.


Sie sind die Sprecher des Bürgerarbeitskreises (von links): Rudolf Unterrainer, Hias Kreuzeder, Wolfgang Wagner und Bert Enzinger. Foto: Stronk
 
 

Eine „Frechheit" ist in seinen Augen die von der Stadt verbreitete Nachricht, der Agenda Arbeitskreis Wirtschaft und Energie habe sich einstimmig für ein Biomasseheizkraftwerk ausgesprochen. Da seien zwei Sätze aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Wenn schon, dann müsste man den ganzen Beschluss des Arbeitskreises veröffentlichen. Eine Verwirklichung des Biomasseheizkraftwerks nach den jetzigen Vorstellungen missachte alle dort enthaltenen zwölf Punkte. Den restlichen Energiebedarf könnte man laut Bert Enzinger mit kleineren dezentralen Anlagen decken. Betreiber sollten die Bürger selbst sein, die auch die Vergütung für den gleichzeitig erzeugten Strom selbst kassieren könnten.

Bei dem großen zentralen Werk besteht nach Meinung der Arbeitskreismitglieder die Gefahr, dass nicht die Energieeinsparung im Vordergrund steht, sondern der Gewinn aus der Stromerzeugung. Somit könnte die Versuchung zur Verbrennung auch in Zeiten hoch sein, in denen nicht viel Wärmeenergie benötigt wird. Hias Kreuzeder glaubt, dass die Salzburg AG im Hintergrund steht.

„Es ist der Versuch, Eham II zu bauen, nichts anderes", so der streitbare Biobauer, der früher für die Grünen im Bundestag saß, seiner ehemaligen Partei aber längst enttäuscht den Rücken gekehrt hat. Auch mit dem Abstimmungsverhalten der Grünen/ Bürgerliste im Stadtrat ist er nicht einverstanden: „Für mich als ehemaligen Grünen ist das eine Schande." Es gehe hier um die grundsätzliche Entscheidung, ob man weniger Energieverbrauch wolle oder nicht. Bei der veranschlagten Summe für dieses Werk könnte man die Wärmedämmung bei 2.000 Hausbesitzern mit jeweils 5.000 Euro fördern.

„Wir glauben, eine bessere Alternative anbieten zu können", so Bert Enzinger. Darüber wollen die Betreiber des Bürgerbegehrens die Bürger in den nächsten Wochen und Monaten eingehend informieren. Nähere Informationen gibt es auch im Internet unter www.fernwaerme-freilassing.de.

 

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