Freilassinger Anzeiger vom 9. Dezember 2009
Vor weitreichender Entscheidung zur Biomasse
Bezirkskaminkehrermeister Wolfgang Wagner wendet sich mit offenem Brief an die Stadträte
  FREILASSING (st) - Vor einer schwierigen Entscheidung stehen die Freilassinger Stadträte in er öffentlichen Sitzung am Montag, 14. Dezember, 17 Uhr, im Rathaussaal. Sie sollen einen Grundsatzbeschluss fassen, ob das Projekt Biomasseheizkraftwerk weiterverfolgt wird oder nicht. „Das Interesse in der Bevölkerung ist groß", konstatierte Bürgermeister Josef Flatscher in der Bürgerversammlung, musste aber auch eingestehen, dass es bisher nicht gelungen sei, Vorverträge abzuschließen. „Wir können es uns nicht leisten, nichts zu tun", gab er dennoch die Marschrichtung vor und führte CO2-Minderung, Versorgungssicherheit und bezahlbare Wärme für die Bürger als Argumente ins Feld. Die Widerstände gegenüber dem Millionenprojekt sind allerdings groß. Speziell die Kaminkehrer ziehen gegen das Vorhaben zu Felde und schließen gar ein Bürgerbegehren nicht aus. Ihr Sprecher Wolfgang Wagner hat sich nun im Vorfeld der Entscheidung mit einem offenen Brief an die Stadträte gewandt, um vielleicht doch noch den einen oder anderen Unschlüssigen im Ratsgremium zu überzeugen.

um hinterher erklären zu müssen, dass es diese Möglichkeit sehr wohl gibt, ein Anschlusszwang aber nicht kommen „soll". Eines ist für ihn aber sicher: „Wird ohne vorvertragliche Absicherung gebaut, dann wird dieser Anschlusszwang kommen müssen, da nur so die Wirtschaftlichkeit sichergestellt werden kann."

Für den Kaminkehrer und Energieberater übersteigen die bekannten Risiken dieses Vorhabens den „schöngerechneten" Nutzen bei Weitem. Um die Bürger der Stadt Freilassing vor einem wirtschaftlichen Desaster zu schützen, sei dann zwingend ein entsprechender Bürgerentscheid anzustreben, kündigt er an.

Um dies alles zu vermeiden, sollte der Stadtrat eine vorausschauende Entscheidung treffen Die Inflation von Biomasseheiz(kraft)werken werde binnen kürzester Zeit die angebliche Regionalität der Brennstoffversorgung und somit der Wertschöpfung ad absurdum führen. Jedem, der sich mit der Materie wirklich auseinandersetzt, sei klar, dass in großen Teilen bereits jetzt auf dem Weltmarkt eingekauft werden muss. Die Stadt Freilassing sollte anti-zyklisch entscheiden und eben nicht das machen, was jeder macht.

„Konzentrieren wir uns darauf, die dem Stadtrat ja ohnehin seitens des Agenda21 Arbeitskreises 'Wirtschaft und Energie' vorliegenden Vorschläge aufzugreifen und alle Kräfte dahingehend zu konzentrieren, die Bürger zu energetischen Sanierungs-maßnahmen anzuregen und ihnen damit zu helfen, wirklich Energie einzusparen", sagt Wagner. Nur dies würde die Umwelt wirklich entlasten und zudem für nachhaltige Stärkung des handwerklichen Mittelstandes in Freilassing sorgen.

 
 

„Wie auf der Bürgerversammlung zu hören war, hat der Bürger unter Kenntnis der erfolgten Berichterstattung seine Entscheidung bereits getroffen. Die Richtigkeit der von mir und meinen Mitstreitern vorgelegten Zahlen konnte trotz erheblicher Bemühungen der Stadtverwaltung unter Einbeziehung des Planungsbüros nicht zu Gunsten der Stadtverwaltung korrigiert werden", so Wagner. Auch scheine es so zu sein, dass wohl mittlerweile seitens der Stadtverwaltung gegenüber den Stadträten beziehungsweise Ausschussmitgliedern der Bestand der 60-Prozent-Vorvertrags-Deadline als absolute Grundlage weiterer Schritte bestritten wird.

„Diese sogenannte Deadline wurde in öffentlicher Sitzung als unterste Grenze der Machbarkeit des Biomasseheiz-(kraft)werkes gesetzt. Es erging insbesondere durch den Planer die dringende Aufforderung an die Stadträte, diese Grenze unbedingt zu beachten, da sonst ein wirtschaftlicher Betrieb nicht darstellbar wäre", erinnert der Bezirkskaminkehrermeister mit Kehrbezirk in Piding die Stadträte. Auch der Stadtkämmerer habe in öffentlicher Sitzung auf Nachfrage zu bedenken gegeben, dass Fördergelder sogar nur bei einhundert Vorvertrags-absicherung zu erhalten seien.

Diese Frage sei ein Streitpunkt in der Diskussion gewesen und von Werner Hafer noch während der Sitzung fixiert worden.

Als „Zocken mit dem Geld des Bürgers auf höchstem Niveau" bezeichnet es Wagner, wenn ein Stadtrat ohne bestehende Vorverträge grünes Licht zur Weiterführung des Projekts gibt „unter dem Motto der Stadtverwaltung, erst zu bauen, dann würden die Anschließer schon von alleine kommen". Deshalb müsse jedem Stadtrat, der mit „JA" stimmt, aufgrund der Informationslage klar sein, dass er die Stadt Freilassing wissentlich in ein wirtschaftliches Desaster schicken wird, glaubt Wagner. Da werde sich im Anschluss die Frage stellen, ob aus einer solchen Entscheidung haftungsrechtliche Ansprüche gegen kommunale Ehrenamtsträger erwachsen könnten.

Wolfgang Wagner argwöhnt, dass auf Stadtverwaltungsebene die Pläne für eine Sanierungssatzung mit der Folge des Zwangsanschlusses im Mitterfeld bereits beschlussfertig in der Schublade liegen könnten. Auch hier habe ja die Stadtverwaltung erst seine Auffassung zu den rechtlichen Möglichkeiten der Ausweisung eines derartigen Sanierungs-gebietes als nicht zutreffend dargestellt,

 
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