Freilassinger Anzeiger vom 18.Dezember 2009
Bürgerentscheid gegen Biomassekraftwerk
Kritiker wollen einen Arbeitskreis gründen - Wolfgang Wagner wehrt sich
  FREILASSING (st) - Noch vor Weihnachten will sich ein Bürger-Arbeitskreis bilden, der sich mit dem geplanten Biomasse-Heizkraftwerk befasst. Das hat der Vorsitzende des Agenda-Arbeitskreises Wirtschaft und Energie, Wolfgang Wagner, angekündigt. Erklärtes Ziel ist ein Bürgerentscheid zu dem Projekt, das Wagner und seine Mitstreiter vehement ablehnen. In einer Stellungnahme zur jüngsten Stadtratssitzung wehrt er sich gegen den Vorwurf des Bürgermeisters, nicht mit offenem Visier gekämpft zu haben.

Im Rahmen des Agenda2l-Arbeitskreises „Wirtschaft und Energie" sei erhebliche Zeit in die Ausarbeitung einer zukunftsfähigen „Energie-Strategie" für Freilassing investiert worden. Nachdem die Instrumentalisierung des Arbeitskreises und somit seine Ergebnisse wohl nicht den Vorstellungen des Chefs der Stadtverwaltung entsprochen hätten, sei es ab dem Frühjahr 2009 auch nicht mehr möglich gewesen, eine Arbeitskreissitzung einzuberufen. Zwei entsprechende Anfragen an Dr. Ulrich Zeeb seien schlicht ignoriert und nicht beantwortet worden, sagt Wagner.

In einer Sitzung am 6. November 2008 sei unter Anwesenheit von Stadträten versucht worden, im direkten Gespräch mit dem Planer Stefan Schubert von der Firma KESS über die Bedenken des Arbeitskreises zu sprechen. Erfolglos.

Am 19. März 2009 seien dann die „Gegner" zweieinhalb Stunden der gesamten Stadtspitze und den zwei maßgeblichen Planern gegenüber gesessen. Hier sei auch der Chef der Stadtverwaltung anwesend gewesen. „Wie Josef Flatscher also dazu kommt, gebetsmühlenartig zu wiederholen, die Kritiker hätten sich nicht eingebracht, wird wohl sein Geheimnis bleiben", so Wagner. Als neu dürfe man zur Kenntnis nehmen, dass im Hintergrund offensichtlich bereits ein Großinvestor wartet. Demnach dürfte auch die Größenordnung des Werks eine andere sein wie bisher bekannt.

Fazit Wagners: „Diese Stadtratssitzung war ein Lehrstück in Sachen Politikverdrossenheit. So wenig der Bürgermeister beziehungsweise die Mehrheit des Stadtrats glaubwürdig war in der Messlatte 60 Prozent Vorverträge, so wenig wird dies auch im Hinblick auf einen rechtlich jederzeit möglichen Anschlusszwang sein. Der Bürgermeister und der Stadtrat haben ihre Glaubwürdigkeit gegenüber dem Bürger verspielt."

In der Woche vor Weihnachten werde sich deshalb ein Bürger-Arbeitskreis konstituieren mit dem Ziel, durch ein Bürgerbegehren und einen Bürgerentscheid diese Entscheidung des Stadtrates zu korrigieren.

 
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