Lokalpresse vom 30.12.2006
Strom von der Sonne und erneuerbare Energien
Leserbrief von Hermann Schubotz
  Leserbrief zum Leserbrief von Joachim Barleben zum Thema Stromkosten vom 29.12.2006  
 

Herr Barleben ist leider in seinen Äusserungen der viel verbreiteten Mär vom teuren Solarstrom aufgesessen. Von den Vertretern der grossen Energieversorger wird immer wieder die völlig unlogische These in propagandaartiger Weise vertreten, Solarstrom würde die für die Erzeugung seiner Module benötigte Energie nie wieder selbst erzeugen können, welch ein Unsinn. Auch Umweltschützer und Solarmodulhersteller können rechnen und wenn diese Formel wahr wäre, würde keiner mehr über Solarstrom reden. Wir reden ja auch nicht vom Mondstrom, auch wenn der Mond in manchen klaren Nächten recht helle leuchtet, so dass man dabei die Zeitung lesen könnte.

Richtig ist dahingegen, dass eine Photovoltaik-Anlage die zu ihrer Erzeugung benötigte Energie in etwa drei Jahren selbst erzeugt und in den restlichen 25 und mehr Jahren zusätzlich umweltfreundlichen Strom ins öffentliche Versorgungsnetz einspeist. Haben Sie einmal diese Rechnung bei einem Kohle- oder Atomkraftwerk gemacht und die Kosten der Abrüstung mit berücksichtigt ? Zumal hier die Primärenergie auch noch teuer aus dem Ausland eingekauft und der giftige Müll entsorgt werden muss, während die Sonnenenergie selbst kostenlos ist, sie kann bei uns zu Hause geerntet werden und hinterläßt keine schädlichen Abfälle.

Richtig haben Sie erkannt, dass eine Photovoltaik-Anlage (Strom aus Licht) aufgrund unseres Sonnen-Erde-Systems die beste Leistung am Tage und im Sommer liefert. Das können wir leider auch nicht verbessern, aber effektiver gestalten durch Solarstrom Anlagen, die dem Sonnenstand nachgeführt werden und die rund 40 Prozent mehr Ertrag bringen als fest installierte Systeme.

Strom aus Sonnenlicht ist ja auch nicht als einzige Alternative zur fossilen Stromerzeugung gedacht, sondern kann in einem Energiemix aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse den Energiebedarf der Zukunft decken. Die Energieeinsparung und die Energieeffizienz spielen hierbei eine grosse Rolle. Wussten Sie, dass beim Energietransport aus fernen Ländern bereites 70 Prozent auf der Strecke bleiben, nur 30 Prozent können hier verarbeitet werden und werden dabei oft noch grosszügig vergeudet, wie offene Ladentüren im Winter und "warmlaufende" Motoren, etc.

Zu den Kosten: können Sie sich noch an den Kohlepfennig zur Verstromung der Kohle erinnern, der zum Schluss sieben Pfennig pro Kilowattstunde ausmachte oder die Milliardenförderung an die Atomforschung ? Die heutige Solarforschung bekommt nur einen geringen Bruchteil davon. Deshalb ist es sinnvoll, in ein Marktanreizprogramm für zukünftige Energieerzeugungssysteme zu investieren. Ein normaler Haushalt mit 3.500 kWh Stromverbrauch im Jahr zahlt rund 1 Solarpfennig pro kWh oder rund 20 Euro im Jahr für die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien in das Stromnetz. Eine wahrhaft sinnvolle Investition in die Energieversorgung unserer Zukunft und die unserer Nachkommen.

Eine Photovoltaikanlage ist ein spezielles Spitzenlastkraftwerk, denn sie liefert nach den Definitionen der Strombörse in Leipzig ausschließlich Spitzenlaststrom zu Zeiten eines erhöhten Bedarfs, tagsüber speziell zur Mittagszeit. Die Stromversorger sind froh, wenn sie für Solarstrom "nur" rund 45 Cent ausgeben müssen, anstatt mehre Euro pro kWh für sonstigen Spitzenlaststrom. Insofern trägt Solarstrom zur Stromverbilligung bei.

Zum Schluss müssen Sie sich selbst, im Bekanntenkreis und Ihren Kindern und Enkeln die Frage stellen und beantworten, wie Sie in einigen Jahren die hohen Energiekosten bezahlen wollen und woher Sie in einigen Jahrzehnten überhaupt noch fossile Energie beziehen wollen, wenn das Erdöl versiegt ist und die Uranvorräte ausgebeutet sind, wenn nicht aus den erneuerbaren Energien, die uns auf Dauer durch die Sonne zu Verfügung stehen und auf unseren Feldern jederzeit nachwachsen.

Deshalb muss heute massiv in den Aufbau eines Energie-versorgungssystems aus Erneuerbaren Energien mit Hilfe der noch preiswerten fossilen Energie investiert werden, damit sie morgen flächendeckend bereit stehen und das unweigerlich zu Ende gehende fossile Zeitalter ablösen können.

Beantworten sollten Sie auch die Frage, wie unsere Nachkommen mit den giftigen Hinterlassenschaften unserer jetzigen fossilen Energieerzeugung wie Atommüll, Luft- und Wasserverseuchung durch Erdöl, und Kohle, etc. umgehen sollen, und die Sicherung teuer bezahlen müssen, ohne daraus noch einen Nutzen ziehen zu können.

Hoch interessant ist die Frage der Grössenordnung, schaffen wir es in den verbleibenden Jahrzehnten, dieses System aus organischen Energien aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse aufzubauen, um den Klimawandel, wie wir ihn heuer im Dezember mit Frühlingstemperaturen erleben, wenigstens abzumildern. Das geht nur mit einer drastischen Energiewende, dabei können Sie mithelfen.

Hermann Schubotz, Freilassing

 
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