Südostbayerische Rundschau vom 4. Mai 2007
Strom komplett aus erneuerbaren Energien
Ehrgeiziges Ziel im Energiekonzept des Landkreises - Bürger sollen intensiv beraten werden - „Salzach einbeziehen"
  Traunstein (ga). Vor dem Hintergrund der Energieknappheit will der Landkreis Traunstein Sonne, Wind und Wasser, die unbegrenzt vor der Haustür zur Verfügung stehen, künftig mehr nutzen und damit dem aktuellem Brennpunkt-Thema, dem Klimaschutz, Folge leisten. Bis 2020 soll die Stromversorgung des Landkreises zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien bestritten werden.

Weiteres zentrales Handlungsfeld ist die Reduzierung des Energieverbrauchs. Vielfältige Einsparmöglichkeiten bieten sich für Hauseigentümer an, beispielsweise Wärmedämmung an den Gebäuden, Wärmerück-gewinnung, Nutzung von Sonnenenergie oder Wärmepumpen. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, sucht die Arbeitsgruppe „Gebäudemanagement" nachhaltige Lösungsmöglichkeiten für die KreisGebäude.

In der Sitzung äußerten sich kompetente Referenten zu den verschiedenen Bereichen. Darunter war der Vorsitzende der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern, Anton Zeller. Er erklärte, es sei notwendig, die vielen stillgelegten Wasserräder zu reaktivieren, um die Wasserkraft im Landkreis verstärkt zu nutzen. Es könnten so mehrere Millionen Kilowattstunden gewonnen werden. Durch die Ertüchtigung vorhandener Kraftwerke könnte im Durchschnitt eine Steigerung von 30 Prozent erzielt werden, und dies bei gleichzeitiger Verbesserung der Ökologie, wie es im novellierten Erneuerbaren Energie Gesetz (EEG) vorgesehen sei.

Auch Ökologie verbessert

Am Beispiel des neuen Wasserkraftwerks bei der Talmühle in Traunwalchen, das 2001 in Betrieb ging, erklärte Zeller, dass hier die Leistung um über 30 Prozent gesteigert werden konnte. Weiter regte er an, die bestehenden und flussbaulich notwendigen Schutzwehre energetisch zu nutzen. Dass die Wehre auch in Trockenperioden eine wichtige Funktion haben, weil sie das Wasser langsamer abfließen lassen und größere Wasserflächen bilden, habe sich besonders in der niederschlagsarmen Zeit gezeigt. In Flussläufen ohne Wehre, in denen das Wasser ungebremst abgelaufen sei, seien unzählige Fische und Kleinlebewesen verendet.

 
 

Gestern wurde in einer gemeinsamen Sitzung von Kreis-entwicklungs- und Umweltausschuss das von langer Hand erarbeitete Konzept präsentiert. Laut einstimmigem Beschluss sollen die Spielräume für erneuerbare Energien konsequent weiter genutzt werden, um mittel- und langfristig deren Anteil im Energiemix zu steigern. Im Detail ist ein Umsetzungskonzept zu entwickeln, in dem der Energieeinsparung eine gleichwertige Rolle zukommt.

Die Schwerpunkte für den Landkreis liegen in den Land-kreisgebäuden, in der intensiven Beratung der Bürgerinnen und Bürger sowie in der Entwicklung von Modellkonzepten. Der Arbeitskreis „Siedlungstätigkeit, Energie und Umwelt", der sich mit dieser Thematik bereits seit 2003 befasst, hat sich intensive Gedanken zum Klimaschutz gemacht und Ideen eingebracht, die in der Sitzung vorgestellt wurden.

Eine „Zwischenstudie"

Wie Landrat Hermann Steinmaßl betonte, habe der Landkreis mit der Erstellung dieses Konzeptes eine Vorreiterrolleübernommen.

Das Konzept gibt einen Überblick über die verschiedenen erneuerbaren Energieformen und Möglichkeiten, hauptsächlich im Strombereich. Es erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern stelle eine Zwischenstudie im dynamischen energetischen Prozess dar, so Steinmaßl.

Foto: Wasserkraftwerk Talmühle
Die Wasserkraft soll zum ehrgeizigen Ziel einer 100prozentigen Versorgung des Landkreises Traunstein mit Strom aus erneuerbaren Energien einen Beitrag leisten. Ein Beispiel ist das Kraftwerk bei der Talmühle in Traunwalchen, dessen Leistung nach dem Umbau 2001 um über 30 Prozent gesteigert werden konnte. Foto: ga

Potenziale sind vorhanden

Die wesentlichen Erkenntnisse über Möglichkeiten und Potenziale stellte Hans Zott vom Landratsamt vor. Im Landkreis wird bereits heute rund die Hälfte des Gesamtstrombedarfs von jährlich rund 600 Millionen Kilowattstunden aus erneuerbaren Energien (315 Millionen Kilowattstunden) gedeckt. Laut Schätzungen könnte aus erneuerbaren Energien in einem absehbaren Zeithorizont noch ein Anteil von rund 296 Millionen Kilowattstunden pro Jahr zusätzlich genutzt werden. Das würde bedeuten, dass die gesamte Versorgung aus erneuerbaren Energien möglich wäre.

Weiter hieß es, dass allein die rund 130 Wasserkraftwerke im Landkreis einen jährlichen Beitrag von rund 270 Millionen Kilowattstunden beisteuern. Bei der Wasserkraft wäre unter Einbeziehung der Salzach eine Steigerung um über 100, bei der Biomasse um 60, bei der Photovoltaik um 95 und bei der Windenergie um 29 Millionen Kilowattstunden möglich. Inwieweit es gelingen wird, den Anteil der erneuerbaren Energien zu erhöhen, hänge von der Bereitschaft der Betroffenen und deren finanziellen Möglichkeiten ab.
 

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