Chiemgau Online vom 29. November 2006
Freilassing: Bürgersonnenkraftwerk im Aufwind
Dritte Photovoltaik Anlage auf dem Feuerwehrhaus eingeweiht
Freilassing. Seit kurzem gibt es auf dem Dach der Freilassinger Feuerwehr eine dritte "Kraftwerksanlage". Stolz verkündete der Vorsitzende des Bürgersonnenkraftwerks, Dominik Zauner, den Anschluss einer dritten Photovoltaikanlage und deren Stromeinspeisung in das Freilassinger Stromnetz, alles finanziert von Freilassinger Bürgern.

Statt bisher zwei Vier-Personenhaushalte könnten nun drei entsprechende Haushalte mit dem umweltfreundlichen Strom aus der Sonnenkraft versorgt werden.

Initiator des Bürgersonnenkraftwerks war vor fünf Jahren der Webdesigner Hermann Schubotz aus Freilassing. Er gründete mit fachkundiger Unterstützung des Freilassinger Rechtsanwaltes Franz Tradler eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts, die inzwischen 32 Mitglieder hat, unter ihnen auch den ersten und der dritten Freilassinger Bürgermeister. "Am Beitritt des zweiten arbeiten wir", meinte dritter Bürgermeister Heinrich Auerbach schmunzelnd während der Einweihungsversammlung.

Grund für die Initiative von Schubotz war die Einsicht in den weltweit notwendigen Energiewandel. Dass man die Energiewende voranbringen muss, ist mittlerweile überall wissenschaftlich anerkannt, sogar in den USA, das bewies der jüngste Klimagipfel in Nairobi. Nur werde diese Erkenntnis viel zu wenig in die Tat umgesetzt, meinte Schubotz. Und deshalb "warten wir nicht Kyoto ab, sondern machen die Energiewende vor Ort", erklärte er selbstbewusst und wartete mit interessanten Zahlen auf: Kohlendioxyd trägt mit 50 Prozent zum Treibhauseffekt bei. Jeder Europäer produziere pro Jahr umgerechnet sage und schreibe zehn Tonnen dieses Gases, bei den Amerikanern seien es sogar 24 Tonnen. Jeder könne also selbst zur Verringerung der Klimabelastung beitragen, indem er zum Beispiel weniger Auto fahre.

Als individuelles Ziel schwebt Schubotz die Verringerung der zehn Tonnen um die Hälfte vor. Die Berechnung sei gar nicht so schwer, wenn man weiß, dass ein Liter Benzinverbrauch ein Kilogramm Kohlendioxyd bedeute, klärte der zweite Vorsitzende der Sonnenkraft-Gesellschaft auf.

90.000 Euro Investitionsgelder liegen mittlerweile auf dem Dach des Feuerwehrhauses, das damit allerdings auch voll ist. Die Gesellschaft sucht nun nach neuen Möglichkeiten zur Installation von weiteren Modulen. Zunächst kommen öffentliche Gebäude dafür in Frage wie etwa die Berufsschule, das Rathaus oder das Badylon. Die Stadt Freilassing sei bisher erfreulich kooperativ gewesen. Die Mitglieder hoffen, dass sich daran auch nichts ändert.

Auf dem Dach des Feuerwehrhauses werden jetzt, nach der Installierung der dritten Photovoltaik-Anlage, auf 150 Quadratmetern 15 Kilowatt Strom erzeugt. Der wird in das heimische Stromnetz eingespeist. E.ON Bayern zahlt dafür zwischen 47 und 50 Cent pro Kilowattstunde und das 20 Jahre lang. Die Gesellschafter können mit einer Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals in Höhe von drei Prozent rechnen. Wer als Gesellschafter beitritt, zahlt für den ersten Anteil 1.000 Euro, für alle weiteren 500 Euro. Jeder Gesellschafter hat eine Stimme, der Gewinn wird thesauriert, das heißt, er bleibt im Unternehmen für weitere Investitionen. Das Geld von Förderern ist auch willkommen als Geldanlage ohne Gesellschafterverpflichtung. Und Kinder können sogenannte Förderbausteine erwerben.

In der Gesellschafterversammlung zur Einweihung des dritten Teils der Photovoltaikanlage wurde deutlich, dass in der Bevölkerung das persönliche Engagement für alternative Energien angeregt und verstärkt werden soll. Dabei kam auch das umstrittene Projekt des Bio-masse-Heizwerks in Eham zur Sprache. Man dürfe das nicht nur negativ sehen. Man könne doch beispielsweise die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass sich die Freilassinger Sonnenkraftgesellschaft über eine Öffnungsklausel für Gruppierungen an diesem Kraftwerk beteilige oder auch Freilassinger Bürger, meinte Rechtsanwalt Tradler. Auch die Nutzung regenerativer Energien diene dem Schutz unseres Klimas, darin waren sich die Teilnehmer einig.

Übrigens wurde am Rande erwähnt, dass Freilassing mit Salzburg im Energiebereich schon eine ganze Menge verbindet: Der Strom, mit dem die E.ON Bayern die Stadt versorgt, kommt aus Salzburg, genauer, dem Kraftwerk Rott.  wür

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