| FREILASSING - 78 Schüler aus den dritten Klassen
der Grundschule Freilassing informierten sich mit ihren Lehrern
und einigen Eltern im Rahmen des Heimat- und Sachunterrichts über
die heimische Energiegewinnung aus Wasserkraft.
Um der faszinierenden Kraftquelle aus Wasser auf die Spur zu kommen,
besichtigten sie dazu das Wasserkraftwerk Zollhauswehr.
Regierungsbaumeister Anton Zeller beantwortete die Fragen der
Schüler in bildhafter Sprache. Er bat die Kinder, sich vorzustellen,
dass jeder von ihnen in einer vollen Badewanne sitzt und er diese
auf Kommando innerhalb einer Sekunde ausschüttet. Dies entspreche
der maximalen Wassermenge, die im Kraftwerk Strom erzeugt.
In einer Sekunde strömen 60 Kubikmeter durch die drei Turbinen
bei einer Fallhöhe von rund sechs Metern. Es werden über
2.000 Kilowatt Leistung erzielt, was knapp 3.000 Pferdestärken
entspricht, erklärte Zeller. Eine Pferdestärke entspreche
wiederum der Leistungsfähigkeit von zehn Hochleistungs-sportlern.
30.000 Menschen müssten also in einem Ruck an einem Strang
ziehen, um die Leistung aufzubringen, die das Kraftwerk erzeugt.
Das Wasserkraftwerk Zollhauswehr bei Ainring erzeugt nunmehr seit
fast zwei Jahrzehnten sauberen Strom und vermeidet damit einen Schadstoffausstoß
von 10.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr und weiterer Schadstoffe.
Durch diesen Strom wird beispielsweise der Einsatz von rund 5.000
Tonnen Steinkohle überflüssig. Es ergibt sich aus der
Kraft des Wassers ein wichtiger umwelt-schützender Aspekt,
sagte Anton Zeller. |

Regierungsbaumeister Anton Zeller mit Kindern der Grundschule Freilassing
bei der Besichtigung des Wasserkraftwerkes Zollhauswehr.
Mit den erneuerbaren Energien werde auch einvorausschauender Umwelt-
und Naturschutz praktiziert. Öl werde bereits in 40, Gas in 50
und Kohle in rund 250 Jahren verbraucht sein. Auch das Uran für
die Kernkraftwerke gehe bereits in rund 60 Jahren zur Neige. In
Bayern decke allein die Wasserkraft rund ein Viertel des Strombedarfs.
Die Lehrkräfte betonten im Gespräch mit den Schülern,
dass es ein gemeinsames Ziel sein sollte, die Plünderung der
Rohstoffe der Erde einzuschränken. Es sei ein Umdenken erforderlich,
das auf drastische Energie-einsparung und einen verstärkten
Einsatz der sauberen und unendlich nutzbaren Energien setzt. Aus
Anlass der atomaren Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl vor
20 Jahren wurden die Gefahren der Kernenergie verdeutlicht. |
Die erneuerbaren Energien stellten keine Risiken
für die kommenden Generationen dar, meinten die Lehrer. Die
Gemeinde Ainring sei sich des Problems bewusst. Durch die Kleinwasserkraftwerke
der Gemeinde wie das Kraftwerk Zollhauswehr, das Fischerwehr-kraftwerk
und weitere kleine Wasser-kraftwerke würden im Jahr rund 20
Millionen Kilowattstunden absolut schadstofffreie Energie erzeugt.
Aus erneuerbaren Energien würden rund vier Fünftel des
Strombedarfes in und um Ainring gedeckt. Damit zähle Ainring
in Sachen erneuerbare Energien zu den Spitzengemeinden in Deutschland.
Die Fragen der Kinder zielten vor allem darauf ab, wie man sich
die Energiegewinnung aus Wasser am leichtesten vorstellen kann.
Neben den Turbinen und Generatoren fanden die Alraunen großen
Anklang. Es handelt sich um Wurzeln und Holzstücke, die oft
Jahrzehnte vom Fluss mit den Kieselsteinen bearbeitet werden. Sie
gelangen über die so genannten Rechen vor den Turbinen wieder
ans Tageslicht.
Den Kindern wurden eine ganze Reihe solcher Schätze des Flusses
für den Kunstunterricht mitgegeben. Aber nicht nur solche Gebilde
kommen ans Tageslicht, sondern auch Schwemmsei und Unrat aller Art
wie alte Räder, Autoreifen und sonstiges. So werden die Wasserkraftwerke
nicht zu Unrecht als Müllschlucker der Flüsse bezeichnet.
|