| Zum Artikel „Atomkraft soll weiter genutzt
werden" vom 28. Juni: Man stelle sich vor, ein Autofahrer fährt
auf der Autobahn von der Ausfahrt Bad Reichenhall bis zur Ausfahrt
Anger auf der falschen Seite (Geisterfahrer). Es kommen ihm zwar
einige Autos entgegen, aber es ist nichts passiert. Schlussfolgerung:
„Fahren auf der Autobahn in Gegenrichtung ist völlig
ungefährlich."
Natürlich wissen wir, dass das nicht stimmt, ja dass es höchst
gefährlich ist. Doch nach solcher Beweisführung wird argumentiert,
wenn es um die Einführung von Gentechnik oder um „sicheren
Atomstrom" geht. Da gibt es Provinzpolitiker, die noch nicht
begriffen haben, dass der Ausstieg aus der Atomstrom-erzeugung von
der großen Koalition beschlossene Sache ist. Sie bekämpfen
ihre eigenen Parteientscheidungen. Welche Richtung fahren wir eigentlich?
Allerdings wird uns die Atomstrom-erzeugung noch tausende von
Jahren beschäftigen, indem die Atommüllablagerungen im
Salzstock von Gorleben (Gott sei Dank hat noch niemand entdeckt,
dass es in Berchtesgaden auch Salzlager gibt) gewartet, umgeschichtet,
gemessen, überwacht werden müssen. Die „zu teure
Energie", die wir heute verbrauchen, bezahlen also unsere Nachkommen.
Das wahnsinnigste Experiment aber steht uns noch bevor: Braunkohle.
Weil bei der Verbrennung von Braunkohle als Energieträger das
meiste klimaschädliche Kohlendioxid (C02) pro Energieeinheit
frei wird, überlegt „Vattenfall", dieses C02 „in
den Erdmantel zu pumpen". Mit Fördergeldem für „Zero
Emission Fossil Fuel Power Plants". Das Gas diffundiert dann
erst ab einigen hundert Jahren bis zur Erdoberfläche, wenn
alle Verantwortlichen schon längst tot sind. Es gibt heute
keine technische Möglichkeit, weder verseuchtes Grundwasser
noch verseuchte Erde zu reinigen.
Fahren wir in die richtige Richtung? Ja! Aber: Kaum hat sich ein
zaghafter Markt für Biokraftstoffe entwickelt, haben unsere
Politiker nichts Dümmeres zu tun, als eine Besteuerung zu fordern
und damit diesen Markt und eine Verdienstmöglichkeit für
unsere Bauern zu vernichten.
Warum investieren wir nicht in die Zukunft? Die Nutzung wiedererneuerbarer
Energie hat sich heute schon als gute Alternative erwiesen und zigtausende
von Arbeitsplätzen geschaffen. Während unsere Politiker
reden und reden, haben viele Privatleute die Initiative ergriffen
und in die solare Zukunft, in die richtige Richtung, investiert.
Siegfried Popp, Freilassing
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