Freilassinger Anzeiger vom 3. Februar 2007
Düstere Aussichten für unseren Heimatplaneten
Klimawandel lässt sich nicht mehr aufhalten - Berlin und Paris für neue UN-Umweltorganisation

Paris/Hamburg (dpa) - Düstere Aussichten für das Weltklima: Ein Temperaturanstieg um bis zu 6,4 Grad und die Erhöhung des Meeresspiegels um mehr als einen halben Meter bis zum Ende des Jahrhunderts.

Das sind die alarmierenden Prognosen des vierten UN-Klimaberichts, der die Verantwortung des Menschen für die globale Erwärmung so deutlich herausstellt wie nie zuvor. »Mit dem nun vorliegenden Bericht sollten letzte Zweifel ausgeräumt sein, dass wir Menschen es sind, die die Klimaschraube überdrehen«, sagte der Klima-Chefberater der Bundesregierung, Hans Joachim Schellnhuber, zu dem am Freitag in Paris veröffentlichten Dokument des UN-Klimarats IPCC.

Der Report des zwischenstaatlichen Ausschusses zum Klimawandel (Intergovernmental Panel on Climate Change; IPCC) präsentiert sechs Szenarien für die Erderwärmung bis zum Jahr 2100. Im besten Fall ist demnach mit einer Temperaturerhöhung von 1,1 bis 2,9 Grad Celsius zu rechnen, im schlimmsten Fall mit 2,4 bis 6,4 Grad. Der Anstieg des Meeres-spiegels beträgt im besten Szenario 18 bis 38 Zentimeter, im schlimmsten 26 bis 59 Zentimeter.

Elf der vergangenen zwölf Jahre seien unter den zwölf wärmsten seit dem Beginn der Aufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts, heißt es in dem Dokument weiter. Demnach steigt die Temperatur in den nächsten zwei Jahrzehnten alle zehn Jahre um 0,2 Grad. Der von 2500 Forschern in sechs Jahren ausgearbeiteten Studie liegen rund 400 Klimasimulationen und hunderte weitere Untersuchungen zu Grunde. Zwischen 1850 - dem Beginn der Aufzeichnungen - und dem Jahr 2005 sei die Temperatur bereits um 0,76 Grad gestiegen.

Angesichts dieser Daten kann es Experten zufolge nur noch darum gehen, die Folgen des Klimawandels abzumildern - aufhalten lässt er sich nicht mehr. Selbst wenn die Konzentration der Treibhausgase im Jahr 2000 auf dem damaligen Stand eingefroren worden wäre, wäre auf einige Zeit ein Temperaturzuwachs von 0,1 Grad Celsius pro Jahrzehnt zu erwarten, hieß es in Paris.

Die verschärften Warnungen vor dem drohenden Klimawandel mit höheren Temperaturen, Dürreperioden und steigendem Meeres-spiegel haben allgemein Bestürzung ausgelöst. »Wir werden nicht völlig ungeschoren davon kommen«, sagte Hans Joachim Schellnhuber, Klimaschutzberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), am Freitag nach Vorlage ernüchternder Prognosen des UN-Klimarates. Selbst wenn der schädliche Treibhausgas-Ausstoß sofort zu stoppen wäre, würde der Meeresspiegel noch 1000 Jahre ansteigen. Nur mit Mühen sei die kritische Grenze einer Erderwärmung um 2 Grad Celsius gerade noch erreichbar.

Mit Blick auf den dramatischen Klimawandel wollen Deutschland und Frankreich die Gründung einer Umweltorganisation der Vereinten Nationen (UNEO) durchsetzen. »Die Zeit für Halbheiten ist vorbei«, sagte der französische Präsident Jacques Chirac. »Der Tag rückt näher, an dem der Klimawandel jeder Kontrolle entgleitet.« Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte Chirac die Unterstützun Berlins zu. Zugleich verlangte er, die schädlichen Treibhausgase EU-weit bis 2020 um 30 Prozent zu verringern, »wenn man eine Erderwärmung unterhalb von zwei Grad halten will«.

Der Direktor des UN-Umweltprogramm UNEP, Achim Steiner, schlug einen Weltklimagipfel der Staats- und Regierungschefs vor. An diesem sollten unter anderen auch US-Präsident George W. Bush und die politischen Führer der Schwellenländer China, Indien und Brasilien teilnehmen. Bei der regulären Weltklimakonferenz auf Bali im Herbst müsse der Grundstein für ein neues Klimaabkommen fü die Zeit nach den im Kyoto-Protokoll für 2012 festgehaltenen Zielen gelegt werden. Mit der Abkommen von Kyoto hatten sich die Industriestaaten - ohne Beteiligung der USA - zu einer Verminderung der Treibhausgasemissionen um fünf Prozent bis 2012 verpflichtet, gemessen am Stand von 1990.

Nach Ansicht der Umweltstiftung WWF lässt sich eine Abmilderung des Klimawandels nur durch schnelles Umlenken in der Energiepolitik und strenge Auflagen für die Industrir erreichen. Als erste Schritte müssten fossil Brennstoffe effizienter genutzt und die Verwendung alternativer Energien mit Hilfe voi Förderprogrammen vorangetrieben werden verlangte WWF-Klimaschutz-expertin Regine Günther.
 

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