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Traunstein (ga). Vor dem Hintergrund
der Energieknappheit will der Landkreis Traunstein Sonne, Wind und
Wasser, die unbegrenzt vor der Haustür zur Verfügung stehen,
künftig mehr nutzen und damit dem aktuellem Brennpunkt-Thema,
dem Klimaschutz, Folge leisten. Bis 2020 soll die Stromversorgung
des Landkreises zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien bestritten
werden. |
Weiteres zentrales Handlungsfeld ist
die Reduzierung des Energieverbrauchs. Vielfältige Einsparmöglichkeiten
bieten sich für Hauseigentümer an, beispielsweise Wärmedämmung
an den Gebäuden, Wärmerück-gewinnung, Nutzung von
Sonnenenergie oder Wärmepumpen. Um mit gutem Beispiel voranzugehen,
sucht die Arbeitsgruppe „Gebäudemanagement" nachhaltige
Lösungsmöglichkeiten für die KreisGebäude.
In der Sitzung äußerten sich kompetente Referenten zu
den verschiedenen Bereichen. Darunter war der Vorsitzende der Vereinigung
Wasserkraftwerke in Bayern, Anton Zeller. Er erklärte, es sei
notwendig, die vielen stillgelegten Wasserräder zu reaktivieren,
um die Wasserkraft im Landkreis verstärkt zu nutzen. Es könnten
so mehrere Millionen Kilowattstunden gewonnen werden. Durch die
Ertüchtigung vorhandener Kraftwerke könnte im Durchschnitt
eine Steigerung von 30 Prozent erzielt werden, und dies bei gleichzeitiger
Verbesserung der Ökologie, wie es im novellierten Erneuerbaren
Energie Gesetz (EEG) vorgesehen sei.
Auch Ökologie verbessert
Am Beispiel des neuen Wasserkraftwerks bei der Talmühle in
Traunwalchen, das 2001 in Betrieb ging, erklärte Zeller, dass
hier die Leistung um über 30 Prozent gesteigert werden konnte.
Weiter regte er an, die bestehenden und flussbaulich notwendigen
Schutzwehre energetisch zu nutzen. Dass die Wehre auch in Trockenperioden
eine wichtige Funktion haben, weil sie das Wasser langsamer abfließen
lassen und größere Wasserflächen bilden, habe sich
besonders in der niederschlagsarmen Zeit gezeigt. In Flussläufen
ohne Wehre, in denen das Wasser ungebremst abgelaufen sei, seien
unzählige Fische und Kleinlebewesen verendet. |
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Gestern wurde in einer gemeinsamen Sitzung von Kreis-entwicklungs-
und Umweltausschuss das von langer Hand erarbeitete Konzept präsentiert.
Laut einstimmigem Beschluss sollen die Spielräume für
erneuerbare Energien konsequent weiter genutzt werden, um mittel-
und langfristig deren Anteil im Energiemix zu steigern. Im Detail
ist ein Umsetzungskonzept zu entwickeln, in dem der Energieeinsparung
eine gleichwertige Rolle zukommt.
Die Schwerpunkte für den Landkreis liegen in den Land-kreisgebäuden,
in der intensiven Beratung der Bürgerinnen und Bürger
sowie in der Entwicklung von Modellkonzepten. Der Arbeitskreis „Siedlungstätigkeit,
Energie und Umwelt", der sich mit dieser Thematik bereits seit
2003 befasst, hat sich intensive Gedanken zum Klimaschutz gemacht
und Ideen eingebracht, die in der Sitzung vorgestellt wurden.
Eine „Zwischenstudie"
Wie Landrat Hermann Steinmaßl betonte, habe der Landkreis
mit der Erstellung dieses Konzeptes eine Vorreiterrolleübernommen.
Das Konzept gibt einen Überblick über die verschiedenen
erneuerbaren Energieformen und Möglichkeiten, hauptsächlich
im Strombereich. Es erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit,
sondern stelle eine Zwischenstudie im dynamischen energetischen
Prozess dar, so Steinmaßl.
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Foto: Wasserkraftwerk Talmühle
Die Wasserkraft soll zum ehrgeizigen Ziel einer 100prozentigen Versorgung
des Landkreises Traunstein mit Strom aus erneuerbaren Energien einen
Beitrag leisten. Ein Beispiel ist das Kraftwerk bei der Talmühle
in Traunwalchen, dessen Leistung nach dem Umbau 2001 um über
30 Prozent gesteigert werden konnte. Foto: ga
Potenziale sind vorhanden
Die wesentlichen Erkenntnisse über Möglichkeiten und
Potenziale stellte Hans Zott vom Landratsamt vor. Im Landkreis wird
bereits heute rund die Hälfte des Gesamtstrombedarfs von jährlich
rund 600 Millionen Kilowattstunden aus erneuerbaren Energien (315
Millionen Kilowattstunden) gedeckt. Laut Schätzungen könnte
aus erneuerbaren Energien in einem absehbaren Zeithorizont noch
ein Anteil von rund 296 Millionen Kilowattstunden pro Jahr zusätzlich
genutzt werden. Das würde bedeuten, dass die gesamte Versorgung
aus erneuerbaren Energien möglich wäre.
Weiter hieß es, dass allein die rund 130 Wasserkraftwerke im
Landkreis einen jährlichen Beitrag von rund 270 Millionen Kilowattstunden
beisteuern. Bei der Wasserkraft wäre unter Einbeziehung der Salzach
eine Steigerung um über 100, bei der Biomasse um 60, bei der
Photovoltaik um 95 und bei der Windenergie um 29 Millionen Kilowattstunden
möglich. Inwieweit es gelingen wird, den Anteil der erneuerbaren
Energien zu erhöhen, hänge von der Bereitschaft der Betroffenen
und deren finanziellen Möglichkeiten ab.
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