Freilassinger Anzeiger vom 29. Oktober 2007
Kraftwerk Rott beliefert Freilassing mit Strom
Energiearbeitskreis besichtigt mit 40 Interessierten Wasserkraftwerk an der Grenzbrücke
 
Bei Hochwasser wie Anfang September nach dem tagelangen Regen werden die drei Wehrfelder des Wasserkraftwerkes Freilassing geöffnet, um die Wassermengen ablaufen zu lassen, die nicht mehr durch die beiden Turbinen fliessen und damit energetisch genutzt werden können. Fotos :Hermann Schubotz

Schliesslich stand noch ein Besuch in den Tiefen des Kraftwerkes an, wo bei hoher Geräuschkulisse die beiden Kaplan-Turbinen besichtigt wurden. Abgerundet wurde der Informationsbesuch mit einer offenen Gesprächsrunde über das Erlebte. (Neben der Weitergabe des Geschiebes dient das Saalach Kraftwerk auch als Stützkraftwerk für die weiter flußaufwärts querende Eisenbahnbrücke und zur Steuerung der Wassermassen bei Hochwasser.)

(Wieder im Freien unter der Nachmittagssonne standen die Besucher herum und diskutierten über das Erlebte. Ein junges Paar sagte, ihnen haben die Führung sehr gut gefallen und sie freuten sich, dass der Arbeitskreis diese Führung der Bevölkerung ermöglicht habe. Sie seien beeindruckt, welch grosser Aufwand betrieben werden müsse, um den für den Haushalt und die Lebensqualität benötigten Strom zu erzeugen. Sie seien nun um so mehr motiviert, noch weiter die Edelenergie Strom zu sparen, obwohl sie bereits ein ausgeprägtes Energiebewußtsein hätten. Sehr viel Stromenergie werde beim Stand-by, beim PC und bei anderen Haushaltsgeräten vergeudet, deshalb solle sich jeder Stromverbraucher bewußt werden, wie aufwändig Strom hergestellt werden muss.

Ein weiterer Zuhörer witzelte, er wußte immer, dass der Strom aus der Steckdose kommt, aber nun weiss er, wie und woher der Strom in die Steckdose fliesst.

Auf die Frage eines Zuhörers, ob der Stausee vor dem Kraftwerke nicht als grenzüberschreitendes Naturbad, wie in Freilassing kürzlich heiß diskutiert, nutzbar gemacht werden könne, antwortete der Betriebswärter Johannes Königsdörfer, dass selbst einem abgehärteten Naturbad Freund eine Temperatur von 12 bis 16 Grad auf Dauer zu kalt sein werde, denn die Saalach sein ein Gebirgsfluss und führe das kalte, aber nährstoffreiche und fischfreundliche Wasser aus dem Gebirge der Alpen ab.

Eine weitere Gruppe diskutierte über das beantragte Kraftwerk an der Luitpoldbrücke in Bad Reichenhall, über dessen Rahmenbedingungen wir in einem weiteren Bericht informieren werden. -schu- )



Durch diese Turbinen im Wasserkraftwerk Rott-Freilassing fliessen 30 Kubikmeter Wasser je Sekunde, erzeugen Strom und verursachen dabei einen Höllenlärm. Der Wasserstrom fliesst in das Bayerische Versorgungsnetz und wird nach dem Gesetz zum Vorrang erneuerbarer Energien (EEG) vergütet.
 
 

Freilassing (schu). Freilassinger Bürger wollten wissen, woher ihr Strom kommt. Im Rahmen der Freilassinger Energietage wurde auch das Wasserkraftwerk an der Grenzbrücke zu Salzburg besichtigt, das nahezu den gesamten Strombedarf für die Freilassinger Haushalte erzeugt. Über eine Fischtreppe können die Flussbewohner das Hindernis umgehen. Mit drei Wehren und zwei Grossturbinen wird die Kraft der Saalach gebändigt und energetisch genutzt. Viele der über 40 Besucher waren beeindruckt, welcher Aufwand betrieben werden muss, und eine Kleinstadt mit der benötigen Edelenergie Strom zu versorgen.

