| Freilassing(schu) "Der deutsche Astronom
Kopernikus wurde für seine Entdeckung, dass sich die Erde um
die Sonne dreht, auf den Scheiterhaufen verbrannt, Galileo traute
sich erst auf dem Sterbebett, sich zu dieser Erkenntnis öffentlich
zu bekennen, die Sonne sei der Mittelpunkt unseres Planetensystems.
Auch wenn man heute für das Bekenntnis zur Sonnenenergie nicht
verbrannt werde, so haben es manche Solaraktiven schwer, die Menschen
von den Potentialen der Sonnenenergie zu überzeugen".
Mit diesem historischen Vergleich begrüsste Bürgermeister
Schacherbauer die anwesenden Gäste der Solarausstellung im
Freilassinger Rathaus.
Schacherbauer und wies auf die Gelegenheit hin, sich im Freilassinger
Rathaus über das unendliche Potential der Sonnenkraft und seine
Umsetzung in den Dienst der Menschen für Wärme und Strom
noch bis zum 3.August zu informieren. (Peter Rubeck informierte
die Besucher über Motive und Möglichkeiten, die Wärme
von der Sonne zu nutzen und die Inzeller Architektin Helga Meinel
zeigte Wege auf, wie man die Sonnenenergie bereits beim Bau des
Hauses optimal einbeziehen kann. )
In seinem Vortrag Wärme von der Sonne sagte Peter Rubeck
vom Bundesverband Solarwirtschaft bei der Eröffnung der Ausstellung
Solares Bauen, „Wir nutzen unseren heimischen Energielieferanten
viel zu wenig, auf der andere Seite ist unser Erdball durch den
hohen Kohlendioxid (CO2) Ausstoss und Treibhauseffekt in einem jämmerlichen
Zustand, der sich weiter verschlimmert".
Er verglich die Welttemperatur mit der des menschlichen Körpers,
wenn diese sich um ein Grad erhöhe, dann habe der Körper
Fieber, und wie würde man sich dann erst bei 40 Grad Körpertemperatur
fühlen. In diesem bedenklichen Zustand befinde sich der Planet
bereits heute. Der Klimawandel sei voll im Gange, er nannte die
bekannten Phänomene wie Hurrikane, Überschwemmungen, New
Orleans, Gletscherschmelze und Trinkwasserprobleme. Auf der anderen
Seite liegen die fossilen Energieressourcen der Erde in Krisengebieten
wie dem Nahen Osten, Russland, Südamerika und Afrika. Die Energiefrage
habe sich zu der zentralen Aufgabe der nächsten Jahrzehnte
heraus kristallisiert.
In einem Rechenbeispiel zeigte der Referent, wie sich der Heizölpreis
bei einer jährlichen Steigerung von drei Prozent in zwanzig
Jahren entwickeln würde, und wie der Endpreis bei einer Steigerung
von fünf oder sogar acht Prozent aussehen würde. Diese
Preis kann nach menschlichem Ermessen keiner mehr bezahlen.
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Anhand eines Würfelsystems wird bei der Ausstellung im Freilassinger
Rathaus dargestellt, wie gross das Potential der täglich einstrahlenden
Sonnenenergie ist, das mit dem roten Gerüst dargestellt wird,
und gegenübergestellt mit den endlichen Ressourcen von Kohle,
Erdöl und Erdgas. Der kleine blaue Würfel im rechten Eck
deutet die jährlich von der gesamten Menschheit verbrauchten
Energie an. Die Ausstellung ist noch bis zum 3.August zu besichtigen.
Foto Hermann Schubotz
(Die Ausstellung in Freilassing ist ein Baustein der bundesweiten
Aktion „Wärme von der Sonne", mit der die Kooperation
Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) und das Bundesumwelt-ministerium
regionale Initiativen bei ihrer Informationsarbeit unterstützen
wollen. Das Aktionsbündnis „Sonnenstrom vom Watzmann
bis zum Wendelstein" wurde heuer wieder in Bayern ausgewählt,
mit weit über 300 Aktionen die Bevölkerung für die
Nutzung der Sonnenenergie zu begeistern.
