Freilassinger Anzeiger vom 28. Juli 2006
 Die Erde im Fieberzustand
Referenten informieren in Freilassing über Sonnenenergie

Freilassing(schu) "Der deutsche Astronom Kopernikus wurde für seine Entdeckung, dass sich die Erde um die Sonne dreht, auf den Scheiterhaufen verbrannt, Galileo traute sich erst auf dem Sterbebett, sich zu dieser Erkenntnis öffentlich zu bekennen, die Sonne sei der Mittelpunkt unseres Planetensystems. Auch wenn man heute für das Bekenntnis zur Sonnenenergie nicht verbrannt werde, so haben es manche Solaraktiven schwer, die Menschen von den Potentialen der Sonnenenergie zu überzeugen". Mit diesem historischen Vergleich begrüsste Bürgermeister Schacherbauer die anwesenden Gäste der Solarausstellung im Freilassinger Rathaus.

Schacherbauer und wies auf die Gelegenheit hin, sich im Freilassinger Rathaus über das unendliche Potential der Sonnenkraft und seine Umsetzung in den Dienst der Menschen für Wärme und Strom noch bis zum 3.August zu informieren. (Peter Rubeck informierte die Besucher über Motive und Möglichkeiten, die Wärme von der Sonne zu nutzen und die Inzeller Architektin Helga Meinel zeigte Wege auf, wie man die Sonnenenergie bereits beim Bau des Hauses optimal einbeziehen kann. )

In seinem Vortrag Wärme von der Sonne sagte Peter Rubeck vom Bundesverband Solarwirtschaft bei der Eröffnung der Ausstellung Solares Bauen, „Wir nutzen unseren heimischen Energielieferanten viel zu wenig, auf der andere Seite ist unser Erdball durch den hohen Kohlendioxid (CO2) Ausstoss und Treibhauseffekt in einem jämmerlichen Zustand, der sich weiter verschlimmert".

Er verglich die Welttemperatur mit der des menschlichen Körpers, wenn diese sich um ein Grad erhöhe, dann habe der Körper Fieber, und wie würde man sich dann erst bei 40 Grad Körpertemperatur fühlen. In diesem bedenklichen Zustand befinde sich der Planet bereits heute. Der Klimawandel sei voll im Gange, er nannte die bekannten Phänomene wie Hurrikane, Überschwemmungen, New Orleans, Gletscherschmelze und Trinkwasserprobleme. Auf der anderen Seite liegen die fossilen Energieressourcen der Erde in Krisengebieten wie dem Nahen Osten, Russland, Südamerika und Afrika. Die Energiefrage habe sich zu der zentralen Aufgabe der nächsten Jahrzehnte heraus kristallisiert.

In einem Rechenbeispiel zeigte der Referent, wie sich der Heizölpreis bei einer jährlichen Steigerung von drei Prozent in zwanzig Jahren entwickeln würde, und wie der Endpreis bei einer Steigerung von fünf oder sogar acht Prozent aussehen würde. Diese Preis kann nach menschlichem Ermessen keiner mehr bezahlen.


Anhand eines Würfelsystems wird bei der Ausstellung im Freilassinger Rathaus dargestellt, wie gross das Potential der täglich einstrahlenden Sonnenenergie ist, das mit dem roten Gerüst dargestellt wird, und gegenübergestellt mit den endlichen Ressourcen von Kohle, Erdöl und Erdgas. Der kleine blaue Würfel im rechten Eck deutet die jährlich von der gesamten Menschheit verbrauchten Energie an. Die Ausstellung ist noch bis zum 3.August zu besichtigen. Foto Hermann Schubotz


(Die Ausstellung in Freilassing ist ein Baustein der bundesweiten Aktion „Wärme von der Sonne", mit der die Kooperation Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) und das Bundesumwelt-ministerium regionale Initiativen bei ihrer Informationsarbeit unterstützen wollen. Das Aktionsbündnis „Sonnenstrom vom Watzmann bis zum Wendelstein" wurde heuer wieder in Bayern ausgewählt, mit weit über 300 Aktionen die Bevölkerung für die Nutzung der Sonnenenergie zu begeistern.

