| Paris/Hamburg (dpa) - Düstere Aussichten
für das Weltklima: Ein Temperaturanstieg um bis zu 6,4 Grad
und die Erhöhung des Meeresspiegels um mehr als einen halben
Meter bis zum Ende des Jahrhunderts.
Das sind die alarmierenden Prognosen des vierten UN-Klimaberichts,
der die Verantwortung des Menschen für die globale Erwärmung
so deutlich herausstellt wie nie zuvor. »Mit dem nun vorliegenden
Bericht sollten letzte Zweifel ausgeräumt sein, dass wir Menschen
es sind, die die Klimaschraube überdrehen«, sagte der
Klima-Chefberater der Bundesregierung, Hans Joachim Schellnhuber,
zu dem am Freitag in Paris veröffentlichten Dokument des UN-Klimarats
IPCC.
Der Report des zwischenstaatlichen Ausschusses zum Klimawandel
(Intergovernmental Panel on Climate Change; IPCC) präsentiert
sechs Szenarien für die Erderwärmung bis zum Jahr 2100.
Im besten Fall ist demnach mit einer Temperaturerhöhung von
1,1 bis 2,9 Grad Celsius zu rechnen, im schlimmsten Fall mit 2,4
bis 6,4 Grad. Der Anstieg des Meeres-spiegels beträgt im besten
Szenario 18 bis 38 Zentimeter, im schlimmsten 26 bis 59 Zentimeter.
Elf der vergangenen zwölf Jahre seien unter den zwölf
wärmsten seit dem Beginn der Aufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts,
heißt es in dem Dokument weiter. Demnach steigt die Temperatur
in den nächsten zwei Jahrzehnten alle zehn Jahre um 0,2 Grad.
Der von 2500 Forschern in sechs Jahren ausgearbeiteten Studie liegen
rund 400 Klimasimulationen und hunderte weitere Untersuchungen zu
Grunde. Zwischen 1850 - dem Beginn der Aufzeichnungen - und dem
Jahr 2005 sei die Temperatur bereits um 0,76 Grad gestiegen.
Angesichts dieser Daten kann es Experten zufolge nur noch darum
gehen, die Folgen des Klimawandels abzumildern - aufhalten lässt
er sich nicht mehr. Selbst wenn die Konzentration der Treibhausgase
im Jahr 2000 auf dem damaligen Stand eingefroren worden wäre,
wäre auf einige Zeit ein Temperaturzuwachs von 0,1 Grad Celsius
pro Jahrzehnt zu erwarten, hieß es in Paris.
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Die verschärften Warnungen vor dem drohenden Klimawandel
mit höheren Temperaturen, Dürreperioden und steigendem
Meeres-spiegel haben allgemein Bestürzung ausgelöst. »Wir
werden nicht völlig ungeschoren davon kommen«, sagte
Hans Joachim Schellnhuber, Klimaschutzberater von Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU), am Freitag nach Vorlage ernüchternder
Prognosen des UN-Klimarates. Selbst wenn der schädliche Treibhausgas-Ausstoß
sofort zu stoppen wäre, würde der Meeresspiegel noch 1000
Jahre ansteigen. Nur mit Mühen sei die kritische Grenze einer
Erderwärmung um 2 Grad Celsius gerade noch erreichbar.
Mit Blick auf den dramatischen Klimawandel wollen Deutschland
und Frankreich die Gründung einer Umweltorganisation der Vereinten
Nationen (UNEO) durchsetzen. »Die Zeit für Halbheiten
ist vorbei«, sagte der französische Präsident Jacques
Chirac. »Der Tag rückt näher, an dem der Klimawandel
jeder Kontrolle entgleitet.« Bundesumweltminister Sigmar Gabriel
(SPD) sagte Chirac die Unterstützun Berlins zu. Zugleich verlangte
er, die schädlichen Treibhausgase EU-weit bis 2020 um 30 Prozent
zu verringern, »wenn man eine Erderwärmung unterhalb
von zwei Grad halten will«.
Der Direktor des UN-Umweltprogramm UNEP, Achim Steiner, schlug
einen Weltklimagipfel der Staats- und Regierungschefs vor. An diesem
sollten unter anderen auch US-Präsident George W. Bush und
die politischen Führer der Schwellenländer China, Indien
und Brasilien teilnehmen. Bei der regulären Weltklimakonferenz
auf Bali im Herbst müsse der Grundstein für ein neues
Klimaabkommen fü die Zeit nach den im Kyoto-Protokoll für
2012 festgehaltenen Zielen gelegt werden. Mit der Abkommen von Kyoto
hatten sich die Industriestaaten - ohne Beteiligung der USA - zu
einer Verminderung der Treibhausgasemissionen um fünf Prozent
bis 2012 verpflichtet, gemessen am Stand von 1990.
Nach Ansicht der Umweltstiftung WWF lässt sich eine Abmilderung
des Klimawandels nur durch schnelles Umlenken in der Energiepolitik
und strenge Auflagen für die Industrir erreichen. Als erste
Schritte müssten fossil Brennstoffe effizienter genutzt und
die Verwendung alternativer Energien mit Hilfe voi Förderprogrammen
vorangetrieben werden verlangte WWF-Klimaschutz-expertin Regine
Günther.
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