Freilassinger Anzeiger vom 21. Juni 2006
Erneuerbare Energien ausser Acht gelassen
  Leserbrief zum Kommentar von Egil Werther "Konsequenzen ziehen" vom 6.06.2006

Der Kommentar von Herrn Werther darf nicht unbeantwortet bleiben. Wo lebt Egil Werther oder ist er blind gegenüber dem, was in der Gesellschaft abläuft ?

Im Kommentar analysiert er sehr richtig, Gefahr der Atomwaffen des Iran, Einsetzen der Ölwaffe, Angriffe auf Tanker im persischen Golf, der gefährlichen Abhängigkeit von Energieimporten aus Problemländern, (steigende Weltmarktpreise und die Verknappung des Angebots,) Versechsfachung der Strompreise hier zu Lande seit 1998.

(Alles sehr richtig beobachtet:) Und sein vorgeschlagener Ausweg: "Mehr Erdgas in sicheren Gebieten Europas fördern und Kohle verflüssigen. Das »schwarze Gold« an Ruhr und Saar ist absolut sicher und ausreichend". Punkt. Sind das die vorgeschlagenen Konsequenzen?

War's das? Meint er mit "Erdgas aus sicheren Gebieten Europas" russisches Erdgas aus der Schröder-Pipeline ? Was man davon zu halten hat, erfuhr die Ukraine im bitterkalten Winter diesen Jahres. Wenn es ökonomisch sinnvoll wäre, Kohle verflüssigen (ein alter Hut!) hätten die Energieunternehmen dieses Verfahren längst umgesetzt. Ist die Kohle an Ruhr und Saar sicher und ausreichend? Auf jeden Fall ist sie viel zu teuer, deshalb muss australische Kohle zu einem viel geringeren Preis über die Weltmeere zu uns transportiert und importiert werden.

Völlig außer Acht lässt Egil Werther die Erneuerbaren Energien aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse, die bereits jetzt rund 10% des Strombedarfes decken, mit steigender Tendenz. Zudem sind sie ein Jobmotor und tragen nicht zur Klimaerwärmung bei, (wie die oben gerühmten Erdgase und Kohle, sondern mildern diesen ab.) Erneuerbare Energien ("wachsen" bei uns zu hause), müssen nicht aus Krisenherden importiert werden, lassen die Kaufkraft im Lande und wachsen, wie der Name sagt, immer wieder nach, (sind somit unerschöpflich vorhanden.)

Wie kann er in seinem Kommentar diesen (jungen "boomenden") Industriezweig (bei seinem "Konsequenzen ziehen") völlig ignorieren ?

Der Autor ist sicher nicht blind, er geht sehenden Auges durch die Welt, aber auf einem Auge scheint er sehr, sehr kurzsichtig zu sein! Oder er schaut nach hinten und nicht nach vorne, da wo die Zukunft liegt. Er möge sich den Bericht "Die OPEC hat Angst vor Alternativen Energien" im der Ausgabe vom 8.Juni des Reichenhaller Tagblattes/Freilassinger Anzeiger zu Gemüte führen.

Auch das Lesen von Statistiken und Berichten über die Förderung der Erneuerbaren Energien seitens der Bundesregierung (und die Wahrnehmung der Wachstumsraten) könnten (den Gang zum Augenarzt vermeiden oder zumindest) seine Blickrichtung ändern.


Hermann Schubotz
Freilassing

 
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