Freilassinger Anzeiger vom 15. Dezember 2005
Ainringer Moos ist die Heimat seltener Vögel
Führungen des Bundes Naturschutz kommen gut an - Rücksicht auf Brutzeiten nehmen

AINRING - 540 Interessenten nahmen in diesem Jahr an den Führungen des Bund Naurschutz durch interessante heimische Naurräume teil. Während des Winters gibt es keine Wanderungen, dafür werden Vorträge angeboten.

„Nur was der Mensch kennt kann er lieben, nur Mitgeschöpfe und Lebensräume, die ihm etwas bedeuten, wird er bewahren", lautet das Motto des Bundes Naturschutz. Deshalb sind Informationen über die Umwelt für ihn oberste Priorität.

Zunehmend greifen Vereine und Schulklassen auf das Angebot einer fach-kundigen Führung durch das Ainringer Moos zurück. Dort kann beobachtet werden, wie nach menschlicher Nutzung verödete Lebensräume wieder zum Leben erwachen, wenn entsprechende Bedingungen geschaffen verden. Pflanzen und Tiere, die längst verschwunden waren, werden dort genauso angesiedelt wie bedrohte Arten, die ideale Bedingungen vorfinden.

Dem Alter und Interesse der Teilnehmer angemessen werden die Exkursionen gestaltet. Vogel-liebhaber kommen genauso auf ihre Kosten wie Pflanzenfreunde oder Eltern-Kind-Gruppen, für die Moor-sagen und Umweltspiele auf dem Programm stehen.

Viele „Rote-Listen-Arten" wurden heuer wieder im Moos beobachtet, einige der bedrohten Brutvögel konnten zum wiederholten Mal mit Erfolg Nachwuchs aufziehen.

Sorgen bereiteten heuer die Kiebitze. Von circa 50 Tieren, die im Herbst 2004 in die Überwinterungs-gebiete zogen, kamen nur etwa sechs Brutpaare in das Ainringer Moor zurück.

Wahrscheinlich forderte der späte, heftige Wintereinbruch viele Opfer unter den Vögeln, als sie gerade auf der Rückreise in ihre Brutgebiete waren. Die Population erhöhte sich in diesem Sommer wieder auf circa 30 Kiebitze. Die sehr seltene Zwergdommel brütete erstmals im Ainringer Moos und zog ein Junges auf.

Das Moos liegt nun im „Winterschlaf", die Teiche sind zugefroren und geben keine Nahrung mehr frei. Für die Vögel, die im Winter hier bleiben, beginnt jetzt die Zeit des Mangels. Vor allem die großen Beutegreifer finden bei geschlossener Schneedecke wenig Nahrung. Oft sind jetzt die Graureiher auf abgeernteten Ackerflächen zu sehen, wo sie nach Mäusen Ausschau halten.

Manchmal kommen sie bis an den Straßenrand, um die Überreste von überfahrenen Tieren aufzunehmen. Sehr zur Freude der Vogelliebhaber hält sich seit mehreren Wochen ein seltener Wintergast aus dem hohen Norden in den Rand-bereichen des Ainringer Mooses auf: ein sehr stattlicher Raufuß-bussard, erkennbar an seiner auffallenden Größe, den hellen Schwingen, der schwarzen Schwanzbinde und seinen „Federstiefeln", den bis zum Zehenansatz befiederten Beinen.

Auch die große Rohrdommel wurde wieder gesichtet.

„Die einheimischen Bürger sind viel aufmerksamer und rücksichtsvoller gegenüber den Vögeln geworden", freuen sich die Aktiven von Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz. Die Umweltschützer loben den Moorerlebnispfad, der voraussichtlich im kommenden Jahr mit interessanten Natur-erlebnis-stationen ausgestattet wird.

In Verbindung mit der gelungenen Darstellung der Industrie-geschichte des Moores durch den Verein „Freunde des Ainringer Mooses" im Nordwestbereich ist ein interessanter Naherholungs-bereich für Einheimische und Gäste entstanden.

Die Aktiven wünschen sich jedoch, dass die Kernzone der renaturierten Flächen wenigstens während der Brutzeit störungsfrei gehalten wird. Wenn aufgescheuchte Brutvögel auch nur vorübergehend ihr Gelege verlassen, schlägt nämlich die Stunde der Nesträuber.

Da parallel zum Hauptdamm, nur wenige hundert Meter westlich, ein Weg nahe der Kante des Abbaugebietes im Wald verläuft, kann man auch ohne den Hauptdamm zu benutzen rund um die renaturierte Fläche gehen und sie von allen Seiten einsehen, ohne sie betreten zu müssen.



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