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FREILASSING/SIEZENHEIM (dk) - Die Begradigung
des natürlichen Flusslaufes hat an Salzach und Saalach zu einer
gefährlichen Situation geführt. Beide Flüsse graben
sich dadurch immer tiefer nach unten ein. Mögliche Sohldurchbrüche
können nun Siedlungen und Brücken bedrohen. Eine Sohlrampe
bei Freilassing soll jetzt die Eintiefung der Saalach stoppen. Freilassings
Bürgermeister Josef Flatscher sieht darin allerdings vor allem
einen „Startschuss" für ein anderes Großprojekt,
nämlich für die Sanierung der Salzach.
Die Flussbegradigungen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts haben
an vielen Flüssen zu einer prekären Situation geführt.
So auch an der Saalach. In den vergangenen 90 Jahren hat sich der
Grenzfluss auf seinen letzten zehn Kilometern vor der Einmündung
in die Salzach um etwa fünf Meter eingetieft. Allein beim Augusthochwasser
2002 sackte der Fluss an einigen Stellen um etwa einen Meter ab.
Damit besteht die Gefahr eines so genannten Sohldurchschlags.
Bei einem Hochwasser kann sich die Flusssohle binnen Stunden um
mehrere Meter nach unten graben. Nachbrechende Ufer-böschungen,
Schäden an Leitungen und ein weiteres Absinken des Grundwasser-spiegels
wären die Folge. Auch ökologisch birgt die „Fahrt
nach unten" Gefahren: Die Eintiefung führt zur Entkopplung
der Aue vom Grundwasser. Dadurch verändert sich die Arten-zusammensetzung
in diesem geschützten Naturgebiet.
Um die Flusssohle zwischen den beiden Kraftwerken Zollhaus-wehr
und Rott zu stützen und anzuheben, soll nun bei Flusskilometer
4,6 eine Sohlrampe entstehen.

„Die Sanierung entspricht
einem modernen, ganzheitlichen Wasser-management", sagte Wolfgang
Stalzer vom österreichischen Bundesministerium für Land-
und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.
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Beim symbolischen Spatenstich
für die Sohlrampe vereint (von links): Ainrings Bürgermeister
Hans Eschlberger, Freilassings Stadtoberhaupt Josef Flatscher und
Franz Hirnsperger, Vizebürgermeister der Gemeinde Wals-Siezenheim.
Fotos: Kloo
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Bei der Planung des grenzüber-schreitenden
Gemeinschafts-projektes zwischen Bayern und Salzburg arbeiteten
das Wasserwirtschaftsamt Traunstein und das Amt der Salzburger Landesregierung
eng zusammen. Modell-untersuchungen für die geplante Rampe
fanden an den Technischen Universitäten in München und
Wien statt.
Vertreter beider Länder setzten nun mit einem symbolischen
Spatenstich die Bauphase in Gang. Im Frühjahr 2006 sollen die
Hauptarbeiten abgeschlossen sein. Die Hälfte der Baukosten
trägt die Europäische Union im Rahmen der Interreg-III-Förderung.
Den Rest teilen sich die beiden Anrainer-staaten.
Martin Grambow vom Bayerischen Staats-ministerium
für Umwelt, Gesundheit und Verbraucher-schutz meinte: „Die
Eintiefung der Voralpenflüsse ist eine unserer größten
Sorgen. Sie tritt zwar oft hinter den Hochwasser-ereignissen zurück,
ist aber langfristig ähnlich gefährlich und teuer."
Die Zusammenarbeit der beiden Länder wertete er positiv: „Auch
wenn manche Verfahren dadurch etwas komplizierter werden, so liegt
im gegenseitigen Austausch von Erfahrungen doch ein Mehrwert."
Sektionschef Wolfgang Stalzer vom österreichischen Bundesministerium
für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
freute sich über den Startschuss zu dem „interessanten
Projekt": „Die Sanierung entspricht einem modernen, ganz-heitlichen
Wasser-management", sagte er.
Ainrings Bürgermeister Hans Eschlberger hob
besonders die Hochwassersicherheit hervor. Denn durch die Rampe
soll auch die Standsicherheit der Bauwerke am Fluss bewahrt werden. |
Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher
sieht in der Sohlrampe einen „Startschuss" für ein
anderes Großprojekt, nämlich für die Sanierung der
Salzach.
Grundsätzlich wertete er die geplante Aufweitung der Salzach
positiv, „auch wenn sich dadurch der Stegbau am Saalachspitz
verzögert". Das Modell für die Sohlrampe entstand
durch eine intensive Zusammenarbeit von Gewässerökologen,
Landschafts-architekten und Wasserbauern. „So ist eines unserer
ökologischen Ziele, dass sich heimische Fische wieder ansiedeln",
erläuterte Bert Ulmer vom Amt der Salzburger
Landesregierung.
Eine Art Treppenbauweise gewährleistet, dass Fische und andere
Gewässer-lebewesen die Rampe überwinden können. „Die
geplante Rampe lässt auch das für den Fluss wichtige Geschiebe
durch", ergänzte Andreas Baum vom Wasser-wirtschaftsamt
Traunstein. Im Idealfall soll der Kies bis in die Salzach gelangen.
Insgesamt 21.000 Tonnen Steine werden in das Bauwerk, das gänzlich
ohne Beton auskommt, verwendet. „Die Einzelsteine wiegen bis
zu sieben Tonnen", so Ulmer. Die Rampe selbst umfasst eine
Länge von 70 Metern, Mit Vor- und Nachbett-sicherung erstreckt
sich das Bauwerk über 300 Meter. Im Bereich der Rampe wird
die Saalach aufgeweitet und der monotone, geradlinige Flusslauf
aufgebrochen. Zusätzlich entstehen am Ufer Schutz-räume
für Fische, so dass sie bei Hochwasser nicht bis zum Kraftwerk
Rott durchgespült werden.
Von einer „neuen Dimension im Wasserbau" sprach Günter
Hopf vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein. Hier entstehe
die größte Rampe dieser Bauart im Alpenraum. Er hoffe
allerdings, dass auch die Salzach-Sanierung bald in Angriff genommen
werden kann: „Dann entsteht dort vielleicht die grösste
Rampe Europas."
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