Freilassinger Anzeiger vom 12. Dezember 2009
GesamtökologischeKriterien nicht erfüllt
Leserbrief von Michael Behringer
 

Zum Artikel „Vor weitreichender Entscheidung zur Biomasse" in der Ausgabe vom 9. Dezember:

Erst dämmen, dann heizen, lautet das Gebot der Stunde, nicht nur für die Schonungg des Klimas, sondern auch des Geldbeutels. Anstatt aufwändige Fernheizwerksysteme zu bauen, soll in kleinen Einheiten, einige Häuser zusammen, im Sommer die Sonnenenergie so gespeichert werden, dass sie im Winter zum Heizen zur Verfügung steht. Die Laufener Baugenossenschaft macht es uns vor und zeigt, dass es funktioniert. Bevor im Stadtrat eine irreversible Entscheidung getroffen wird, muss erst geklärt werden, woher die Hackschnitzel kommen.

Diese von mir vor vielen Monaten gestellte Frage bleibt bis heute unbeantwortet. Bezieht man sie auf dem Weltmarkt, gerät man in ähnliche Abhängigkeiten wie bei den fossilen Energieträgern. Lange Transportwege verursachen Schadstoffemissionen zulasten der Ökobilanz. Aus heimischen Wäldern ist die Bedarfsdeckung unwahrscheinlich. Nicht umsonst verkehren seit Monaten lange Hackschnitzel-Güterzüge aus der Eifel von Gerolstein über Euskirchen nach Salzburg und Hallein. Die abgestellten Garnituren können regelmäßig im Freilassinger Bahnhof beobachtet werden. Verteuern sich in den nächsten Jahren die Transportkosten mehr als linear voraus kalkulierbar, sind die jetzt angestellten Rechenmodelle gegenstandslos.

Dem bis an die Grenze belasteten Hauseigentümer fehlt dann zudem das Geld für zukunftsfähige bezahlbare Alternativen, wie die konsequente Nutzung der Sonnenenergie. Zu den Grundsätzen einer ökologisch sinnvollen Holznutzung gehört, Holzprodukte zu fördern, die Kohlendioxid langfristig speichern. Holz, das verbrannt wird, setzt das gesamte Kohlendioxid in Minutenschnelle frei. Durch den gestiegenen Holzeinschlag ist in den letzten 20 Jahren in Deutschland die jährliche Kohlenstoffbindung in unseren Wäldern von 17 Millionen Tonnen pro Jahr auf 4,7 Millionen Tonnen gesunken. Energetische Nutzungen in Form von Scheitholz, Pellets oder Hackschnitzel dürfen daher nur in einer gesamtökologischen Betrachtung erfolgen.

Dabei sind die drei Hauptkriterien zu beachten: Energieeffizienz, Waldortnähe und Biotopholzerhaltung. Beim geplanten Feilassinger Werk ist voraussichtlich keins dieser Kriterien erfüllt.

Michael Behringer, Ainring, Bund Naturschutz

 
__