Freilassinger Anzeiger vom 7. Oktober 2005
Ökologie und Hochwasserschutz vereint
Die neue Sohlrampe soll Eintiefung der Saalach stoppen

FREILASSING/SIEZENHEIM (dk) - Die Begradigung des natürlichen Flusslaufes hat an Salzach und Saalach zu einer gefährlichen Situation geführt. Beide Flüsse graben sich dadurch immer tiefer nach unten ein. Mögliche Sohldurchbrüche können nun Siedlungen und Brücken bedrohen. Eine Sohlrampe bei Freilassing soll jetzt die Eintiefung der Saalach stoppen. Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher sieht darin allerdings vor allem einen „Startschuss" für ein anderes Großprojekt, nämlich für die Sanierung der Salzach.

Die Flussbegradigungen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts haben an vielen Flüssen zu einer prekären Situation geführt. So auch an der Saalach. In den vergangenen 90 Jahren hat sich der Grenzfluss auf seinen letzten zehn Kilometern vor der Einmündung in die Salzach um etwa fünf Meter eingetieft. Allein beim Augusthochwasser 2002 sackte der Fluss an einigen Stellen um etwa einen Meter ab. Damit besteht die Gefahr eines so genannten Sohldurchschlags.

Bei einem Hochwasser kann sich die Flusssohle binnen Stunden um mehrere Meter nach unten graben. Nachbrechende Ufer-böschungen, Schäden an Leitungen und ein weiteres Absinken des Grundwasser-spiegels wären die Folge. Auch ökologisch birgt die „Fahrt nach unten" Gefahren: Die Eintiefung führt zur Entkopplung der Aue vom Grundwasser. Dadurch verändert sich die Arten-zusammensetzung in diesem geschützten Naturgebiet.

Um die Flusssohle zwischen den beiden Kraftwerken Zollhaus-wehr und Rott zu stützen und anzuheben, soll nun bei Flusskilometer 4,6 eine Sohlrampe entstehen.




„Die Sanierung entspricht einem modernen, ganzheitlichen Wasser-management", sagte Wolfgang Stalzer vom österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.

Beim symbolischen Spatenstich für die Sohlrampe vereint (von links): Ainrings Bürgermeister Hans Eschlberger, Freilassings Stadtoberhaupt Josef Flatscher und Franz Hirnsperger, Vizebürgermeister der Gemeinde Wals-Siezenheim. Fotos: Kloo

Bei der Planung des grenzüber-schreitenden Gemeinschafts-projektes zwischen Bayern und Salzburg arbeiteten das Wasserwirtschaftsamt Traunstein und das Amt der Salzburger Landesregierung eng zusammen. Modell-untersuchungen für die geplante Rampe fanden an den Technischen Universitäten in München und Wien statt.

Vertreter beider Länder setzten nun mit einem symbolischen Spatenstich die Bauphase in Gang. Im Frühjahr 2006 sollen die Hauptarbeiten abgeschlossen sein. Die Hälfte der Baukosten trägt die Europäische Union im Rahmen der Interreg-III-Förderung. Den Rest teilen sich die beiden Anrainer-staaten.

Martin Grambow vom Bayerischen Staats-ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucher-schutz meinte: „Die Eintiefung der Voralpenflüsse ist eine unserer größten Sorgen. Sie tritt zwar oft hinter den Hochwasser-ereignissen zurück, ist aber langfristig ähnlich gefährlich und teuer." Die Zusammenarbeit der beiden Länder wertete er positiv: „Auch wenn manche Verfahren dadurch etwas komplizierter werden, so liegt im gegenseitigen Austausch von Erfahrungen doch ein Mehrwert."

Sektionschef Wolfgang Stalzer vom österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft freute sich über den Startschuss zu dem „interessanten Projekt": „Die Sanierung entspricht einem modernen, ganz-heitlichen Wasser-management", sagte er.

Ainrings Bürgermeister Hans Eschlberger hob besonders die Hochwassersicherheit hervor. Denn durch die Rampe soll auch die Standsicherheit der Bauwerke am Fluss bewahrt werden.

Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher sieht in der Sohlrampe einen „Startschuss" für ein anderes Großprojekt, nämlich für die Sanierung der Salzach.

Grundsätzlich wertete er die geplante Aufweitung der Salzach positiv, „auch wenn sich dadurch der Stegbau am Saalachspitz verzögert". Das Modell für die Sohlrampe entstand durch eine intensive Zusammenarbeit von Gewässerökologen, Landschafts-architekten und Wasserbauern. „So ist eines unserer ökologischen Ziele, dass sich heimische Fische wieder ansiedeln", erläuterte Bert Ulmer vom Amt der Salzburger Landesregierung.

Eine Art Treppenbauweise gewährleistet, dass Fische und andere Gewässer-lebewesen die Rampe überwinden können. „Die geplante Rampe lässt auch das für den Fluss wichtige Geschiebe durch", ergänzte Andreas Baum vom Wasser-wirtschaftsamt Traunstein. Im Idealfall soll der Kies bis in die Salzach gelangen.

Insgesamt 21.000 Tonnen Steine werden in das Bauwerk, das gänzlich ohne Beton auskommt, verwendet. „Die Einzelsteine wiegen bis zu sieben Tonnen", so Ulmer. Die Rampe selbst umfasst eine Länge von 70 Metern, Mit Vor- und Nachbett-sicherung erstreckt sich das Bauwerk über 300 Meter. Im Bereich der Rampe wird die Saalach aufgeweitet und der monotone, geradlinige Flusslauf aufgebrochen. Zusätzlich entstehen am Ufer Schutz-räume für Fische, so dass sie bei Hochwasser nicht bis zum Kraftwerk Rott durchgespült werden.

Von einer „neuen Dimension im Wasserbau" sprach Günter Hopf vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein. Hier entstehe die größte Rampe dieser Bauart im Alpenraum. Er hoffe allerdings, dass auch die Salzach-Sanierung bald in Angriff genommen werden kann: „Dann entsteht dort vielleicht die grösste Rampe Europas."


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