Freilassinger Anzeiger vom 29. März 2006
Die dritte Flut brachte das Fass zum Überlaufen
Das vom Hochwasser geplagte Dorf Moos will geschlossen umsiedeln / Von Christa Fünffinger

Moos - Nach dem dritten Hochwasser in sechs Jahren wollen die meisten der 105 Bewohner des Dörfchens Moos in der Gemeinde Burgheim (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) nur noch eines: weg.

Sie wollen dort neu anfangen, wo es kein Hochwasser gibt. Den Platz dafür haben sie schon gefunden - gleich nebenan im Nachbarort. Damit das Dorf geschlossen umsiedeln kann, muss der Freistaat Bayern allerdings seine Flächen mit ihren Grundstücken tauschen. Das Feilschen ums Geld hat begonnen.

Mitten durch das langgezogene Straßendorf fließt die Kleine Paar. Wie Ortssprecher Johannes Weidner kommen auch andere Bürger in diesen Tagen regelmäßig zur Brücke, um einen Blick auf den Pegelstand zu werfen. Nach dem vielen Schnee ist das Flüsschen bei Tauwetter rasch vollgelaufen. Aber die aktuellen Pegel und ein paar nasse Wiesen beunruhigen weder Weidner noch seine Mitbürger. Sie sind Schlimmeres gewohnt. Nicht umsonst haben die Mooser »Das Dorf im Stausee« unter ihre Ortstafel gepinselt.

Ihr Blick geht besorgt nach Westen. Denn wenige Kilometer entfernt fließt der Lech in die Donau. Wenn beide Flüsse angeschwollen sind und der nahe Stausee Bertoldsheim an seine Kapazitätsgrenze stößt, kann das Wasser ins tiefer gelegene Moos hineinschwappen. Zum ersten Mal geschah das an Pfingsten 1999.

Hochwasser in den Häusern hatte der 59-jährige Ortssprecher bis dahin nicht erlebt. Weidner ist in Moos geboren, seiner Familie gehört eine 400 Jahre alte Mühle. 1999 stand das Wasser plötzlich mehr als einen Meter hoch in den Straßen. 2002 hieß es in Moos schon wieder Land unter, wenn auch nicht so schlimm wie 1999. »Der dritte Hammer kam im August 2005«, sagt Weidner. »Dieses Hochwasser hat uns den Rest gegeben.«

Burgheims Bürgermeister Albin Kaufmann (Freie Wähler) fallen mehrere Gründe ein, warum der Ortsteil Moos in nur sechs Jahren gleich dreimal überschwemmt wurde. Der Rathauschef spricht von »Sünden der Vergangenheit«: Kanalisierte Flüsse, die zunehmende Verlandung des Stausees, weniger Flächen, an denen ein Fluss überlaufen kann, lauten nur einige seiner Vermutungen.

Deshalb sehen die Mooser den Freistaat in der Pflicht. Ein 15 Millionen Euro teurer Deich rund um den Ort scheiterte aus Kostengründen. Der Freistaat bot die Aussiedlung an. Doch die Bürger wollten zunächst nicht. Der Stimmungsumschwung kam erst mit dem Plan des Mooser Schreinermeisters Werner Meyer, das Dorf komplett umzusiedeln. Mittlerweile seien 98 Prozent dafür, sagt Weidner.

Auf dem Papier verlegte Meyer die 40 Anwesen samt Kapelle auf ein Areal im benachbarten Ortsteil Straß. Die so genannte Schlossbreite gehört zu einem pflanzenbaulichen Versuchsgut. Eigentümer ist der Freistaat. Das Gebiet ist ungefähr so groß wie Moos, vor allem aber hochwassersicher. »Meyer hat uns mit diesem kühnen Plan aus der Lethargie heraus-geholt«, sagt Weidner. »Jeder hat seinen Platz wiedergefunden.«

Jetzt geht es ums Geld. Die Betroffenen fürchteten, die angebotene staatliche Entschädigung könne nicht für einen Neuanfang reichen, sagt der Bürgermeister. Die Eigentümer sollen 65 Prozent des Gebäudewerts und der Abrisskosten bekommen. Die Grundstücke werden nicht entschädigt. Auch wenn die Mooser den Grund weiter ihr Eigentum nennen könnten, ein Verkauf dürfte schwierig werden. »Es geht keiner mehr nach Moos. Irgendwann ist es ein sterbendes Dorf«, meint Kaufmann. Der Bürgermeister verhandelt mittlerweile in den Ministerien wegen des Tausches. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. In Moos mahnt indessen ein Schild: »Angst und Schrecken wohnen hier. Wann kommt die Flut Nr. 4?

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