Freilassinger Anzeiger vom 13. Februar 2009
Photovoltaik-Park soll heuer gebaut werden
Ein Privater setzt jetzt die Idee der Anlage auf der ehemaligen Mülldeponie in Eham um
 

FREILASSING (wür) - um 100 Einfamilienhäuser heizen zu können, braucht man 190 Module. Sie sollen im geplanten Photovoltaik-Park auf dem Gelände der ehemaligen Mülldeponie in Freilassing-Eham errichtet werden. Das zumindest ist die Absicht des Privatunternehmers und Energie-Spezialisten Robert Santner. Um die Ausbeute an Solarenergie im Vergleich zu herkömmlichen Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern zu erhöhen, sollen die Module dem Prinzip der Sonnenblume folgen: das heißt, sie sind beweglich und drehen sich auf einer Achse entsprechend dem Lauf der Sonne. Dadurch steigt die Energieausbeute um 25 bis 30 Prozent.

Das erklärte der Unternehmer auf einer Informationsveranstaltung, zu der er Interessierte aus Freilassing und Umgebung eingeladen hatte. Seine Absicht: Beteiligungskapital für sein Projekt aufzutreiben. Die bürokratischen Vorarbeiten habe er weitgehend erledigt: Der Einspeisevertrag mit E.ON zu 0,3194 Cent pro Kilowattstunde stehe, der Pachtvertrag mit den Grundbesitzern sei unterschrieben und der Stadtrat habe seine Genehmigung erteilt. Jetzt stehe nur noch die Erteilung der Baugenehmigung durch das Landratsamt aus.

„Wo Energie benötigt wird, muss sie auch erzeugt werden." Dieser Ansicht ist der eloquente Unternehmer und fand damit viel Zustimmung unter den Anwesenden, gerade auch angesichts der schwindenden fossilen Ressourcen und des drohenden Klimawandels.
Der Fachmann fuer Oekostrom, der Unternehmer Robert Santner, erlaeuterte sein Projekt eines Photovoltaik-Parks in Eham, um Geldgeber zu gewinnen.
Der Fachmann für Ökostrom, der Unternehmer Robert Santner, erläuterte sein Projekt eines Photovoltaik-Parks in Eham, um Geldgeber zu gewinnen.

Auf diesem Gelaende der ehemaligen Muelldeponie in Freilassing-Eham soll die private Photovoltaik-Anlage errichtet werden.
Auf diesem Gelände der ehemaligen Mülldeponie an der Strasse von Eham nach Muckham soll die private Photovoltaik-Anlage errichtet werden mit 190 Modulen, die sich nach dem Sonnenstand drehen. Fotos: Wünsche-Reiter
 
 

Santner kommt aus der Steiermark und betreibt in Freilassing ein Büro für Energie-projekte. Er verwies in seinem Vortrag auf seine Erfahrungen auf diesem Gebiet. So war er zum Beispiel 2001 an der Errichtung des sogenannten Gemini-Hauses in Weiz in der Steiermark beteiligt, einem „bewohnbaren Sonnenkraftwerk", wie er sich ausdrückt, in dem mittlerweile durch die Bewohner mehr Energie erzeugt als verbraucht werde.

Hier in Bayern vertreibt er Wärmepumpen und Photovoltaik-Anlagen. Seinen wirtschaftlichen Schwerpunkt habe er unter anderem deshalb nach Deutschland verlegt, sagt er, weil in seiner Heimat Österreich die alternativen Energien stiefmütterlich behandelt würden, so existiere zum Beispiel kein Gesetz über die Einspeisung von privater Energie ins öffentliche Netz wie in Deutschland.

Circa 0,6 mal 1,2 Meter würde eines der 190 Module messen, die auf einer Fläche von drei Hektar in einer Höhe von 0,8 Metern ansteigend auf bis zu 3 Metern montiert würden, in Abständen von zweieinhalb bis dreieinhalb Metern. Die begrünte Fläche dazwischen - es soll ja ein Park werden - würde durch Schafe kurz gehalten.

Und für all das braucht Santner jetzt Geld, und das nicht zu knapp: 1,3 Millionen Euro würde die Investition kosten. Die Banken fordern eine Eigenkapitalquote von 25 Prozent. Vier Beteiligungsmöglichkeiten bietet der Unternehmer an:

  • den Kauf von „Sonnenscheinen",
  • eine Darlehensgewährung,
  • eine Beteiligung als stiller Gesellschafter
  • oder die Mitgliedschaft in einer Kommanditgesellschaft,

wobei die genaue Rechtsform des Unternehmens Photovoltaik-Park derzeit wohl noch nicht ganz geklärt ist.

Angesprochen auf die Tatsache, dass es in Freilassing ja schon ein Bürger-sonnen-kraftwerk mit Bürgerbeteiligung gebe, meint Santner, beide Unternehmen könnten gut nebeneinander bestehen. Im Übrigen habe er die Erfahrung gemacht, dass bei derartigen Initiativen das Interesse ziemlich bald nachlasse.

Aber: „Es geht doch jetzt darum, so viel Ökostrom wie möglich zu produzieren." Da war er sich einig mit den Anwesenden, unter ihnen auch der dritte Bürgermeister Michael Hangl. Er verwies im Gespräch mit der Heimatzeitung darauf, dass seine Partei, die SPD, vor einiger Zeit im Stadtrat den Antrag auf Betrieb einer solchen Photovoltaik-Anlage in Eham durch die Stadt gestellt, dafür aber keine Mehrheit bekommen habe. Jetzt habe das eben ein Privatunternehmer in die Hand genommen.

Geld wurde auf der Veranstaltung noch nicht gesammelt, das soll in Einzelgesprächen geschehen. Auf jeden Fall soll die Errichtung des Photovoltaik-Parks nach Erteilung de Baugenehmigung noch dieses Jahr beginnen. Geplante Bauzeit: ein halbes Jahr. Wenn alle gut geht.

 

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