Als Ergänzung zur Wanderausstellung finden in der Region zahlreiche
Besichtigungen von Solaranlagen und energiesparenden Heizungssystemen
in Privathäusern statt. Terminhinweise gibt es auf der Internetseite
der Agenda21 www.agenda21-bgl.de.
Ebenso wurde von der Aktion „Wärme von der Sonne"
eine regionale Zeitung für den südostbayerischen Raum
mit innovativen Technologien, aktuellen Rechenbeispielen, Terminen,
Anbieter und Handwerkerverzeichnissen heraus gegeben, diese könne
sich jeder Besucher mit nach Hause nehmen.)
Peter Rubeck bezeichnete das Berchtesgadener Land mit seinen Nachbarkreisen
Traunstein und Rosenheim Als „Vorreiter-Region". Seit
fast zehn Jahren arbeiten hier Bund Naturschutz (BN), Agenda21-Arbeitskreise
und ähnliche Gruppierungen sowie die Handwerkerschaft für
eine intensivere Nutzung der Sonnenenergie zusammen. Er wünschte
dem Kreis Berchtesgadener Land „viel Erfolg bei dem Plan,
die gesamte Energieversorgung innerhalb von dreissig Jahren auf
erneuerbare Energien umzustellen.
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(Denn wenn man den Energieverbrauch durch Fassadendämmung
und Stromspar-massnahmen und weitere Energiespar-massnahmen etwa
auf die Hälfte reduzieren könne, dann sei es denkbar,
den Rest durch erneuerbare Energien abzudecken. Die solare Energiewende
birgt eine grosse Chance für das lokale Handwerk, mit einem
Umsatz von 3,8 Milliarden Euro im Jahre 2005 und 200.000 Arbeitsplätzen
hat sich die Solarbranche zum wachstumsstärksten Industriezweig
in Deutschland entwickelt.)
In einem anschaulichen Beispiel zeigte Rubeck, dass auf einem Quadratmeter
soviel Sonnenenergie strahle wie in 100 Litern Erdöl enthalten
sei. Wenn ein Sonnenkollektor 50 Prozent der Sonnenenergie in Wärme
umsetzen könne, dann werde durch einen Quadratmeter Sonnenkollektor
rund 50 Liter Heizöl ersetzt. Zur Kalkulation des Bedarfes
sagte er, dass mit einem Quadratmeter pro Person rund 50 Prozent,
mit zwei Quadratmetern dann 70 Prozent des Warmwasserbedarfes eines
Hauses gedeckt werden könne.
Es gebe auch Geld vom Staat eine direkte Unterstützung von
54 Euro pro Quadratmeter Sonnenkollektor, die sich auch 70 Euro
erhöht, wenn mit dem System auch die Heizungsanlage unterstützt
werde.
Die Architektin Helga Meinel aus Inzell betonte die langfristige
Werterhaltung der solar ausgerüsteten Immobilie sowie höheren
Wohnkomfort für den Bauherren als Vorteil. (Der Einstieg solle
bereits bei der Bauleitplanung beginnen und der solaren Architektur
und modernen Energiekonzepten mit aktiver Sonnennutzung durch Sonnenkollektoren
und Photovoltaik-Anlagen eine reale Chance zur Entfaltung geben.
)
Die Firstrichtung und Dachneigung des Hausese und die Ermöglichung
von passiver Sonnenenergie-nutzung durch große Glasflächen
oder Wintergärten an der Südseite seien wichtige Aspekte
bei der Bauplanung. Man solle bei der Anordnung der Gebäude
die Verschattung durch Nachbarhäuser vermeiden. Verdichtete
Bauweise und kompakte Baukörper seien energetisch günstiger.
Ebenfalls von Vorteil sei es, auf der kühleren Gebäudenordseite
Räume unterzubringen, die weniger geheizt werden müssen.
Frau Meinel regte die Gemeinden an, in ihrer Bauleitplanung solare
Architektur und Energiekonzepte von vornherein zu integrieren sowie
mit Agenda-Gruppen zu kooperieren.
Über den Bericht von Hermann Schubotz über den Zwischenbericht
zum Stand des Energieumsetzungsbeschlusses 2030 des Kreistages von
2001 berichten wir in einer nächsten Ausgabe. -schu- |