| Moos - Nach dem dritten Hochwasser in sechs Jahren
wollen die meisten der 105 Bewohner des Dörfchens Moos in der
Gemeinde Burgheim (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) nur noch eines:
weg.
Sie wollen dort neu anfangen, wo es kein Hochwasser gibt. Den Platz
dafür haben sie schon gefunden - gleich nebenan im Nachbarort.
Damit das Dorf geschlossen umsiedeln kann, muss der Freistaat Bayern
allerdings seine Flächen mit ihren Grundstücken tauschen.
Das Feilschen ums Geld hat begonnen.
Mitten durch das langgezogene Straßendorf fließt die
Kleine Paar. Wie Ortssprecher Johannes Weidner kommen auch andere
Bürger in diesen Tagen regelmäßig zur Brücke,
um einen Blick auf den Pegelstand zu werfen. Nach dem vielen Schnee
ist das Flüsschen bei Tauwetter rasch vollgelaufen. Aber die
aktuellen Pegel und ein paar nasse Wiesen beunruhigen weder Weidner
noch seine Mitbürger. Sie sind Schlimmeres gewohnt. Nicht umsonst
haben die Mooser »Das Dorf im Stausee« unter ihre Ortstafel
gepinselt.
Ihr Blick geht besorgt nach Westen. Denn wenige Kilometer entfernt
fließt der Lech in die Donau. Wenn beide Flüsse angeschwollen
sind und der nahe Stausee Bertoldsheim an seine Kapazitätsgrenze
stößt, kann das Wasser ins tiefer gelegene Moos hineinschwappen.
Zum ersten Mal geschah das an Pfingsten 1999.
Hochwasser in den Häusern hatte der 59-jährige Ortssprecher
bis dahin nicht erlebt. Weidner ist in Moos geboren, seiner Familie
gehört eine 400 Jahre alte Mühle. 1999 stand das Wasser
plötzlich mehr als einen Meter hoch in den Straßen. 2002
hieß es in Moos schon wieder Land unter, wenn auch nicht so
schlimm wie 1999. »Der dritte Hammer kam im August 2005«,
sagt Weidner. »Dieses Hochwasser hat uns den Rest gegeben.«
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Burgheims Bürgermeister Albin Kaufmann (Freie Wähler)
fallen mehrere Gründe ein, warum der Ortsteil Moos in nur sechs
Jahren gleich dreimal überschwemmt wurde. Der Rathauschef spricht
von »Sünden der Vergangenheit«: Kanalisierte Flüsse,
die zunehmende Verlandung des Stausees, weniger Flächen, an
denen ein Fluss überlaufen kann, lauten nur einige seiner Vermutungen.
Deshalb sehen die Mooser den Freistaat in der Pflicht. Ein 15
Millionen Euro teurer Deich rund um den Ort scheiterte aus Kostengründen.
Der Freistaat bot die Aussiedlung an. Doch die Bürger wollten
zunächst nicht. Der Stimmungsumschwung kam erst mit dem Plan
des Mooser Schreinermeisters Werner Meyer, das Dorf komplett umzusiedeln.
Mittlerweile seien 98 Prozent dafür, sagt Weidner.
Auf dem Papier verlegte Meyer die 40 Anwesen samt Kapelle auf
ein Areal im benachbarten Ortsteil Straß. Die so genannte
Schlossbreite gehört zu einem pflanzenbaulichen Versuchsgut.
Eigentümer ist der Freistaat. Das Gebiet ist ungefähr
so groß wie Moos, vor allem aber hochwassersicher. »Meyer
hat uns mit diesem kühnen Plan aus der Lethargie heraus-geholt«,
sagt Weidner. »Jeder hat seinen Platz wiedergefunden.«
Jetzt geht es ums Geld. Die Betroffenen fürchteten, die angebotene
staatliche Entschädigung könne nicht für einen Neuanfang
reichen, sagt der Bürgermeister. Die Eigentümer sollen
65 Prozent des Gebäudewerts und der Abrisskosten bekommen.
Die Grundstücke werden nicht entschädigt. Auch wenn die
Mooser den Grund weiter ihr Eigentum nennen könnten, ein Verkauf
dürfte schwierig werden. »Es geht keiner mehr nach Moos.
Irgendwann ist es ein sterbendes Dorf«, meint Kaufmann. Der
Bürgermeister verhandelt mittlerweile in den Ministerien wegen
des Tausches. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. In Moos
mahnt indessen ein Schild: »Angst und Schrecken wohnen hier.
Wann kommt die Flut Nr. 4?
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