Freilassinger Anzeiger vom Dienstag, 8. Dezember 2009
192 Staaten wollen die Welt retten
Klimagipfel in Kopenhagen beginnt mit eindringlichem Appell
  Kopenhagen (dpa) - Ringen um die Zukunft unseres Planeten: Mit einem eindringlichen Appell, die Erderwärmung gemeinsam zu bremsen, hat in Kopenhagen am Montag der größte Klimagipfel der Welt begonnen. Die Zeit für bloße Erklärungen sei vorbei, sagte UN-Klimachef Yvo de Boer in seiner Eröffnungsrede. Er forderte verbindliche Klimaschutzziele und eine sofortige Finanzzusage über 10 Milliarden US-Dollar (6,7 Milliarden Euro) jährlich von 2010 bis 2012 für die armen Länder.

Die Konferenz ringt auch um ausreichende Finanzzusagen, damit sich Entwicklungsländer an den Klimawandel anpassen können, und technische Hilfen für eine klimafreundliche Entwicklung. Zudem wird vorgeschlagen, dass Länder mit großen Urwaldgebieten Geld für deren Schutz erhalten. In der zweiten Woche des Gipfels werden 110 Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen erwartet,darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama.

Wie dringend etwas getan werden muss, zeigten zwei wissenschaftliche Studien, die am Montag öffentlich wurden. Sie weisen beide darauf hin, dass der Klimawandel noch weit verheerendere Auswirkungen haben könnt als bislang angenommen.

Ein britisches Forscherteam von der Universität Bristol kommt zu dem Schluss, dass die Temperatur um 30 bis 50 Prozent stärker als zusätzliches Kohlendioxid (C02) in der Erdatmosphäre reagieren wird, als es der Weltkli marat berechnet hat.

 
 

Bis zum 18. Dezember kämpfen Regierungsvertreter aus 192 Staaten um weitreichende Klimaziele. So viele Länder wie nie zuvor haben Vorschläge vorgelegt, um ihren Ausstoß an Treibhausgasen zu reduzieren oder zu bremsen. Ob dies für eine Einigung reicht, ist zweifelhaft.

Der Ministerpräsident des Gastgeberlandes Dänemark, Lars Lokke Rasmussen, schwor die Verhandlungspartner aus aller Velt auf »schwierige, aber notwendige Entscheidungen« ein. Eine Einigung sei greifbar nahe, sagte Rasmussen und appellierte an die Delegationen: »Lasst uns nicht auf das konzenrieren, was uns trennt, sondern auf das, was uns verbindet.«

Der Vorsitzende des Weltklimarates, Rajenra Pachauri, unterstrich am Montag die Notwendigkeit, die Erderwärmung im Bereich von 2 bis 2,4 Grad zu drosseln.

Sonst drohten katastrophale Auswirkungen. Die globale Durchschnittstemperatur sei im 20. Jahrhundert bereits um 0,74 Grad gestiegen, der Meeesspiegel um 17 Zentimeter.

Sollte das Grönland- Eis schmelzen, könnte er um sieben Meter klettern. In Afrika bedrohe Wassermanel 75 bis 250 Millionen Menschen bis zum Jahr 2020.

 

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