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Freilassing (rgz). Eine „Missachtung
der Intention des Bürgerbegehrens" werfen in einem offenen
Brief 150 Freilassinger Bürger dem Bürgermeister und dem
Stadtrat vor. Und fordern nachdrücklich, dass die Anliegen des
erfolgreichen Begehrens in der weiteren Planung zur Sanierung des
Freibades in Brodhausen berücksichtigt werden. |
Trotzdem würde sich die Stadt
immer noch circa 22.000 Euro an Heizkosten gegenüber den jetzigen
Verbrauchskosten sparen, führt der Brief weiter aus und zieht
folgende Schlussfolgerung: „Warme Wassertemperaturen sind
das Herzstück des Bürgerbegehrens gewesen. Mit den immerhin
22.000 Euro Ersparnis gegenüber den jetzigen Verbrauchskosten,
ist es nicht unmäßig, rund 9.000 Euro für die Aufrechterhaltung
der bisherigen Temperaturen zu wünschen."
Ein weiteres „Herzstück" ist für die Verfasser
des offenen Briefes die Größe des Sportbeckens. Nötig
seien auf alle Fälle 50-Meter-Bahnen. Eine Reduzierung des
Bades von acht auf fünf Bahnen würde bedeuten, dass die
anderen Badegäste während des Trainings der Vereine im
Schwimmerbecken auf vier oder sogar drei Bahnen eingeschränkt
würden. „Konflikte sind vorprogrammiert, weil das Becken
dann zu klein wird", befürchten die Verfasser und kritisieren:
„Vor der Ausführung der Planung durch das Architekturbüro
Romstätter gab es keine Bedarfsanalyse, die die tatsächlichen
Erfordernisse erkundet hätte. Ein Becken mit fünf Bahnen
wird nicht ausreichen."
„Sechs Bahnen!"
Die Empfehlung der Verfasser lautet deshalb: Sechs Bahnen! Mit
sechs Bahnen würde das Becken seine Funktionalität als
Schwimmerbecken behalten, wo gleichzeitig Schwimmtraining stattfinden
könne. Mit fünf Bahnen würde das Sportbecken diese
Funktion verlieren. Und weiter: „Bedenken Sie, wir hatten
bisher acht Bahnen!"
Eine sechste Bahn würde laut Planer 110.000 Euro mehr kosten.
Dieser Betrag würde sich, auf die Lebenszeit von Edelstahl
(30 bis 50 Jahre) hochgerechnet, auf eine geringe Summe reduzieren.
Auf der anderen Seite würde eine erhöhte Funktionalität
des Freibades mit einem Sportbecken stehen, das seinen Namen verdiente.
Da der Umbau des Freibades erst im September 2008 begonnen wird,
sollte eine Erweiterung auf sechs Bahnen in der Planung noch möglich
sein.
Erforderlich wäre nach Meinung der Briefschreiber ein langfristiges
Denken. So könnten Teile der Attraktionen im Kleinkinderbereich
auch nachträglich erweitert oder geändert werden. Eine
weitere Bahn später anzubauen, sei jedoch fast unmöglich.
„Deshalb muss jetzt gehandelt und die Intention des Bürgerbegehrens,
das die Kraft eines Stadtratsbeschlusses hat, umgesetzt werden!"
Wärmeres Wasser und sechs Bahnen Wärmeres
Wasser und sechs Schwimmbahnen - dann wäre die Freilassinger
Schwimmbadwelt wieder in Ordnung, meinen die Verfasser des Briefes.
Sie fassen ihre Argumente wie folgt zusammen:
„Wir denken, dass mit diesen Argumenten eine Beibehaltung
der Temperaturen von 24 und 26 Grad und eine Reduzierung auf mindestens
sechs Bahnen möglich ist. Denn dann stimmt wieder Vieles überein:
Ein wichtiger Teil unserer Badegäste, unser Klientel ist zufrieden,
die bisherige Werbung eines beheizten Freibades stimmt, die zukünftig
relativ geringen Heizkosten machen es ökonomisch möglich,
dass Freilassing kein Kalt-Bad wird, sondern die üblichen Temperaturen
von beheizten Freibädern wie in Ainring und Salzburg hat. Und
die Schwimmvereine können wieder trainieren. Dies alles definiert
die jetzige Funktionalität und Ausdehnung unseres Freibades.
