Freilassinger Anzeiger vom 21. April 2006
Rottmayrstraße als städtische Kunstachse?
"Leben findet Innenstadt" - Bernd Steindorf mahnt Zusammenwirken aller Beteiligten an

LAUFEN - Sehr konkret war der Vorschlagskatalog für die Wiederbelebung der Laufener Innenstadt, den Bernd Steindorf im Rahmen der jüngsten Agenda-21-Sitzung aufstellte. Vor allem die Rottmayrstraße und der Tourismus lagen Steindorf am Herzen, verbunden mit dem Wunsch eines guten Zusammen-wirkens aller Beteiligten und der Forderung nach einem städtischen „Kümmerer", also einer städtischen Anlaufstelle, die „alle Fäden in der Hand hält".

Die Liste der Vorschläge unter der Überschrift „Leben findet Innenstadt" war lang und ließ sich grob in Veranstaltungen, Maßnahmen der Infrastruktur, Werbung und organisatorische Fragen unterteilen. Der größte Block waren Vorleistungen der Kommune, um die Innenstadt attraktiver zu machen. So wird durch den Stegbau ein neuer Altstadt-rundweg möglich, die anliegenden Häuser an den historischen Plätzen der Altstadt könnten dem Besucher mittels Schautafeln erklärt werden. Steindorf regte eine klare Trennung und Privilegierung zwischen den Parkplätzen der Altstadtbewohner und den Besuchern an.

Ein wesentlicher Punkt war die Einrichtung eines reinen Fußgängerbereichs in der Rott-mayrstraße nach dem Gasthaus Greimel bis hinunter zum Alten Rathaus. Die gastronomischen Betriebe könnten die Straße als Bewirtungsraum nutzen. Zufahrts-möglichkeiten für Anwohner und Lieferanten wären mit festgelegten Zeiten und entsprechenden Ausweisen weiter möglich.

Über die Altstadt hinaus sollte Laufen seine überörtlichen Verkehrsprobleme mit über 1.100 Schwerfahrzeugen mit einer entsprechenden Ortsumgehung baldmöglichst in den Griff bekommen, so Steindorf. Denn 1999 waren es 254.168 Lkw, die durch die Salzachstadt fuhren, 2005 ergab die Messstelle des Straßenbauamtes in Mayerhofen 319.875 Laster jährlich, eine Steigerung um 26 Prozent. Er schlug vor, den Schilderwald auszulichten und auf die städtischen Einrichtungen nach dem Vorbild Bad Reichenhalls zu beschränken.

Die Durchführung thematischer Märkte auf den Altstadtplätzen wäre ebenso möglich wie verkaufsoffene Sonntage mit Sonder-veranstaltungen im Altstadtbereich. Unter dem Oberbegriff Werbung würde die Verknüpfung gewerblicher und kultureller Sonder-veranstaltungen mit dem gesamten Rupertiwinkel und Salzburgs fallen.

rottmayr Strasse in Laufen
Die Rottmayrstraße soll bald als Fußgängerzone ausgebaut und „fußläufig " genutzt werden, lautet der Wunsch der Aktiven der Laufener Agenda-21.


Organisierte Stadtführungen und kulinarische Schmankerl wie der „Laufener Schifferbraten" oder das „Kapuzinerschnitzel" wären die Grund-lage für die Organisation von Tagesausflügen durch Busunternehmer.

Die Organisation des „Begriffs Laufen" sei der schwierigste Teil. Hier sollte der Historische Verein Rupertiwinkel ebenso einbezogen werden wie die Stadt Oberndorf. Eine repräsentative Internetpräsenz sollte alle Facetten verbal und bildlich umfangreicher als bisher herausstellen. Steindorf regte eine Lenkung des Waren-angebots speziell für die Innenstadt und im Besonderen für die Rottmayrstraße an.

Direktvermarktung, Feinkost, Secondhand, Bücher, Musik, Töpfereien seien seiner Meinung nach Nischen, die neben der Gastronomie, Bäckern, Metzgern und dem Kunstgewerbe in der Enge der Altstadt längerfristig Chancen hätten, da diese Bereiche nicht von der Laufkundschaft lebten. Alle diese Vorschläge implizieren ein verstärktes Augenmerk auf den Tagestourismus.

Schonungslos war die Bestandsaufnahme von Steindorf: immer weniger Geschäfte in der Innenstadt, zu wenig Umsatz, kein Produktangebot. Die Konkurrenz in Oberndorf ist attraktiv und umfangreich, die Güter des täglichen Bedarfs werden zusehends in der Peripherie abgedeckt.

Parkplätze sind in der Laufener Altstadt ausreichend vorhanden, aber nicht unmittelbar vor dem Geschäft. Die Verkehrssituation ist unbefriedigend, das Blechchaos in der Schloßstraße hinreichend bekannt. Die Kaufkraft ist im Landkreis weit unter dem Landesdurchschnitt, rund ein Drittel aller Laufener Arbeitnehmer müssen auspendeln und ziehen weitere Kaufkraft ab.

Ebenso negativ ist die touristische Betrachtung Laufens: Die Namen Salzburg und Berchtesgaden sind weltbekannt, doch die Übernachtungszahlen Laufens sind rückläufig. In den einschlägigen Reiseführern existiert Laufen praktisch nicht. Auch sind die Hinweise auf Laufen in den Veröffentlichungen der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH spärlich, kritisierte Steindorf: „Im gut gemachten Imagefilm 'alles andere als flach' endet der Landkreis am Kloster Höglwörth."

Dies sei verwunderlich, so Steindorf, da es doch zahlreiche Entspannungs-, Ausflugs-und Besichtigungs-möglichkeiten gäbe. Eine Steigerung des Bekanntheitsgrades durch eine entsprechende Präsenz in Reiseliteratur und Internet über Laufener Freizeit- und Kulturangebote sei daher dringend nötig.

Lebhaft war die anschließende Diskussion. Stadträtin Agnes Thanbichler verteidigte die Arbeit der BGL Tourismus GmbH, da diese Einrichtung von Vorschlägen aus der Region lebe. Günter Fixl von Laufen Aktiv e.V. legte Wert darauf, dass der Tagestourismus ein wichtiger Bestandteil der Altstadtbelebung sein könne. Inke Krauss brachte ihre Zweifel am Bewusstsein der Bürger zum Ausdruck und Dr. Josef Heringer hielt dem entgegen, dass das Bewusstsein und die Sehnsucht vieler Menschen zu charakteristischen Eindrücken, menschlicher Begegnung und Urbanität durchaus vorhanden ist und vielerorts von den modernen Shopping-Centern als Kaufanreiz genutzt würde.

Eine Perspektive für die Rottmayrstraße könnte laut Heringer die Ansiedlung von Handwerk und Kunst sein. In Folge des Stegbaus werde die Straße die „fußläufige und fahrradmäßige Wiederbelebung der alten Verkehrslinie" zwischen der Altstadt und der österreichischen Altach erfahren. Kunst-gewerbe, Ateliers und Spezialgeschäfte wären richtig angesiedelt, Antiquitäten. Keramik und Buchbindekunst gäbe es bereits.

Das Ziel wäre das Aufblühen einer StadtKunstAchse, so Heringer. Das nächste Treffen der Agenda-21 findet am Mittwoch, 17. Mai, im Rottmayr-saal des Alten Rathauses um 20 Uhr statt.


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