| AINRING (ha) - Wenn einer schwarz sieht,
ist er eindeutig Pessimist und wenn er rot sieht, sollte man seiner
Wut wohl besser aus dem Weg gehen. Farben haben eine tiefe Wirkung,
die sich nicht nur in der Sprache ausdrückt. Sie sind verantwortlich
für Gefühle, Stimmungen und haben symbolische Kraft. Über
die Bedeutung der Farbe in der Kunst und im täglichen Leben
sprach die Laufener Künstlerin Sabine Gerstacker beim Ainringer
Kulturverein und gab eine lebendige Einführung in die Farbenlehre.
Diese Bedeutung liegt jenseits jeder Mode und ist Ausdruck von
Gesellschaft und Kultur. „Trägt hierzulande beispielsweise
eine Braut Weiß, so steht dieselbe Farbe etwa in China für
Trauer", erklärte Sabine Gerstacker. In der kirchlichen
Hierarchie ist Weiß dem Papst vorbehalten, Kardinäle
tragen Purpur und Bischöfe Rot. Wer sich über den Frühling
freut, tut dies auch, weil nach den grauen Wintermonaten wieder
Farbe ins Spiel kommt.
Seit dem Altertum haben Künstler die Wirkung und Symbolkraft
der Farben bewusst eingesetzt, wie Gerstacker an Beispielen aus
der Kunstgeschichte zeigte.
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„Besonders bei modernen Werken sagt man schnell: das hätte
ich auch gekonnt", beschrieb die Künstlerin einen gängigen
Kommentar. Was oft nach ein paar lieblos hingeworfenen Farbklecksen
aussieht, beruht jedoch auf einer durchdachten Komposition, die
sich der Dynamik der Farben bedient und durch ihren Kontrast Spannung
erzeugt.
Farben sprechen die menschlichen Gefühle und Empfindungen
sehr direkt an. Viele empfinden so zum Beispiel ein blau gestrichenes
Zimmer bei gleicher Temperatur kälter als ein rot gestrichenes.
Diese Reaktionen sind unwillkürlich, und auch das Auge lässt
sich gerne mal täuschen, wie die Besucher des Vortrages selbst
erleben konnten. Betrachtet man ein rotes Stück Papier bei
Sonnenlicht für einige Zeit, nimmt es kurz weg und sieht dann
wieder darauf, gaukelt das Sehorgan die Komplementärfarbe Grün
vor.
Jeder Besucher des Vertrags war eingeladen, „seine Farben"
selbst zu finden. Intuitiv wurden bunte Quadrate auf ein Blatt geklebt.
Mit dem fertigen Bild hielten die Teilnehmer selbst einen Spiegel
ihrer inneren Farben in Händen.
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