Dies war Ausgangspunkt der Sanierung unseres Freibades für
Familien, Kinder, Eltern und Großeltern (Zitat von Bürgermeister
Flatscher vom 11. Februar 2008)." |
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| Initiiert wurde der offene Brief von
den Initiatoren des Bürgerbegehrens zum Freibad. Unterzeichnet
haben ihn „viele Schwimmerinnen und Schwimmer und Badegäste",
wie es im Schreiben heißt. Man sei „sehr besorgt darüber,
wie sich die Beschlussfassung um die Sanierung des Freibades entwickelt
hat." Durch das Schreiben sollten den Kommunalpolitikern die
Punkte um die Hauptthemen „Wassertemperatur" und „Anzahl
der Schwimmbahnen" in Erinnerung gerufen werden.
Der Bürgerarbeitskreis Freibad Freilassing, kurz „BaFF",
sei gleich nach dem Bürgerbegehren gegründet worden. Nicht
nur um Vorschläge für die Sanierung zu sammeln, sondern
auch, „um den Geist des Bürgerbegehrens bis zur Vollendung
des Sanierungsprojekts vor Missachtung und Fehlentwicklungen zu
schützen". Und weiter: „Es ist uns jetzt klar geworden,
dass es tatsächlich zu Missachtungen der Intention des Bürgerbegehrens
gekommen ist," Denn im erfolgreichen Bürgerbegehren vom
29. April 2007 habe es geheißen: „Sind Sie dafür,
dass unser bisheriges Freibad erneuert wird und nicht durch ein
Naturbad (Kleinbadeteich) ersetzt wird?" Das Abstimmungsergebnis
sei bindend und mit 81 Prozent „Ja"-Stimmen auch sehr
eindeutig.
Interpretationshilfe für den Stadtrat
Im weiteren erläutert der offene Brief den im Bürgerentscheid
überstimmten Kommunalpolitikern nochmals, wie diese die Textstelle
„unser bisheriges Freibad" zu verstehen hätten:
„Der Bürgerentscheid zur Sanierung des Freibades wurde
dahingehend beschlossen, dass das jetzige konventionelle Bad nicht
zum Naturbad umgebaut wird, sondern in seiner jetzigen Ausdehnung
und Funktionalität saniert wird." Deshalb stelle sich
nun die Frage, inwiefern die bisherigen garantierten Wassertemperaturen
und die Anzahl der Bahnen im Sportbecken wichtige Bestandteile des
jetzigen Freibades sind, und ob die vom Stadtrat beschlossenen Änderungen
sich auf den Charakter des Bades auswirken.
Missachtet sehen die Unterzeichner ihr Anliegen, dass die bisherigen
Wassertemperaturen beibehalten werden. So habe die Stadt der Lippe-Energie-Agentur
zur Erstellung einer Kurz-studie 22 Grad für das Schwimmerbecken
und 26 Grad im Nichtschwimmerbecken vorgegeben. Dabei führte
doch der ehemalige Bademeister Willi Huber in einem Leserbrief Temperaturen
von 24 Grad im Schwimmerbecken und 28 Grad im Nichtschwimmerbecken
an. Das Bürgerbegehren wiederum sei von 24 Grad im Schwimmerbecken
und 27 Grad im Nicht-schwimmerbecken ausgegangen. Das sei auch auf
den Plakaten zu lesen gewesen.
