Freilassinger Anzeiger vom 7. April 2007
Klimawandel bedroht Lebensgrundlagen von Milliarden von Menschen
Auch in Deutschland und Europa werden große Schäden erwartet
  Brüssel (dpa) - Der Klimawandel bedroht die Lebensgrundlagen von Milliarden von Menschen. Treffen werde dies vor allem die Ärmsten und Schwächsten. erklärten Fachleute aus 130 Ländern im zweiten Teil des UN-Klimaberichts. Sie verabschiedeten das alarmierende Dokument am Freitag in Brüssel nach zermürbendem und zum Teil nächtelangem Ringen um einzelne Formulierungen. Der Vorsitzende des Weltklimarates, Rajendra K. Pachauri. warnte vor Auswirkungen auf die Landwirtschaft und einem weiteren Ansteigen des Meeresspiegels. Auch in Deutschland und Europa werden große Schäden erwartet.  
 

»Die Folgen werden alle Kontinente zu spüren bekommen«, sagte der stellvertretende Versammlungsleiter, Martin Parry. Allein in den Mündungsdeltas asiatischer Flüsse - wie in Bangladesch - werde der Anstieg des Meeresspiegels eine Milliarden-Bevölkerung treffen. Kleine Inseln und ganze Landstriche könnten von der Landkarte verschwinden. Mindestens ein Fünftel aller Tier- und Pflanzenarten sind den Forschern zufolge vom Aussterben bedroht. Besonders gefährdet seien die Mittelmeerregion, die Pole und Gebiete südlich der Sahara.

Für Deutschland erwartet Professor Wolf-gang Cramer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dass sich Insekten wegen der milderen Temperaturen ausbreiten. Krankheiten wie von Zecken ausgelöste Hirnhautentzündungen nähmen bereits zu. Ostdeutschland müsse sich auf trockenere Sommer und mehr Niederschläge im Winter einstellen. »Das heißt, Dürre und Hochwasserrisiko am selben Ort im selben Jahr«, sagte Cramer, der an dem Report mitgearbeitet hatte.

Regierungsvertreter und Wissenschaftler hatten seit Montag in Brüssel darum gerungen, wie die auf gut 1500 Seiten dargelegten wissenschaftlichen Klima-Erkenntnisse auf eine etwa 20-seitige »Zusammenfassung für politische Entscheider« verkürzt werden können.

Der Report soll die Auswirkungen des Klimawandels auf die einzelnen Regionen der Erde zeigen. Dabei schwächten mehrere Staaten - wie die großen Luftverschmutzer

  • USA,
  • Russland und
  • China sowie
  • Saudi-Arabien -

den Bericht nach Angaben von Verhandlungsteilnehmern noch ab. Pachauri sprach am Freitag dennoch von einem »guten Ergebnis«.

»Fluten, Wirbelstürme, Dürre- und Hitzeperioden werden immer mehr Menschen gefährden«, sagte Parry. Ohnehin schon wasserarme Regionen in Afrika könnten vollends verdorren. »Auch Unterernährung wird zu einem immer größeren Problem.« Letztlich müssten sich Milliarden von Menschen neue Lebensräumc suchen. Krankheitserreger dagegen profitieren von höheren Temperaturen.

Arme Länder seien vom Klimawandel besonders betroffen, da sich die Menschen dort gegen die Folgen nicht schützen könnten, sagte Parry. Die reicheren Staaten müssten diesen Menschen helfen. Sie brauchten Bildung und bessere Einkommen, um ihre Lebensverhältnisse an die neuen Herausforderungen anpassen zu können. Auch der Ausstoß klimaschädlicher Emissionen müsse drastisch reduziert werden.

 
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