Freilassinger Anzeiger vom 4. April 2009
Landkreis Energieautark ?
Leserbrief Zum Artikel Biomassekraftwerk Freilassing, von Hermann Schubotz
 

Im Zusammenhang mit Energiethemen im Landkreis wird der historische Beschluss des Kreistages im Dezember 2001 oft falsch zitiert, der Landkreis solle bis 2030 energieautark sein. Der richtige Beschluss lautet:

1. Die Energieversorgung des Landkreises bis zum Jahr 2030 mit erneuerbaren Energien wird angestrebt.
2. Hierzu wird der bestehende Agenda Arbeitskreis gestärkt ...

Die Energieversorgung des Landkreises soll auf erneuerbare Energien umgestellt werden, d.h.

1. Stromerzeugung aus Sonnenkraft, Wasserkraft und Windkraft ist bei uns im Landkreis möglich und machbar.

2. Wärmeerzeugung für gut gedämmte Häuser aus Biomasse, Solarthermie (Heizen mit der Sonne), Solar-Architektur, Häuser nach dem Sonnenstand ausrichten, Geothermie, etc. ist möglich und machbar.

3. Bei der mobilen Energie für Verkehr und Transport bieten sich Pflanzenöle, Elektroautos mit Strom aus solaren Energien und Ausbau des öffentlichen Personen Nahverkehrs an.

Voraussetzung für alle drei Energiebereiche ist ein reduzierter Verbrauch und eine effiziente Nutzung der Energie. Da stellt die Abwrackprämie für alte PKWs ohne Forderung nach verbrauchsarmen und effizienten Kraftfahrzeugen eine weitere verpasste Chance dar.

Energieautark würde dahingegen bedeuten, wir versorgen uns selber mit Energie, egal ob sie von der Sonne, einer fossilen Erdölquelle oder Kohlengrube kommt, Hauptsache aus dem BGL. Nach dieser Interpretation dürften Biomasse oder Strom noch nicht einmal aus den Nachbar-Landkreisen importiert werden.

Der richtige Beschluss der Umstellung der Energieversorgung aus erneuerbaren Energien im BGL ist machbar und möglich, es muss sich nur wirklich jemand professionell und in Verantwortung für die künftige Generation voll darum kümmern. Folgelose Lippenbekenntnisse haben wir genug gehört. Von den angestrebten 30 Jahren ist bisher ein Drittel fast tatenlos vergangen. Um so mehr müssen sich nun verantwortliche Männer und Frauen des Landkreises zusammen tun und dieses hohe Ziel mit der nötigen Energie angehen und umsetzen. Da sind alle gefragt, Politik, Wirtschaft, Parteien, Kirchen, Verbände, Vereine, Hausverwaltungen, Häuslbauer.

Ein paar hundert engagierte Bürger in Umweltvereinen und Bürgerkraftwerken haben gezeigt, dass die Technologie vorhanden ist und funktioniert, siehe Solarboom in Deutschland seit dem Gesetz zum Vorrang erneuerbarer Energien aus dem Jahre 2000. Aber das reicht heute nicht mehr. Der Klimawandel wartet nicht auf weitere Beschlüsse aus dem Berchtesgadener Land, eine Umsetzung ist angesagt. Jetzt müssen alle Bürger Verantwortung übernehmen, den Beschluss aus 2001 mit Leben füllen und das Projekt Energie2030 professionell angehen.

Hermann Schubotz, Freilassing

 
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