Nachbarbäder: Überall ist das Wasser wärmer
Die Initiatoren des Schreibens haben die Temperaturen der benachbarten
Freibäder abgefragt. So ist das Wasser in Ainring in beiden
Becken 25 Grad warm, im Sportbecken mindestens 23 Grad. 24 Grad
Wassertemperatur herrschen in den Freibädern Leopoldskron,
an der Salzburger Alpenstraße und im Volksgartenbad, garantierte
Mindest-temperatur ist dort 23 Grad. Und in 25 Grad warmem Wasser
können die Badbesucher in Bergheim planschen. Dort beträgt
die Mindesttemperatur ebenfalls 23 Grad. |
Um einen Kompromiss zu finden, habe
der BaFF in seiner Stellungnahme vom 3. März 24 Grad im Sport-becken
und 26 Grad im Nicht-schwimmerbecken vorgeschlagen. Anzumerken sei
an dieser Stelle, dass die Wassertemperatur im Nichtschwimmer-becken
von 28 Grad im Freilassinger Freibad dazu führe, dass sich
Familien dort besonders wohl fühlen. Das habe auch die Werbung
der Stadt aufgegriffen. Dort heiße es: „Freibad Brodhausen:
Das Freibad Brodhausen ist eine Badeoase für Eltern und Rinder,
die beheizte Becken bevorzugen."
Deshalb gehen die Verfasser des Briefes davon aus, dass garantierte
warme Wasser-temperaturen bisher ein wichtiger Vorteil für
das Freibad gewesen seien. Mit wechselwarmen Wassertemperaturen
und einer Mindesttemperatur von nur 22 Grad im Hauptbecken würde
dieser Vorteil verloren gehen.
Die Briefeschreiber führen weiter aus, dass die „Stammschwimmer",
das seien überwiegend ältere Menschen, eine höhere
Wassertemperatur und frische Luft als wesentliche Voraussetzungen
betrachten: „Sie werden ihre Saisonkarte woanders kaufen,
falls die Wasser-temperaturen niedriger werden, als sie jetzt sind.
Sie werden in ein anderes Freibad gehen, keineswegs ins Hallenbad."
Was den Besuch von Schulklassen betrifft, so würden diese
ins Freibad kommen, weil sie Sportunterricht hätten. „Das
Sportbecken war in den letzen Jahren schon kalt genug für sie.
Sie haben sich immer nachher im Nichtschwimmerbecken aufwärmen
müssen. Das Bild bibbernder Schulkinder mit blauen Lippen ist
nicht das, was sich die Eltern unter Schulsport im beheizten, famlienfreundlichen
Freibad Freilassing vorstellen. Wenn keine warmen Stütztemperaturen
garantiert sind, dann ist zu befürchten, dass sie in Zukunft
gleich woanders schwimmen gehen müssen."
Und was die Abteilung Schwimmen im TSV Freilassing angehe: Kinder
und Jugendliche dürften nicht trainieren, wenn das Wasser kälter
als 24 Grad sei. Das seien keine „Komfortansprüche",
sondern schlicht die Voraussetzungen des Schwimmsports, um Unterkühlung
zu vermeiden. Der TSV habe deshalb in den vergangenen Jahren immer
wieder um eine Wasser-temperatur von 24 Grad im Sportbecken gebeten.
„Auf die Sanierung des Freibads haben sie sich gefreut und
erwartet, dass das Schwimmerbecken wieder wie früher auf 24
Grad beheizt wird." Sollten die Freilassing Schwimmer nun etwa
nach Ainring geschickt werden?, fragen die Verfasser.
Ihre Schlussfolgerung: „Die Vielfalt an Zwecken, die unser
beheiztes kommunales Freibad für sein Klientel erfüllt,
ist auch die Vielfalt seiner gesellschaftlichen Funktion: Gesundheit,
Erholung und Sport.
Wenn das Freibad keine warmen Wasser-temperaturen garantieren kann,
ist absehbar, dass unsere treuen Badegäste nach Ainring abwandern,
wo das Wasser garantiert warm ist."
Geringe Mehrkosten
Temperaturen von 24 Grad im Sportbecken und 26 Grad im Nichtschwimmerbecken,
beheizt mit Solarabsorber und einer mobilen Hackschnitzelheizung,
würden nach einer Berechnung von Ingenieur Wach etwa 9.000
Euro mehr im Jahr kosten. |