Freilassinger Anzeiger vom 02. Oktober 2007
Gegen Kraftwerk an der Luitpoldbrücke
Bezirksfischereiverein, Bund Naturschutz und CSU-Fraktion sind sich einig
 

BAD REICHENHALL - Eine Allianz gegen ein Kraftwerk bei der Luitpoldbrücke haben Bezirks-fischereiverein Saalachtal, die CSU-Stadtratsfraktion Bad Reichenhall und Bund Naturschutz geschmiedet. Das geht aus einer Pressemitteilung der CSU über einen gemeinsamen Lokaltermin auf der Luitpoldbrücke hervor. Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner wies allerdings darauf hin, dass die Stadt Bad Reichenhall zum jetzigen Verfahrensstand lediglich Anhörungs-beteiligte ist.

Der Vorsitzende des Bezirksfischerei-vereins Saalachtal, Michael Dorrer, hatte eingeladen, um eine Vielzahl von Bedenken gegen die geplante Maßnahme vorzubringen. Für den Fischbestand in der Saalach habe das Kraftwerk fatale Folgen, so Dorrer und nannte als Auswirkungen der Turbinen: Flussauf -wärts schwimmende Fische im Laichzug würden im Unterwasser gegen den Turbinen-strahl anschwimmen und dabei ihre Kraft vergeuden. Sie wären danach für den Laichakt zu geschwächt oder würden an Entkräftung verenden.

Noch schlimmer seien die Auswirkungen für die flussabwärts schwimmenden Fische. Beim Durchschwimmen der Turbine seien Verletzungen unvermeidlich, dazu kämen Probleme mit Druckschwankungen sowie teilweise ebenfalls tödliche Auswirkungen von Desorientierung. Des Weiteren seien zwischen dem bereits bestehenden Kraftwerk und der geplanten Anlage Aufstauungen unumgänglich, wodurch für Fließ-gewässer typische Lebensräume verloren gingen. Besonders betroffen seien bedrohte Arten wie Äsche, Huchen und Mühlkoppe.

„Weiterhin sind Überschwemmungen mit einer Gefährdung der Augebiete und des Fahrradweges beziehungsweise der Straße kaum zu vermeiden", so der Vorsitzende des Fischereivereins. Darüber hinaus würde sich in diesen Staubereichen das Wasser schneller erwärmen, wodurch erneut Nachteile für die Fischfauna entstünden.


Karl Dörfler, Erich Prechtl, Dr. Herbert Lackner, Stefan Kantsperger, Michael Dorrer und Sebastian Renoth (von links) sind sich einig.
 
 

Für den Bund Naturschutz erklärte Erich Prechtl die ablehnende Haltung seiner Organisation. Neben einer ganzen Reihe von verfahrensrechtlichen Einwänden, wobei unter anderem die volkswirtschaftliche Bedeutung der CO2-Vermeidung bei Kleinkraftwerken in Zweifel gezogen wird, geht es dem BUND vorwiegend um naturschutzrechtliche und naturschutz-fachliche Bedenken.

Der Gewässerabschnitt zwischen Kibling und der Mündung des Kanals habe sich zu einem „naturnahen Lebensraum mit Wildflusscharakter" entwickelt. Der Bau eines Kraftwerks würde die Lebensbedingungen für die im Gewässer vorkommenden Organismen entscheidend verschlechtern. Prechtl vermisst bei den Planungen die Beurteilung der Umwelt-verträglichkeit und die Auswirkungen auf das Landschaftbild. Ebenso wie Michael Dorrer bezweifelte auch er, dass die für den Kraftwerksbetrieb vorgesehene Mindestwasser-menge von sechs Kubikmetern pro Sekunde erreicht werde. Beim bereits bestehenden Restwasserkraftwerk am Saalachsee würden bisher nur vier Kubikmeter pro Sekunde angesetzt.

Abschließend baten Michael Dorrer und Erich Prechtl die CSU-Vertreter, sich deutlich gegen die geplante Maßnahme auszusprechen.

Dies müsse frühzeitig erfolgen, um die Zerstörung der Lebensbedingungen zahlreicher Tier- und Pflanzenarten sowie des Landschaftsbildes zu verhindern. Schließlich verwiesen beide Interessenvertreter auf die 2001 unterzeichnete Saalachresolution, in der sich neben allen Anlieger-Bürgermeistern auch die Stadt Bad Reichenhall dem besonderen Schutz dieses Flusses verpflichtet habe.

Sowohl bei Oberbürgermeister Dr. Lackner als auch bei den Repräsentanten der CSU Stadtratsfraktion stießen die warnenden Worte Dorrers und Prechtls auf offene Ohren. Es wurde schnell deutlich, dass alles unternommen werden müsse, um den für Bürger und Gäste gleichermaßen beeindruckenden Blick von der Luitpoldbrücke zu erhalten. „Ein Kraftwerk an dieser Stelle würde ein einzigartiges Panorama zerstören und zudem noch ungeahnte Auswirkungen für die Natur mit sich bringen", heißt es abschließend in der Mitteilung von Fraktionssprecher Stefan Kanstperger.

 

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