Freilassinger Anzeiger vom 3. April 2007
»Deutscher Humor ist wirklich kein Witz«
Bitterböse Gaudi in Afrika: Biermösl Blosn bringt das Alphorn ins Township
 

Johannesburg (dpa/lby) - Mit dem Schuhplattler durch Afrika, mit dem Alphorn ins Township - für Bayerns krawallig-musikalische Botschafter Biermösl Blosn kein Problem. Die Kulttruppe, die jetzt rund 300 Zuhörer im Goethe-Institut Johannesburg begeisterte, hatte gleich zum Auftakt ihrer Afrika-Tournee um Sympathie geworben.

»Please be nice to us Germans, don't call us Krauts ... German humour is really no joke« (Seid freundlich zu uns Deutschen und nennt uns nicht Krauts ... deutscher Humor ist wirklich kein Witz) klang es in breitestem »bavarian english« von der Bühne.

Es sei statistisch erwiesen, dass die Deutschen drei Mal am Tag lachen, meinten die Brüder Hans, Michael und Christoph (Stofferl) Well. Das Lachen blieb vielen Zuhörern jedoch mitunter fast im Halse stecken. Denn das satirische Trio begleitete seine Volksmusik mit scharfzüngigen Texten, die auf Ausländer-feindlichkeit, Heuchelei und Obrigkeitsdenken abzielten. Gleich zur Begrüßung stand eine lange Liste von Gemeinsamkeiten zwischen Bayern und Südafrika, die wortspielerisch auf die politische Farbe der Heimatregierung wie auch der Hautfarbe südafrikanischer Politiker abzielte. »Auch bei uns in Bayern ist "black voting" sehr verbreitet«, meinte etwa Christoph Well, der mit seiner unentwegt rutschenden Lederhose arg beschäftigt war. Wenig später warnten die Brüder die rund 300 Zuhörer musikalisch: »If you're from America -welcome to Bavaria; if you're from Africa - no chance in Bavaria« (solltest Du aus Amerika stammen: willkommen in Bayern; solltest Du aus Afrika sein: keine Chance in Bayern).

Die Biermösl Blosn nahm deutsche Safari-Urlauber in Kenia aufs Korn, die sich beim »Löwenbier im Grand-Hotel« mit einer »super-scharfen schwarzen Mamba» vergnügten, und spürte den Wurzeln des von schwarzen Bergwerksarbeitern kreierten Gumboot-Dance nach - dabei wird rhythmisch gestampft und auf die Seite der Gummistiefel geklatscht.

Nach der Biermösl Blosn-Forschung hatte ein bayerischer Auswanderer nach einem Goldfund einst vor Freude einen Schuhplattler getanzt und so das Fundament dafür gelegt. »Andere wiederum behaupten, er sei entstanden, weil es hier so viele Mücken gibt.«

Die wenigen Afrikaner im Publikum waren sichtlich angetan von der fremden und doch vertrauten Volksmusik. Selbst zu den Klängen von Drehleier oder Hackbrett wiegten sich einige im Takt. Begeisterung kam jedoch beim Einsatz des Alphorns (»Bayerns Antwort auf die Vuvuzela«) - die lärmige Tröte südafrikanischer Fußballfans - auf.

Ein Requiem auf Bruno, den Bär, sollte es begleiten, der viel zu kurz »zu Gast bei Freunden« gewesen sei. Deutsch-lands Südafrika-Botschafter Harro Adt hatte sein Ohr dabei direkt am Geschehen: das gut drei Meter lange Alphorn war viel zu lang für die Frischluft-Bühne und ruhte daher für die Dauer des Geschehens auf diplomatischer Schulter.

 
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