Freilassinger Anzeiger vom 30. August 2008
Platte Aussagen
Leserbrief von Hermann Schubotz
  Zum Bericht „Energiemix und Dämmung Gebot der Stunde“ vom 19.August.

Der bayerische Umweltminister Dr. Bernhard besucht unsere Region und favorisiert den Energiemix, spricht sich aber gegen die Nutzung der Windkraft aus und meint „die Windräder passen bei uns nicht hin“. Mit diesem unqualifizierten Totschlag Argument kann man sich nun wirklich gegen alles wenden, was einem aus irgendeinem unbekannte Grunde nicht in den Kram passt. Es kann genauso gegen Atomkraftwerke, Überlandleitungen und Autobahnen verwendet werden, wie auch gegen nicht-urbayerische Bevölkerung, die nun aber seit Jahrzehnten in Bayern lebt. Auch unser Vertreter im Landtag, Roland Richter sei „kein Freund von Windrädern“, wie der Bericht ihn sprechen lässt. Dagegen erkennen beide, dass gerade das Alpenvorland vom Klimawandel besonders betroffen sein wird, und mockieren sich über das „rührende Abdecken von Gletschern gegen das Abschmelzen“ und nennen als Ziele in punkto Energie, Energie sparen, Energieeffizienz, Grundlastversorgung und Klimaschutz. Der Begriff „erneuerbare Energien“ kommt ihnen leider nicht über die Lippen, obwohl Herr Richter sich schon seit zwanzig Jahren damit beschäftigt und sie anscheinend nur auf die Nutzung der Wasserkraft reduziert.

Aber meine Herren, schauen Sie sich in der Wirklichkeit um. Die von Ihnen favorisierten alten Energieformen gehen unweigerlich in wenigen Jahrzehnten zu Ende und sind schon heute kaum noch zu bezahlen. Deshalb ist es dringend notwendig, dass energische Anstrengungen auf eine sofortige Umstellung der gesamten Energiegewinnung aus allen solaren Energieformen konzentriert werden. Und dazu gehören nun einmal im Energiemix die Gewinnung von Wärme aus Solaranlagen, Geothermie und Biomasse und Strom aus Photovoltaik Anlagen und Wasserkraft, und auch aus Windkraftwerken. Denn auch in Bayern weht genügend Wind, der umweltfreundlich geerntet werden kann. Die Bewohner unserer Region machen es der Staatsregierung vor, denn auf immer mehr Bürgerhäusern sieht man Solaranlagen glänzen, die den Energiebedarf des Hauses aus der kostenlosen Sonnenenergie decken, während kommunale und staatseigende Dächer weitgehend ungenutzt in der Sonne herumliegen.

Die Technologien der Nutzung erneuerbarer Energien sind ausgereift und werden in zunehmenden Maße eingesetzt, allein über 12% des Strombedarfes werden bereits jetzt aus erneuerbaren Energien gedeckt, mit stark steigender Tendenz und positiven Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft für die Region.

Da sind so platte Aussagen „die passen bei uns nicht hin“ wenig hilfreich, sondern wirken eher kontraproduktiv auf die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, eine nachhaltige und bezahlbare Energieversorgung für die Zukunft und die Zukunft unserer Kinder aufzubauen. Man muss auch kein „Freund“ oder „Feind“ von alten oder neuen Energieformen sein, sondern die Umstellung der Energieversorgung ist eine energiepolitische Notwendigkeit von höchster Dringlichkeitsstufe, die nicht von heute auf morgen zu bewältigen ist. Die alten Energien gehen zu Ende, werden immer teurer und treiben den Klimawandel voran. Die so genannten „alternativen Energien“ sind die originalen Energien, die Sonne wird noch Milliarden von Jahren scheinen und uns ihre kostenlose Energie schenken. Deshalb sollten wir alle, Bürger, Landtag und Minister an einem Strang ziehen und die Energiewende vorantreiben. Da passen flache Aussagen und Leerformeln bei uns nun wirklich nicht hin.

Hermann Schubotz, Freilassing