Freilassinger Anzeiger vom 6. Juni 2006
Konsequenzen ziehen
Unser Kommentar Von Egil Werther
 

Was von der Drohung des iranischen Ober-Ajatollahs Ali Chamenei zu halten ist, bei einem Feuerschlag gegen seine Atomwaffen Anlagen werde Teheran die »Ölwaffe« einsetzen, wird sich in den anstehenden Verhandlungen zeigen. Will der »Falke« im Gewand des Geistlichen im Nuklear-Poker nur den Preis hochtreiben, den die Staatengemeinschaft (vor allem der Westen) für einen iranischen Verzicht auf Kernwaffen zahlen soll? Oder ist das islamistische Regime etwa zum Äußersten entschlossen? Es stehen harte, äußerst harte Gespräche bevor.

Die Iraner müssen viele Fragen beantworten. Warum sprechen sie von einem Militär-schlag gegen ihre Atomanlagen? Entwickeln sie wirklich Nuklearwaffen? Viele Hinweise sprechen dafür, und mit dem Einsatz der »Ölwaffe« droht Teheran nicht zum ersten Mal. In den jüngsten Übungen hat der Iran die Verminung der Straße von Hormuz und Angriffe auf Tanker trainiert. Man kann sich noch gut daran erinnern, dass im Golf schon einmal Seeminen herumtrieben. Nun bestätigt sich: Die Energiepolitik ist eng mit der Sicherheits-politik zu verzahnen. Bereits die Drohung Chameneis hat den Ölpreis steigen lassen.

Die Warnungen der EU und OECD vor einer gefährlichen Abhängigkeit von Energieimporten (Öl aus elf Problemländern) sind ernst zu nehmen. In Verbindung mit der globalen Energie-nachfrage ist die Ölzufuhr ein besonderer Risikofaktor. Die Weltmarktpreise und die Verknappung des Angebots werden auf der nationalen Ebene Folgen haben. Auch auf die Strompreise, die hier zu Lande seit 1998 eine Versechsfachung (!) der Abgaben und Steuern erlebt haben.

Ein Ausweg: Mehr Erdgas in sicheren Gebieten Europas fördern und Kohle verflüssigen. Das »schwarze Gold« an Ruhr und Saar ist absolut sicher und ausreichend.

 
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