Südostbayerische Rundschau vom 22. Oktober 2007
Grosser Widerstand gegen Wasserkraftwerk
Geplante energetischenutzung am Luitpoldwehr ruft grosse Ängste hervor - Antragsteller reagieren mit Unverständnis
  Bad Reichenhall (schu) Ein beantragtes Kleinwasser-kraftwerk am Luitpoldwehr bewegt zur Zeit die Gemüter. Eine seltene Allianz aus örtlicher CSU, Fischereiverein und Bund Naturschutz hatte sich vehement gegen das Kraftwerk ausgesprochen. Es war von verletzten Fischen, drohender Überschwemmungen, fehlende Umweltverträglichkeit, Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und Zerstörung der Lebens-bedingungen zahlreicher Tier- und Pflanzenarten die Rede. Nach der Besichtigung des Wasserkraftwerkes Rott in Freilassing im Rahmen der Freilassinger Energietage hatten die Antragsteller Gelegenheit, in einer Gruppe der Besucher ihr geplantes Kraft näher zu erläutern.

Nach der Besichtigung des fünf Megawatt starken Wassekraftwerkes in Freilassing mit moderner Fischtreppe erklärte Elektromeister Franz Wolferstetter, Ehemann der Antragstellerin Irene Wolferstetter, den Zuhörern die Eckdaten des beantragten Kraftwerkes. Das Luitpoldwehr sei das ehemalige Triftwehr der Saline Bad Reichenhall. Beim bestehenden Wehr solle im Wehrkörper an der rechten Seite der Verlandung das Kraftwerk eingebaut werden. Mit einer Leistung von 290 kW könnten über 1,1 Million Kilowattstunden (kWh) umweltfreundlicher Strom im Jahr erzeugt werden, also ein Junior im Vergleich zu dem gerade besichtigen 5 MW Kraftwerk mit 28 Millionen kWh. Mit dieser Menge Strom aus dem Kraftwerk am Luitpoldwehr könnten 315 Haushalte in Bad Reichenhall mit Strom versorgt werden. Um diese gleiche Menge mit Solarstromanlagen zu erzeugen, müssten 80 zusätzliche Photovoltaik-Anlagen zu je 15 kWp, wie die Grösse des Bürgersonnenkraftwerkes in Freilassing, errichtet werden.


Wird am Luitpoldwehr bald die Wasserkraft zur Versorgung Bad Reichenhaller Haushalte in Strom umgewandelt oder scheitert das Projekt an der vereinten Gegenwehr von Fischern, Naturschützern und der Mehrheitsfraktion im Stadtrat ? Foto: Hermann Schubotz
 
 

Im Landkreis gibt es 444 Photovoltaik Anlagen, die 2,7 Millionen kWh erzeugen. Beim geplanten Kraftwerk solle lediglich das bestehende Gefälle der Saalach ohne Schwellbetrieb ausgenützt werden, der Fluss werde weder aufgestaut, noch ändere sich der Stand des Oberwassers oder Unterwassers. Zur Verbesserung der ökologische Situation am Triftwehr sei der Bau eines naturnahen "Raugerinne Beckenpass" geplant. In dieser hintereinander geschalteten Reihe von 30 Einzelbecken je sechs Quadratmeter soll mit einer Wassermenge von 400 Liter per Sekunde eine Durchgängigkeit in Form einer Fischtreppe für Fische und andere Flussbewohner hergestellt werden.

Die Antragsteller können es nicht nachvollziehen, wenn die Bundesregierung sich für den Ausbau der Erneuerbaren Energien um 20 Prozent bis zum Jahr 2020 einsetzt unter gleichzeitiger Reduzierung der CO2-Emissionen um 20 Prozent, aber konkrete Projekte zur Erreichung dieser Ziele vor Ort laufend auf Widerstände stossen würden. Wenn wenigstens die Nein-Sager zur Nutzung der Wasserkraft eine Alternative zum Ersatz der fossilen Energien nennen würden, so käme man sicher ins Gespräch und könne einen Kompromiss finden. Mit der Verbreitung von haarsträubenden Geschichten sei der Diskussion um erneuerbare Energien allerdings nicht gedient, meinte etwas konsterniert Franz Wolferstetter. -schu-

 

Ästhetik oder energetische Nutzung am Luitpoldwehr
Kontroverse um die Nutzung der Wasserkraft in Bad Reichenhall
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