Als Ergänzung zur Wanderausstellung finden in der Region zahlreiche Besichtigungen von Solaranlagen und energiesparenden Heizungssystemen in Privathäusern statt. Terminhinweise gibt es auf der Internetseite der Agenda21 www.agenda21-bgl.de.

Ebenso wurde von der Aktion „Wärme von der Sonne" eine regionale Zeitung für den südostbayerischen Raum mit innovativen Technologien, aktuellen Rechenbeispielen, Terminen, Anbieter und Handwerkerverzeichnissen heraus gegeben, diese könne sich jeder Besucher mit nach Hause nehmen.)

Peter Rubeck bezeichnete das Berchtesgadener Land mit seinen Nachbarkreisen Traunstein und Rosenheim Als „Vorreiter-Region". Seit fast zehn Jahren arbeiten hier Bund Naturschutz (BN), Agenda21-Arbeitskreise und ähnliche Gruppierungen sowie die Handwerkerschaft für eine intensivere Nutzung der Sonnenenergie zusammen. Er wünschte dem Kreis Berchtesgadener Land „viel Erfolg bei dem Plan, die gesamte Energieversorgung innerhalb von dreissig Jahren auf erneuerbare Energien umzustellen.

(Denn wenn man den Energieverbrauch durch Fassadendämmung und Stromspar-massnahmen und weitere Energiespar-massnahmen etwa auf die Hälfte reduzieren könne, dann sei es denkbar, den Rest durch erneuerbare Energien abzudecken. Die solare Energiewende birgt eine grosse Chance für das lokale Handwerk, mit einem Umsatz von 3,8 Milliarden Euro im Jahre 2005 und 200.000 Arbeitsplätzen hat sich die Solarbranche zum wachstumsstärksten Industriezweig in Deutschland entwickelt.)

In einem anschaulichen Beispiel zeigte Rubeck, dass auf einem Quadratmeter soviel Sonnenenergie strahle wie in 100 Litern Erdöl enthalten sei. Wenn ein Sonnenkollektor 50 Prozent der Sonnenenergie in Wärme umsetzen könne, dann werde durch einen Quadratmeter Sonnenkollektor rund 50 Liter Heizöl ersetzt. Zur Kalkulation des Bedarfes sagte er, dass mit einem Quadratmeter pro Person rund 50 Prozent, mit zwei Quadratmetern dann 70 Prozent des Warmwasserbedarfes eines Hauses gedeckt werden könne.

Es gebe auch Geld vom Staat eine direkte Unterstützung von 54 Euro pro Quadratmeter Sonnenkollektor, die sich auch 70 Euro erhöht, wenn mit dem System auch die Heizungsanlage unterstützt werde.

Die Architektin Helga Meinel aus Inzell betonte die langfristige Werterhaltung der solar ausgerüsteten Immobilie sowie höheren Wohnkomfort für den Bauherren als Vorteil. (Der Einstieg solle bereits bei der Bauleitplanung beginnen und der solaren Architektur und modernen Energiekonzepten mit aktiver Sonnennutzung durch Sonnenkollektoren und Photovoltaik-Anlagen eine reale Chance zur Entfaltung geben. )

Die Firstrichtung und Dachneigung des Hausese und die Ermöglichung von passiver Sonnenenergie-nutzung durch große Glasflächen oder Wintergärten an der Südseite seien wichtige Aspekte bei der Bauplanung. Man solle bei der Anordnung der Gebäude die Verschattung durch Nachbarhäuser vermeiden. Verdichtete Bauweise und kompakte Baukörper seien energetisch günstiger. Ebenfalls von Vorteil sei es, auf der kühleren Gebäudenordseite Räume unterzubringen, die weniger geheizt werden müssen.

Frau Meinel regte die Gemeinden an, in ihrer Bauleitplanung solare Architektur und Energiekonzepte von vornherein zu integrieren sowie mit Agenda-Gruppen zu kooperieren.

Über den Bericht von Hermann Schubotz über den Zwischenbericht zum Stand des Energieumsetzungsbeschlusses 2030 des Kreistages von 2001 berichten wir in einer nächsten Ausgabe. -schu-

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