Freilassinger Anzeiger vom 3. Juni 2006
Aktiver Energieunterricht in der Grundschule
Drei Klassen der Freilassinger Grundschule besichtigen das Wasserkraftwerk Zollhauswehr

FREILASSING - 78 Schüler aus den dritten Klassen der Grundschule Freilassing informierten sich mit ihren Lehrern und einigen Eltern im Rahmen des Heimat- und Sachunterrichts über die heimische Energiegewinnung aus Wasserkraft.

Um der faszinierenden Kraftquelle aus Wasser auf die Spur zu kommen, besichtigten sie dazu das Wasserkraftwerk Zollhauswehr.

Regierungsbaumeister Anton Zeller beantwortete die Fragen der Schüler in bildhafter Sprache. Er bat die Kinder, sich vorzustellen, dass jeder von ihnen in einer vollen Badewanne sitzt und er diese auf Kommando innerhalb einer Sekunde ausschüttet. Dies entspreche der maximalen Wassermenge, die im Kraftwerk Strom erzeugt.

In einer Sekunde strömen 60 Kubikmeter durch die drei Turbinen bei einer Fallhöhe von rund sechs Metern. Es werden über 2.000 Kilowatt Leistung erzielt, was knapp 3.000 Pferdestärken entspricht, erklärte Zeller. Eine Pferdestärke entspreche wiederum der Leistungsfähigkeit von zehn Hochleistungs-sportlern. 30.000 Menschen müssten also in einem Ruck an einem Strang ziehen, um die Leistung aufzubringen, die das Kraftwerk erzeugt.

Das Wasserkraftwerk Zollhauswehr bei Ainring erzeugt nunmehr seit fast zwei Jahrzehnten sauberen Strom und vermeidet damit einen Schadstoffausstoß von 10.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr und weiterer Schadstoffe. Durch diesen Strom wird beispielsweise der Einsatz von rund 5.000 Tonnen Steinkohle überflüssig. Es ergibt sich aus der Kraft des Wassers ein wichtiger umwelt-schützender Aspekt, sagte Anton Zeller.

 Wasserkraftwerk Zollhauswehr
Regierungsbaumeister Anton Zeller mit Kindern der Grundschule Freilassing bei der Besichtigung des Wasserkraftwerkes Zollhauswehr.
Mit den erneuerbaren Energien werde auch einvorausschauender Umwelt- und Naturschutz praktiziert. Öl werde bereits in 40, Gas in 50 und Kohle in rund 250 Jahren verbraucht sein. Auch das Uran für die Kernkraftwerke gehe bereits in rund 60 Jahren zur Neige.

In Bayern decke allein die Wasserkraft rund ein Viertel des Strombedarfs. Die Lehrkräfte betonten im Gespräch mit den Schülern, dass es ein gemeinsames Ziel sein sollte, die Plünderung der Rohstoffe der Erde einzuschränken. Es sei ein Umdenken erforderlich, das auf drastische Energie-einsparung und einen verstärkten Einsatz der sauberen und unendlich nutzbaren Energien setzt. Aus Anlass der atomaren Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl vor 20 Jahren wurden die Gefahren der Kernenergie verdeutlicht.

Die erneuerbaren Energien stellten keine Risiken für die kommenden Generationen dar, meinten die Lehrer. Die Gemeinde Ainring sei sich des Problems bewusst. Durch die Kleinwasserkraftwerke der Gemeinde wie das Kraftwerk Zollhauswehr, das Fischerwehr-kraftwerk und weitere kleine Wasser-kraftwerke würden im Jahr rund 20 Millionen Kilowattstunden absolut schadstofffreie Energie erzeugt. Aus erneuerbaren Energien würden rund vier Fünftel des Strombedarfes in und um Ainring gedeckt. Damit zähle Ainring in Sachen erneuerbare Energien zu den Spitzengemeinden in Deutschland.

Die Fragen der Kinder zielten vor allem darauf ab, wie man sich die Energiegewinnung aus Wasser am leichtesten vorstellen kann. Neben den Turbinen und Generatoren fanden die Alraunen großen Anklang. Es handelt sich um Wurzeln und Holzstücke, die oft Jahrzehnte vom Fluss mit den Kieselsteinen bearbeitet werden. Sie gelangen über die so genannten Rechen vor den Turbinen wieder ans Tageslicht.

Den Kindern wurden eine ganze Reihe solcher Schätze des Flusses für den Kunstunterricht mitgegeben. Aber nicht nur solche Gebilde kommen ans Tageslicht, sondern auch Schwemmsei und Unrat aller Art wie alte Räder, Autoreifen und sonstiges. So werden die Wasserkraftwerke nicht zu Unrecht als Müllschlucker der Flüsse bezeichnet.


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