Südostbayerische Rundschau vom 9. Juni 2006
Tiere passen sich dem Klimawandel an
Kleinere Arten verändern ihr Erbgut schneller - Grössere Arten auf Dauer im Bestand bedroht
Washington. Der Klimawandel schlägt sich bereits im Erbgut der Tierwelt nieder. Allerdings sind kleine Arten mit kurzer Lebensspanne meist besser in der Lage, sich genetisch auf die globale Erwärmung einzustellen. Dagegen laufen die großen Tierarten Gefahr, vom Klimawandel überrollt und ausgelöscht zu werden, warnen Evolutionsbiologen der Universität von Oregon. Tiere im Klimawandel
Folge des Klimawandels: Europäische Vögel wie die Mönchsgrasmücke überwintern nicht mehr am Mittehneer, sondern in Groß-britannien. Foto: dpa

Generell seien es nicht wärmeren Temperaturen, die den Tieren das Leben erschwerten, betonen die Biologen, sondern die Verschiebung der Jahreszeiten und dadurch bedingte - Veränderungen in Flora und Fauna.

William Bradshaw und Christina Holzapfel berichten im Fachjournal „Science" (Bd. 312, S. 1477) von heute, dass sich zahlreiche Arten auf kürzere Winter eingestellt haben: Kanadas Eichhörnchen bekommen früher im Jahr Nachwuchs, europäische Vögel wie die Mönchsgrasmücke überwintern nicht mehr am Mittelmeer, sondern in Großbritannien, und Nordamerikas Mücken verhalten sich wie ihre Artgenossen im Süden. Diese neuen Verhaltensweisen werden den Biologen zufolge vererbt und haben eine genetische Basis. Selbst das Erbgut von Fruchtfliegen zeige deutliche Veränderungen.

Je kleiner die Tierart, desto schneller sei in der Regel ihre Umstellung auf das wärmere Klima, schreiben die Autoren unter Verweis auf Studien.

„Bei Moskitos war die (genetische) Adaption nach fünf Jahren sichtbar. Bei den Rothörnchen äußerte sie sich langsam nach zehn Jahren", heißt es in „Science".
Doch der Zusammenhang zwischen Größe und Anpassungsfähigkeit gilt nicht für alle Tierarten: Die europäischen Kohlmeisen täten sich selbst nach 30 Jahren noch schwer mit der Umstellung auf die frühere Verfügbarkeit von Raupen, einer ihrer Haupt-nahrungsquellen. schildern die Forscher. Dieser Vogel „kann mit den veränderten Umweltbedingungen nicht Schritt halten und somit vom Aussterben bedroht sein", folgern Bradshaw und Holzapfel.
Ebenso dürften etliche große Tierarten im Norden auf Grund ihrer Lebensdauer das Rennen gegen die Klima- und Umwelt-veränderungen verlieren. Ihnen droht dann, entweder ausgelöscht oder durch Artgenossen aus dem Süden ersetzt zu wer den.

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