Freilassinger Anzeiger vom 12. Dezember 2006
Klimawandel soll mehr auf dem Lehrplan stehen
Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen diskutieren über Energie-Verbrauch

BAD REICHENHALL (wür) - „Nutzen Sie Energie-sparlampen, fahren Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad, schalten Sie den Stand-by-Betrieb Ihrer Geräte aus, kaufen Sie ein Hybrid-Auto, dämmen Sie Ihre Häuser" - diese und weitere Energiespar-maßnahmen lesen die Zuschauer am Ende des Films „Eine unbequeme Wahrheit". Der Film stammt von AL Gore, dem amerikanischen Präsidentschaftskandidaten, der im Jahr 2000 nur äußerst knapp gegen George W. Bush verlor. Was AL Gore mit der unbequemen Wahrheit meint, ist nichts anderes, als dass die Menschheit vor allem ihre Energie-Verbrauchs-gewohnheiten ändern muss, soll die Erde nicht in absehbarer Zeit unbewohnbar werden. Mitglieder und Freunde von Bündnis 90/Die Grünen sahen sich den Film an und verbanden den Kinobesuch mit einer Diskussion über das Thema.

Es ist alarmierend und diskussionswürdig, was AL Gore an Fakten, wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen und Schlussfolgerungen über den Klimawandel zusammengetragen hat. Die Fakten: Die zehn wärmsten Jahre auf der Welt seit Beginn derTemperaturmessung wurden in den vergangenen 14 Jahren gemessen. Polkappen und Gletscher schmelzen dramatisch, Süßwasserreservoirs schrumpfen. Daran schuld ist der exorbitante CO2-Ausstoß durch die Verbrennung von fossiler Energie, also vor allem von Erdöl, Kohle und Erdgas.

Der US-Politiker beschäftigt sich seit seiner Jugend mit dieser Thematik, und er vermittelt so viel Wissen darüber, dass die Konzentration der Zuschauer stark auf die Probe gestellt wird. Aber die Mischung aus harten Fakten und persönlicher Erfahrung des Autors, verbunden mit faszinierenden Bildern von der Erde, lockert die Vortrags-dokumentation immer wieder auf.

Für die anschließende Diskussion, geleitet vom Kreisvorsitzenden der Grünen, Franz Eder aus Laufen, gab es also genug Gesprächsstoff. So stellte Wolfgang Fieweger die Vorteile des in Freilassing geplanten, höchst umstrittenen Baus eines BiomasseHeizkraftwerkes heraus, immer unter dem Aspekt der Einsparung von fossilen Energien.

Kritisiert wurde auch die Waldrodung am Götschen für eine erweiterte sportliche Nutzung des Geländes: Jeder Hektar vernichteter Bergwald schade dem Klima. Und Bruno Rettelbach ergänzte, die Fichten-Bergwälder seien ohnehin durch das durch den Klimawandel verursachte vermehrte Auftreten des Borkenkäfers stark gefährdet. Edwin Hertlein, Kreisrat aus Teisendorf, erklärte, wenn jeder die Stand-by-Betriebe an seinen Geräten ausschalte, erspare das zwei Kernkraftwerke. Franz Eder stellte der Bevölkerung im Landkreis im Großen und Ganzen in puncto Energieeinsparung und Nutzung alternativer Energien ein positives Zeugnis aus, aber „ die Entscheidungsträger, Landratsamt und Bürgermeister machen noch nicht mit. Das ist ein Problem".

Wie ein roter Faden zog sich durch die Redebeiträge der Aufruf an jeden Einzelnnen, verantwortungsvoll mit seinem Energieverbrauch umzugehen, sich über die Konsequenzen des Klimawandels zu informieren und dabei immer die Zukunft der Kinder im Auge zu haben.

„Außerdem gehört das Thema Klimawandel und seine Ursache verstärkt in den Schulunterricht", meinte der Kreisvorsitzende und Hauptschullehrer Franz Eder und meinte damit wohl eine Schwerpunktsetzung in den Lehrplänen. Der Film „Eine unbequeme Wahrheit" ist bis Mittwoch, 13.Dezember im Reichenhaller Park-Kino zu sehen.
(Korrektur: nur noch bis 12.12. und einmalig am 19.12.)

Eine unbequeme Wahrheit
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