Eingeladen hatte der Agenda21 Arbeitskreis Energie und Wirtschaft, um im Rahmen der Freilassinger Energietage die heimischen Kraftwerke kennen zu lernen. In seinen einleitenden Worten erklärte der Organisator und Vorsitzende des Arbeitskreis Hermann Schubotz den Zuhörern, dass es Ziel und Aufgabe des Agenda21 Arbeitskreises sei, die Bevölkerung mit Vorträgen und Besichtigungen über Energie zu informieren, (damit sie sich mehr mit dem Thema Energie beschäftigten, wo komme Energie her, wie werde sie erzeugt, und was koste sie etc. In diesem Zusammenhang sei auch der Beitrag eines jeden Energieverbrauchers zum weltweiten Treibhauseffekt und damit zum Klimawandel zu erwähnen. Um die drohende Klimakatastrophe zumindest abzumildern, müsse der Energieverbrauch und damit die Kohlendioxid Emissionen (CO2) drastisch auf die Hälfte reduziert werden. Dies könne aber nur derjenige bewußtseinsmäßig umsetzen, der über die verschiedenen Energieformen, sein eigenes Verbraucherverhalten und die Auswirkungen auf die Umwelt Bescheid wisse. Dies habe sich also der Energie- Arbeitskreis zur Aufgabe gemacht und wolle nun die Freilassinger mit ihrem CO2-freien Kraftwerk vor der Türe bekannt machen.)

Da die Kraftwerksleitung nicht mit so vielen Besuchern gerechnet hatte, wurde ein zweiter Wasserwerker hinzugezogen, um den interessierten Freilassingern, "ihr Kraftwerk" vorzustellen. Die beiden kompetenten Salzburger Betriebswärter Gerhard Ziegelwagner und Johannes Königsdorfer erklärten in zwei Gruppen zunächst, wie die Fischtreppe auf bayerischer Seite funktioniert. Die Saalach ist reich an Fischen, 34 Fischarten kommen in ihr vor. Diese Fischtreppe ist die erste ihrer Art und dient der wissenschaftliche Überprüfung, ob Fischtreppen sinnvoll sind und wie sie von den Flussbewohnern angenommen werden. In einem Zählkorb wird jeden Tag festgestellt, wie viele und welche Fische diesen Kraftwerksübergang für ihre Wanderungen benutzten.

Ein Gang über das Kraftwerk in Richtung Österreich zeigt die drei rund neun Meter breiten geschlossenen Wehrfelder, an denen das Wasser bis zum Rand stand. Die Fallhöhe und damit Unterschied vom Ober- zum Unterwaser beträgt 10 Meter und gibt eine Hinweis auf die nutzbare potenzielle Energie. Das Salzburger Kraftwerk auf Freilassinger Seite der Saalach hat eine Leistung von 5.000 kW (Kilowatt) und produziert 28 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom im Jahr. Damit können fast alle Freilassinger Haushalte mit umweltfreundlichen und sauberem Wasserstrom versorgt werden.

Der Bau des Kraftwerks wurde in der Rekordzeit von gut zwei Jahren zeitgleich mit dem Bau der neuen Grenzbrücke durchgezogen und hat rund 20 Millionen Euro gekostet, wie der Betriebswärter den Zuhörern erklärte. Wenn mehr als die maximale Menge durch die Turbinen läuft, werden eines oder weitere der Wehrfelder geöffnet, über die die bei Hochwasser anfallenden Wassermengen ablaufen können. Bei dieser Gelegenheit werden auch die Wehrfelder unten geöffnet, um die angesammelten Schotterberge durchrauschen zu lassen, denn jeder Fluss braucht sein Geschiebe, um sich nicht weiter in die Sohle einzugraben.

 

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