Freilassinger Anzeiger vom 29. Dezember 2006
Strom von der Sonne Jeder zahlt mit
von Joachim Barleben, Mitterfelden
 

Zum Leserbrief von Siegfried Popp vom 16. Dezember „Solarenergie hat sonnige Tage vor sich":

Der Strom kommt bei uns allen aus der Steckdose. Leider ist jedoch nicht jedem klar, wie er da hineinkommt. Die Stromerzeugung setzt sich aus vielen Komponenten zusammen, wobei ich insbesondere über die hochgejubelte Komponente „Photovoltaik" einige allgemeine Gedanken vorbringen möchte.

Bekanntlich liefert eine Photovoltaikanlage nur dann Strom, wenn genügend Lichteinfall vorhanden ist. Verinnerlicht man sich nun die Zeiten in unserer dunklen Jahreszeit, wo Tageslicht voll zur Verfügung steht, sieht die Ausbeute mager aus. In den Hochlastzeiten, morgens und abends, wird aufgrund der Dunkelheit sowieso keinerlei Photovoltaikleistung erbracht.

Nun bleibt die restliche Tageszeit, welche mit Hell -und Dunkelphasen ein doch sehr welliges Leistungsdiagramm erzeugt. Von einer Leistungserzeugung an Schlechtwetter-tagen kann dabei sowieso keine Rede mehr sein. Was bleibt den Elektroversorgungs-untemehmen anderes übrig, als ganzzeitlich Atom-, Kohle- und Wasserkraftwerke vorzuhalten, um das Stromnetz zu stabilisieren?

Auch Umweltschützer wollen Kaffee kochen und in einer warmen Wohnstube sitzen und nicht vom Tageslicht abhängig sein. Erzeugt wird dann an schönen Tagen, wo die Abnahme der Stromkunden gering ist und sowieso viele Kraftwerke auf Sparflamme laufen. Hier wird Photovoltaik eigentlich gar nicht benötigt.

Wenden wir uns einer anderen Komponente zu: den Kosten. Zuerst sei bemerkt, dass zur Herstellung der Siliciumplatten einer Photo-voltaikanlage ein mehrfaches an Energie verbraucht wird, als sie jemals zu erzeugen vermag. Wo die meisten dieser kostengünstigen Anlagen hergestellt werden, kann jeder selbst erraten. Nun, das wird von den Betreibern großzügig in Kauf genommen, erhalten sie doch für eine Kilowattstunde gut das Doppelte des durchschnittlichen Haushaltsstrompreises. Das geht dann so, dass der Photovoltaik-strom über eine eigene Messung (zum teuren Preis) ins Gesamtnetz eingespeist wird. Die Stromabnehmer erhalten dann ihren Strom zum „Normalpreis" (auch der Erzeuger vom Photovoltaikstrom). Ein gutes Geschäft.

Dieser Normalpreis aber ist natürlich unter dem Mäntelchen des Umweltschutzes mit dem Mehrpreis des Photovoltaikstroms beaufschlagt. Wer sollte auch sonst die Gewinne für PV-Strom bezahlen, als viele jene Klienverbraucher, denen das nötige Kleingeld zur Errichtung einer PV-Anlage fehlt. Eine Kapital-umschichtung also. Die meisten Stromkunden scheinen sich über diese Tatsachen anscheinend noch keine Gedanken gemacht zu haben, denn: Der Strom kommt ja aus der Steckdose.

Joachim Barleben, Mitterfelden

 
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