| |
Der Dauerbrenner Freibad hat ein vorläufiges Ende gefunden,
zumindest was die Frage betrifft, welche Attraktionen sich die Stadt
für das sanierte Bad in Brodhausen leisten will. Einstimmig
waren die Stadträte dafür, dass der Kleinkinder-bereich
mehr Attraktionen erhält, Mehrkosten dafür rund 365.000
Euro. Grünes Licht gab's auch für eine Breitrutsche um
132.000 Euro.
Der Streit um die Größe des Schwimmerbeckens wurde
ebenfalls beigelegt. Der Vorschlag des Finanzausschusses auf sechs
Bahnen statt der geplanten vier Bahnen wurde zwar knapp mit 11:10
Stimmen abgelehnt, ein neuer Antrag auf fünf Bahnen mit jeweils
50 Metern Länge fand dann eine Mehrheit. Für die eine
Schwimmbahn mehr legt die Stadt 110.000 Euro zusätzlich auf
den Tisch.
Das Freibad-Wunschkonzert kostet die Stadt nun locker 4,7 Millionen
Euro statt der ursprünglichen vereinbarten vier Millionen Euro.
Weiter gestritten wird dafür bei der Wassertemperatur. Dem
Bürgerarbeitskreis Freibad (BaFF) sind 22 Grad im Schwimmerbereich
zu wenig, nach Monaten der Diskussion um die Wassertemperatur fragte
endlich ein Stadtrat, wie viel Grad das Freibad denn eigentlich
bisher im Sommer hatte. Ratlosigkeit im Gremium, dann die überraschende
Antwort von Betriebsleiter Johann Standl. „22 Grad im Schwimmerbecken
und 25 Grad im Nichtschwimmerbecken."
„Sollten hier nicht ein paar Euro anschauen!"
Vor dieser Auskunft hatte zum Beispiel FWG-Stadtrat Stadtrat Ludwig
Unterreiner (FWG) noch gewarnt, dass bei 22 Grad nicht mehr so viele
Besucher kommen würden. „Wir sollten hier nicht ein paar
Euro anschauen, es gibt genug andere städtische Gebäude,
wo man Energie sparen kann."
|
Heinrich Auerbach (SPD) hatte behauptet, „22 Grad sind
zum Schwimmen einfach zu kalt", außerdem wollte er berechnet
haben, dass acht mal 25-Meter Bahnen weniger Energie brauchen als
vier mal 50-Meter Bahnen, was der Planer allerdings verneinte.
Die Planer Hans Romstätter und Johann Franz Wach wiesen mehrmals
darauf hin, dass bei warmem Sommerwetter das Wasser mit Sonnenabsorbern
sehr schnell 24 Grad und mehr erreicht. Außerdem würden
die Sonnenabsorber so gesteuert, dass zuerst das Kinder-Plansch-becken,
dann der Nichtschwimmer-bereich und dann erst das Schwimmerbecken
beheizt werden.
„Nach zwei Sonnentagen ist dann auch das Schwimmerbecken
warm", so Wach. Die Frage, wie das Freibad beheizt wird, ist
erst einmal aufgeschoben. Vorgesehen sind bisher nur Solarabsorber,
eine Art Sonnen-kollektor, wie sie auf Dächern zu finden sind.
Über eine Zusatz-heizung wollen die Stadträte zu einem
späteren Zeitpunkt entscheiden.
Beim ursprünglich geplanten Naturbad waren 3,3 Millionen Euro
vorgesehen, für die vom Bürgerentscheid erzwungene Sanierung
des bestehenden Freibades erhöhten die Stadträte auf einen
Höchstbetrag von vier Millionen Euro. Den empfanden viele aber
jetzt nicht mehr als wirklich bindend.
SPD-Stadtrat Michael HangI betonte mehrmals, er möchte „jetzt
was gescheites haben und da müssen wir eben mehr Geld in die
Hand nehmen".
|
„Plötzlich so locker mit dem Geldausgeben!"
Auch CSU-Fraktionssprecher Dieter Moosleitner meinte, der Wunsch
nach mehr Attraktionen und mehr Schwimmbahnen sei finanzierbar und
vertretbar, obwohl er sich bisher immer strikt dagegen ausgesprochen
hatte. Einzig die grüne Stadträtin Elisabeth Hagenauer
beklagte sich darüber, „wie locker wir auf einmal mit
dem Geldausgeben sind".
Noch verwunderter war sie über die Aussage von Michael Hangl,
dass „es jetzt keinen Sinn macht, zu sparen". Ungewohnte
Zustimmung erhielt Ha-genauer von CSU-Stadtrat Klaus Lastovka. „Wir
haben uns auf vier Millionen geeinigt und nicht darauf, dass es
wahrscheinlich eh viel teurer wird. Mir kommt auch vor, dass da
heute 100.000 Euro und mehr schon sehr locker über den Tresen
gehen." Lastovka gelang es noch einmal festzuhalten, dass das
Freibad auch bisher eine Wassertemperatur von 22 Grad hatte, „und
da hat sich auch niemand beschwert".
Elke Michel-Blagrave schüttelte während der Diskussion
immer wieder den Kopf und versuchte noch während der Sitzung,
Fragen an das Plenum zu richten. Auch Hermann Schubotz als Sprecher
des „Bürgerarbeitskreises Freibad Freilassing" zeigte
sich nach der Entscheidung enttäuscht. „Man hat sich
mit keiner unserer Ideen beschäftigt, auch auf sechs Bahnen
hätte man sich verständigen können."
Der Bürgerarbeitskreis will seine Arbeit aber trotzdem fortsetzen
und mit den Architekten Details besprechen und die Sanierung begleiten.
Wolfgang Wagner als neuer Vorsitzender des Agenda-Arbeitskreises
Energie zeigte sich unterdessen zufrieden. „Der Beschluss
ist richtig und weist in die Zukunft." Er findet seine Empfehlungen
in den Mehrheitsbeschlüssen wieder.
Das Schwimmerbecken bekommt fünf Bahnen. Der in dieser Zeichnung
vorhandene Sprungbereich wurde abgelehnt. |
|