Freilassinger Anzeiger vom 26. April 2006
Deutschland steht vor einem gravierenden Klimawechsel
Studie entwirft beängstigendes Szenario mit Dürreperioden und drastischen Folgen für die Volkswirtschaft

Dessau (dpa) - Deutschland steht vor einem gravierenden Klimawechsel. Die durchschnittliche Jahrestemperatur wird nach Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie bis zum Jahr 2100 um bis zu vier Grad Celsius höher liegen als Mitte des vorigen Jahrhunderts. »Das ist ein Sprung in der Temperatur, den wir jahrtausendelang nicht hatten«, sagte der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreias Troge, am Dienstag in Dessau. Die Behörde hatte die Studie in Auftrag gegeben.

Auch wenn das Datenmaterial noch nicht nicht vollständig ausgewertet ist, klingt das von den Forschern gezeichnete Szenario beängstigend. Die Sommer werden im Süden, Südwesten und Nordosten Deutschlands erheblich trockener. Landwirte müssen um ihre Ernteerträge fürchten. Die Gefahr von Waldbränden wächst angesichts der Dürreperioden. Die Binnenschiff-fahrt steht in Frage. Kühlwasser für Kernkraft-werke aus Flüssen könnte Mangelware werden. »Eine Prognose der Vegetationsänderungen ist schwierig, fest steht aber schon heute: Die Elbtalauen sind besonders gefährdet«, sagte Studienleiterin Daniela Jacob vom Max-Planck-Institut.

 

Auch Deutschland als Urlaubsland muss sich darauf einstellen. An der Küste wird die Strandkorbsaison verlängert, denn im Sommer wird es bis zu 25 Prozent weniger regnen. Dafür soll es im Winter bis zu 30 Prozent mehr Niederschlag geben. Die Temperatur steigt nach den Berechnungen an der Ostsee um 2,8 Grad, an der Nordsee um 2,5 Grad. Veränderungen auch in den Alpen, obwohl sich die Niederschlagsmenge kaum ändern wird:

Im deutschen Skigebiet Nummer eins müssen Seilbahnbetreiber und Hoteliers um ihre Kundschaft bangen, wenn 2100 nur halb so viel Schnee fällt wie heute. Gleichzeitig steigen die Temperaturen und lassen die Gletscher schneller als bisher schmelzen. Auch an der Westseite des Schwarzwaldes könnte der Regen abnehmen.

Auch für die Volkswirtschaft hat der Klimawechsel drastische Folgen. Nach Angaben des UBA-Präsidenten könnten die Kosten bis 2050 auf jährlich 27 Milliarden Euro steigen, die Schäden eines ungebremsten Klimawandels könnten gar bis zu zehn Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung betragen. »Klimaschutz hat einen langen Bremsweg. Um die wirtschaftlichen und sozialen Folgen abzufedern, müssen wir beginnen, uns anzupassen und zugleich mehr tun, und den Temperaturanstieg weltweit bis 2050 auf höchstens zwei Grad zu begrenzen«, sagte Troge.

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