Freilassinger Anzeiger vom 7. Jui 2006
Falsche Richtung
LESERBRIEF von Siegfried Popp
 

Zum Artikel „Atomkraft soll weiter genutzt werden" vom 28. Juni: Man stelle sich vor, ein Autofahrer fährt auf der Autobahn von der Ausfahrt Bad Reichenhall bis zur Ausfahrt Anger auf der falschen Seite (Geisterfahrer). Es kommen ihm zwar einige Autos entgegen, aber es ist nichts passiert. Schlussfolgerung: „Fahren auf der Autobahn in Gegenrichtung ist völlig ungefährlich."

Natürlich wissen wir, dass das nicht stimmt, ja dass es höchst gefährlich ist. Doch nach solcher Beweisführung wird argumentiert, wenn es um die Einführung von Gentechnik oder um „sicheren Atomstrom" geht. Da gibt es Provinzpolitiker, die noch nicht begriffen haben, dass der Ausstieg aus der Atomstrom-erzeugung von der großen Koalition beschlossene Sache ist. Sie bekämpfen ihre eigenen Parteientscheidungen. Welche Richtung fahren wir eigentlich?

Allerdings wird uns die Atomstrom-erzeugung noch tausende von Jahren beschäftigen, indem die Atommüllablagerungen im Salzstock von Gorleben (Gott sei Dank hat noch niemand entdeckt, dass es in Berchtesgaden auch Salzlager gibt) gewartet, umgeschichtet, gemessen, überwacht werden müssen. Die „zu teure Energie", die wir heute verbrauchen, bezahlen also unsere Nachkommen.

Das wahnsinnigste Experiment aber steht uns noch bevor: Braunkohle. Weil bei der Verbrennung von Braunkohle als Energieträger das meiste klimaschädliche Kohlendioxid (C02) pro Energieeinheit frei wird, überlegt „Vattenfall", dieses C02 „in den Erdmantel zu pumpen". Mit Fördergeldem für „Zero Emission Fossil Fuel Power Plants". Das Gas diffundiert dann erst ab einigen hundert Jahren bis zur Erdoberfläche, wenn alle Verantwortlichen schon längst tot sind. Es gibt heute keine technische Möglichkeit, weder verseuchtes Grundwasser noch verseuchte Erde zu reinigen.

Fahren wir in die richtige Richtung? Ja! Aber: Kaum hat sich ein zaghafter Markt für Biokraftstoffe entwickelt, haben unsere Politiker nichts Dümmeres zu tun, als eine Besteuerung zu fordern und damit diesen Markt und eine Verdienstmöglichkeit für unsere Bauern zu vernichten.

Warum investieren wir nicht in die Zukunft? Die Nutzung wiedererneuerbarer Energie hat sich heute schon als gute Alternative erwiesen und zigtausende von Arbeitsplätzen geschaffen. Während unsere Politiker reden und reden, haben viele Privatleute die Initiative ergriffen und in die solare Zukunft, in die richtige Richtung, investiert.

Siegfried Popp, Freilassing


 
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